Brett&Spiele #4: Star Wars: Rebellion

Porg-Kuscheltiere, ein Han Solo-Prequel, KultLaute-Filmreviews, Darth Vader T-Shirts und Plastik-Laserschwerter. Star Wars ist und bleibt omnipräsent in unserer Popkultur. Von daher ist es nur logisch, dass wir auch mit diversen Brettspielen beglückt werden. Das hier vorgestellte Spiel Star Wars: Rebellion ist aber nicht die 1573. Auflage von Monopoly, bei der ich mir Dagobar anstatt der Badstraße kaufe, sondern ein eigenständiges neues Spiel mit zum Teil sehr innovativen Spielmechaniken.

Ich würde Rebellion als asymmetrisches, teambasiertes Strategiespiel bezeichnen. Rebellion ist zwar auch zu zweit, also eins gegen eins, spielbar, gewinnt aber einiges an Flair und Spieltiefe, wenn zwei Imperiumstreue gegen zwei Anhänger der Rebellion antreten. Zeitlich befinden wir uns am Anfang von Episode IV, also dem ältesten Film. Das Imperium hat gerade den Todesstern auf die Galaxis losgelassen und die Rebellion ist relativ klein und zerstreut.

Asymmetrisch ist das Ganze nun, da die beiden Teams unterschiedliche Ziele haben:

Der unentdeckte Rebellenstützpunkt

Ziel der beiden Imperiumsspieler ist es, das Rebellenhauptquartier auszurotten, die Rebellion muss nur so lange durchhalten und Hoffnung bei den Unterdrückten des Imperiums schüren bis die Stimmung kippt. Hierbei ist das Imperium vor allem an Anfang des Spiels der Rebellion militärisch vollkommen überlegen und bleibt dies meistens auch bis zum Ende des Spiels. Die Rebellion dagegen hat den Vorteil, dass das Imperium nicht weiß, wo der Rebellenstützpunkt verborgen liegt. Die Rebellion arbeitet mit gezielten Nadelstichen, die überall auf der ganzen Karte gesetzt werden können. Das Imperium dagegen ist langsam und schwerfällig, was es aber mit fast schon übertriebener Schlagkraft, Gewalt und stärkeren Helden ausgleicht. Nicht selten passiert es, dass die Rebellion, ohne auch nur einen einzigen Luftkampf gewonnen zu haben, das Spiel für sich entscheidet, oder das Imperium die Rebellion erstickt, weil es mehrere Anführer ebendieser gefangen, gefoltert oder in Carbon eingefroren hat.

Das Imperium hat beschlossen, sich nicht mehr länger mit den lästigen Fischmenschen von Mon Calamari herumzuärgern und deswegen zu einer permanenten Lösung gegriffen.

Allein diese Mechanik macht Rebellion für mich so toll. Der Ort der Rebellenbasis wird am Anfang des Spiels von den beiden Rebellen-Spielern festgelegt, wobei sie natürlich über den Standort diskutieren dürfen. Bereits diese Gespräche schaffen ein einzigartiges Team bzw. „us vs. them“-Gefühl und bereichern das Spiel ungemein. Auch im normalen Verlauf des Spiels müssen viele Entscheidungen als Team getroffen werden. Jedes Team hat eine gewisse Anzahl an Helden, die er auf gezogene Missionen schicken oder in Reserve lassen kann, um entweder eine Flotte auf dem Spielbrett zu bewegen oder zu versuchen gegnerische Missionen zu verhindern. Hier müssen so viele Faktoren beachtet werden, dass auch hier regelmäßig hektisches Getuschel zwischen den beiden Spielern ausbricht, denn der Spieltisch darf nicht für taktische Besprechungen verlassen werden! So muss zum Beispiel beachtet werden, dass der Admiral der Rebellen, also der Oberbefehlshaber über die Weltraumstreitmacht, eine Runde beginnt, anschließend der Admiral des Imperiums, dann der General des Imperiums, der alle Bodentruppen kommandiert, und erst zum Schluss der General der Rebellion am Zug ist.

Die Rebellion schickt drei ihrer Helden auf Mission, nur Han Solo bleibt in Reserve um zu versuchen, die Missionen des Imperiums aufzuhalten.

 

Aber nicht nur das Teamspiel macht Rebellion für mich so toll. Das Spiel schafft es immer, entweder auf spannende, immersive Art die Star Wars-Story nachzuerzählen oder ganz neue Geschichten zu spinnen. Natürlich ist es cool, wenn Chewbacca die Wookie-Revolution anzettelt und dadurch die Rebellion weiterbringt. Genauso witzig ist es, wenn Mon Mothma vom Imperator zur dunklen Seite bekehrt wird und eine Schreckensherrschaft über Mon Calamari beginnt. Beides ist im Spiel möglich. 

Auch der zur Hilfe geeilte Boba Fett kann nicht verhindern, das Obi Wan Prinzessin Lea aus Darth Vaders Star Destroyer rettet.

Erstaunlicherweise schafft es das Spiel trotz seiner extrem zahlreichen Spielmechaniken (Bodenkampf, besondere Bauprojekte des Imperiums, einzigartige Fähigkeiten jedes Charakters, Boden- und Raumkämpfe, die nicht nur durch Würfel sondern auch Taktikkarten und anwesende Helden entschieden werden, ein ausgeklügeltes Bausystem der Einheiten undundund) erstaunlich einfach zu bleiben. Jede Mechanik für sich ist einfach zu verstehen und trotzdem so komplex, dass sie sich sinnvoll und wichtig anfühlt. Auch die Balance zwischen Zufallsfaktor und Strategie ist perfekt gelungen. Nie hat man das Gefühl, komplett strategisch vorgehen zu müssen, denn wenn uns Star Wars eins gelehrt hat, dann, dass Hoffnung mindestens genauso wichtig ist. Dies führt dazu, dass auch bei einem sichtlich schwächeren Team das Spiel unterhaltsam bleibt. Andererseits wird wohl fast sicher das erfahrenere Team gewinnen, da es mehr als genug Gelegenheiten gibt, das andere Team in Fallen zu locken oder strategisch zu überlisten.

General Tagge entdeckt durch Zufall und dem Landen eines einsamen Stormtroopers den Rebellstützpunkt auf Ilum, direkt im Herzen des Imperiums, nur zwei Felder von Coruscant entfernt. Die Rebellion konnte hier nur so lange agieren, da das Imperium nie davon ausgegangen wäre, dass sich der Stützpunkt direkt vor ihrer Nase befinden würde.

Ich könnte hier noch ewig weiterschwärmen. Zum Beispiel darüber, wie toll die unzähligen Miniaturen, die man mit Rebellion erwirbt, sind. Das Imperium hat über 20 Plastik-Stormtrooper, zwei Death Stars, Star Destroyer und noch vieles mehr. Oder wie viel verschiedene Ansätze beide Parteien verfolgen können, um den Sieg zu erreichen. Welch tolle cineastische Elemente das Spiel generiert oder wie schön man abnerden kann. Allerdings muss ich auch einige Nachteile erwähnen. Zum einen ist das Spiel nicht ganz billig und benötigt unverhältnismäßig viel Platz für vier Spieler. Auch bin ich mir sicher, dass das Spielerlebnis für Star Wars fremde Spieler wesentlich unerfreulicher ist.

Das Spielbrett, ohne die 1000 Zusatzkomponenten (Mr. Meeseeks Tasse for scale)

Trotzdem ist Rebellion aktuell eins meiner zwei Lieblingsspiele, da es sowohl Teamwork als auch taktisches Gegeneinander fordert, tolle Geschichten erzählt, beeindruckend aussieht und mit durchschnittlich 2,5h Spieldauer genau den Sweetspot trifft.

Fakten:

Name: Star Wars: Rebellion

Designer: Corey Konieczka

Publisher: Fantasy Flight Games

Preis: circa 90€

Bewertung 10/10 für Star Wars-Fans

Andreas

Andreas

Andi einen Text über sich selbst schreiben zu lassen, ist vermutlich nicht die beste Idee. Er würde nämlich nur erwähnen, wie toll, gutaussehend, schlau, höflich, verlässlich, kinderlieb und bescheiden er ist. Ist Andi nicht mit dem Schreiben von Texten, die nur er wirklich witzig findet, beschäftigt, geht er vermutlich einem seiner diversen Nerdhobbys nach: Entweder schiebt er kleine, selbstbemalte Zinnfiguren hin und her, beschäftigt sich mit vollkommen überteuerten Papprechtecken, auch bekannt als Magic, oder spielt absurd lange Brettspiele.

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