Dark: haben deutsche Serien wieder eine Chance?

Vorab muss ich sagen, dass ich grundsätzlich weder deutsche Filme noch deutsche Serien mag. Damit will ich nicht sagen, dass es gar keine guten deutschen Filme und Serien gibt, aber abgesehen davon, dass im TV gefühlt nur noch Serien wie Frauentausch laufen, mag ich auch bei qualitativ hochwertigeren Serien den gewissen „Vibe“ nicht. Trotz meiner eher negativen Grundeinstellung wollte ich der ersten deutschsprachigen Netflix-Serie Dark eine Chance geben. Das Ergebnis findet ihr hier.

imdb.com

Worum geht es?

Dark ist gar nicht so einfach zusammenzufassen. Im englischsprachigen Wikipedia-Eintrag wird es als „supernatural science fiction thriller drama web series“ bezeichnet und das klingt zwar sehr kompliziert, trifft es aber eigentlich ganz gut. Die Serie lässt sich nun auch wirklich nicht nebenbei schauen, man sollte schon seine ganze Konzentration darauf richten, damit man auch nichts verpasst. Die Handlung beginnt im Jahr 2019 in der fiktiven deutschen Kleinstadt Winden, wo Kinder verschwinden. Das Verschwinden der Kinder und die Suche nach ihnen, besonders nach dem kleinen Mikkel, bringen zerbrochene Beziehungen, Geheimnisse und vor allem die immer wieder miteinander verwobenen Vergangenheiten der Windener Familien Kahnwald, Nielsen, Tiedemann und Doppler ans Licht. In der ersten Folge von Dark könnte man noch denken, es handle sich um eine Krimi-Serie, aber im Laufe der Serie kommen immer mehr übernatürliche beziehungsweise Science-Fiction-Elemente hinzu. Dabei wechselt die Serie immer wieder zwischen den Jahren 2019, 1983 und 1953 hin und her. Man begleitet demnach auch viele Charaktere in verschiedenen Zeiten. Wenn man aber eine Hauptfigur nennen will, so wäre das wohl der 16-jährige Jonas Kahnwald, dessen Vater vor Kurzem Selbstmord begangen hat und zuvor jahrelang ein großes Geheimnis mit sich herumtrug. Jonas folgt einer mysteriösen Karte, um mehr über die Höhlen unter dem Atomkraftwerk herauszufinden, in deren Umgebung Mikkel verschwunden ist, und findet so nicht nur etwas über den Verbleib von Mikkel heraus, sondern auch über die Vergangenheit seines Vaters. Als zweitwichtigsten Charakter empfinde ich Ulrich Nielsen: Er ist nicht nur der Vater des verschwundenen Mikkel, sondern sein Bruder Mads ist als Kind ebenfalls verschwunden. Als Polizist vergräbt sich Ulrich in den Ermittlungen, bis er geradezu besessen von der Vergangenheit ist. Mehr will ich hier auch gar nicht verraten, da die Serie zu einem Großteil davon lebt, dass die Dinge erst nach und nach enthüllt werden.

imdb.com

Meine Meinung

Insgesamt muss ich sagen, dass ich von Dark absolut positiv überrascht war. Einige Kritikpunkte gibt es natürlich schon: Meiner Meinung nach könnten 80 % der Schauspieler eine Sprachschulung vertragen. Viele von ihnen sprechen sehr undeutlich und leise und beispielsweise Lisa Vicari, die Darstellerin von Mikkels älterer Schwester Martha, konnte ich manchmal überhaupt nicht verstehen. Kurzzeitig habe ich sogar darüber nachgedacht, die Serie mit der englischen Synchronisation zu schauen, das kam mir aber dann übertrieben vor. Womöglich habe ich mich einfach daran gewöhnt, aber gegen Ende der Serie kam es mir dann auch besser vor. Abgesehen von diesem großen Kritikpunkt gab es nur noch ein paar kleinere Aspekte: Manchmal war die Musik zu laut (sonst aber sehr gut) und die Dialoge wirkten ab und zu etwas gestellt.

Demgegenüber steht allerdings eine großartig ausgearbeitete Story. Ich finde, man braucht ein bis zwei Folgen, um „reinzukommen“, gerade weil es so viele Charaktere gibt, aber danach war ich durch und durch gespannt und habe tatsächlich die ersten sechs Folgen in einem Rutsch geschaut und da auch nur aufgehört, weil es halb vier Uhr morgens war. Ich habe es sehr genossen, wie sich nach und nach die Geschichte entfaltet und die Geheimnisse aufgedeckt werden.

Die Bilder fand ich auch sehr gut und nicht so „typisch deutsch“ wie das in vielen deutschen Serien der Fall ist. Von der Bildkomposition und dem Schnitt her hat mich Dark eher an amerikanische Serien erinnert, was wohl Netflix als Produzenten geschuldet ist. Allgemein wirkt Dark, wie der Name schon ahnen lässt, dunkel, ohne dabei jedoch langweilig zu wirken. Jonas mit seiner gelben Regenjacke sticht besonders heraus, was dazu passt, dass er gewissermaßen einen roten (hier gelben) Faden darstellt. Schön sind auch die Kostüme in den verschiedenen Epochen.

Alles in allem würde ich die Serie Mystery-Fans sofort weiterempfehlen, auch wenn man sich als Liebhaber von englischsprachigen Serien erst einmal an die deutschen Schauspieler gewöhnen muss. Ich sehe Dark wirklich als eine große Chance für deutsche Serien und hoffe, dass damit ein Startschuss gefallen ist, der zu ähnlich guten (oder noch besseren?) Filmen und Serien führt.

imdb.com

 

SPOILER:

Wer etwas gegen Zeitreisen und Paradoxa hat, wird sich mit dieser Serie nicht anfreunden können 😉

 

 

Sandra Kalhofer

Sandra Kalhofer

Sandra liebt Sprachen und arbeitet gerne mit Kindern, deshalb studiert sie Lehramt Gymnasium mit den Fächern Englisch und Französisch. Ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Außerdem hat Sandra scheinbar viel zu viel Zeit, deswegen macht sie auch bei allen möglichen Gruppen und Projekten mit. Für KultLaute opfert sie aber besonders gerne ihre Freizeit.

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.