Das Spiel mit den Absagen und der meist unvermeidliche Plan B

Mal ehrlich: Würden Träume wirklich in Erfüllung gehen, gäbe es auf der Welt nur Astronauten und Prinzessinnen.

Zur Zeit bekomme ich folgenden Satz häufiger zu lesen: “Es tut uns Leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir uns letztlich für einen anderen Kandidaten entschieden haben.” Sei es, dass ich mich für ein Praktikum, sei es, dass ich mich an einer Schauspielschule beworben hatte. Anfangs sagt man sich “Ja, waren halt sehr viele, kann ja passieren.” Doch irgendwann drängt sich dann doch die Frage auf: “Liegt es vielleicht doch an mir?” Erfülle ich die Voraussetzungen einfach nicht?

Dabei habe ich doch unendliche Möglichkeiten. Ich kann alles tun und ich kann alles werden. Oder nicht? Als meine Mutter in meinem Alter war, gab es für sie in etwa drei Möglichkeiten, welchen Beruf sie ergreifen konnte. Friseurin, Sekretärin oder Kindergärtnerin. Alles andere war verpönt bis unmöglich und als meine Mutter einen Abschluss als Sozialpädagogin an ihre Erzieherinausbildung dranhängte, hieß es nur: “Was willst du denn damit? Du heiratest doch sowieso.”

Ich dagegen, ich habe unendlich viele Möglichkeiten. Ich könnte Bundeskanzlerin werden…zu viel Verantwortung. Oder Astronautin…zu weit weg. Und dann, wenn ich all diese tollen Jobs durchgegangen bin, fällt mir auf, dass im Grunde auch nicht mehr als drei Berufe übrigbleiben, die mich wirklich interessieren. Und für die habe ich dann “die Voraussetzungen nicht”.

Also bleibt einem nur noch Plan B. Das, was man eigentlich nicht wollte, aber das immer noch besser ist als gar nichts. Und wenn ich mich so zurückerinnere, dann besteht mein Leben hauptsächlich aus Plan B-Entscheidungen. Auch die “Dann kann ich immer noch”-Methode genannt. Ich gehe auf das Gymnasium, dann kann ich immer noch auf die Realschule gehen. Ich studiere erst einmal, dann kann ich immer noch auf die Schauspielschule gehen. Ich studiere Medien und Kommunikation, dann kann ich immer noch Sprache und Text studieren.

Immer wieder habe ich mich in meinem Leben für Plan B entschieden, entweder, weil Plan A unerreichbar für mich war, oder weil Plan B scheinbar sinnvoller war und Plan A dadurch immer noch erreichbar schien. Aber meistens hatten diese Entscheidungen nur ein Herauszögern zur Folge, denn den eigentlichen Plan, den eigentlich Traum, behielt ich immer im Hinterkopf, bis es dann irgendwann zu spät für ihn war. Und ich mich endgültig mit meinem Plan B anfreunden musste.

Uns wird heutzutage vorgegaukelt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der alles möglich ist. Es herrscht allmählich Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, ein Großteil der Bevölkerung hat ein geregeltes Einkommen. Uns wird vorgegaukelt, dass wir die Freiheit haben, uns für eine von unendlich vielen Möglichkeiten zu entscheiden. Doch wenn man mal näher hinschaut, sind es gar nicht mehr so viele Fische, die in diesem Entscheidungsmeer schwimmen. Ein Großteil von ihnen ist ungenießbar, und die scheinbar leckersten flutschen einem immer durch die Finger. Also entscheidet man sich doch für die trägen und schon leicht angefaulten Fische. Eben für Plan B.

Wobei Plan B nicht immer automatisch schlecht sein muss. Vielleicht studiert man das Falsche, aber immerhin trifft man dabei seinen Traumprinzen. Und hey, immerhin hat man die Möglichkeit überhaupt zu studieren. Und außerdem wäre ein Welt nur mit Astronauten und Prinzessinnen ziemlich langweilig.

Julia Jung

Julia Jung

Juju ist 25 Jahre alt und studiert den Master Text- und Kultursemiotik in Passau. Ihre Leidenschaft zum Schreiben hat sie schon im Kindesalter entdeckt. Das Einzige, was ihr mehr Spaß macht als Texte zu schreiben, ist sie auf Bühnen selbst vorzutragen.

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