KinoLaute – „Black Panther“

Ein neues Jahr und damit ein neuer Film in der nie endenden Lawine von Comic-Verfilmungen: In „Black Panther“ steht T’Challa, frisch gekrönter König des afrikanischen Königreiches „Wakanda“ und somit zugleich der „Black Panther“, eine Art Superkrieger (dank besonderer Kräfte und mächtiger Technologie) vor einer wegweisenden Entscheidung: Soll er das kleine, aber – dank eines enormen Vorkommens des Supermetalls Vibranium (Captain Americas Schild) – hochentwickelte  und reiche Land an die Weltöffentlichkeit führen, um Millionen Menschen zu helfen oder soll der Isolationismus aufrecht erhalten werden? Dabei muss er sich noch mit dem durchgeknallten Waffenhändler „Klaw“ auseinandersetzen, der alles daran setzt das wertvolle Vibranium zu erbeuten – doch „Klaw“ ist, wie sich bald herausstellt, nicht der eigentliche Antagonist… „Black Panther“ ist durchaus etwas Besonderes: Es ist nicht nur einer der wenigen Filme mit einem schwarzen Superhelden (wenn auch nicht der erste), sondern meines Wissens nach auch der erste Mainstream-Blockbuster mit nahezu komplett schwarzem Cast und Regisseur. Der Sicherlich ein bedeutsamer und guter Schritt. Wie uns der Film nun aber gefallen hat, könnt ihr hier erfahren.

 

Batman-Style – Bildquelle: http://www.pcgames.de/Black-Panther-Film-259698/News/massig-action-im-neuen-wakanda-trailer-1248529/galerie/2788081/

 

Sandra: 8/10

Eigentlich langweilen mich Superhelden-Filme mittlerweile ein bisschen, irgendwie habe ich gar keine rechte Lust mehr darauf und schaue mir den neuesten Marvel-Film vor allem deswegen an, weil ich das Gefühl habe, ich sollte ihn gesehen haben (well done, Marvel). Bei Black Panther war ich aber wirklich positiv überrascht, er hebt sich meiner Ansicht nach deutlich von den anderen Marvel-Filmen ab und punktet nicht nur mit einer positiven Darstellung von Schwarzen, sondern auch mit einer guten Portion Gesellschaftskritik und vielen starken Frauen (die weiblichen Königswachen waren definitiv eines meiner Highlights). Ich habe mich ein bisschen schwergetan, in den Film einzusteigen, aber nach etwa 15 Minuten war ich voll dabei und absolut gefesselt, der Film ist auch einfach visuell schön anzusehen. Volle Punktzahl gibt es hauptsächlich deswegen nicht, weil Black Panther halt immer noch ein Marvel-Film und damit nicht sonderlich tiefgründig ist, aber auf meiner Marvel-Hitliste steht er ganz weit oben.

 

Juju: 6/10

Black Bond rettet die Welt. Zumindest der Anfang des Filmes erinnert einen stark an einen Bond-Film, mit Ausnahme, dass es bisher noch keinen schwarzen Bond gab (kommt ja vielleicht noch). Black Panther wird von Q (seiner Schwester) mit der neuesten Technologie ausgestattet, macht sich mit seinem Bondgirl (Nakia) auf den Weg in ein Kasino, um einen Austausch von Waren zu verhindern und nimmt es mit einem Antagonisten (Klaue) auf, der durch seinen Wahnsinn und seine körperliche Versehrtheit einen Kontrast zu seiner eigenen strahlenden Erscheinung bildet.
Ab da verlässt der Film das Bond-Schema und es geht im Grunde darum, dass Black Panther sich mit seinen Amazonen durch Afrika prügelt. Ganz ehrlich, ein paar weniger Prügelszenen hätten es auch getan. Aber ich schließe mich Sandra an, der Film hat gute Frauenfiguren. Und die schauspielerische Leistung macht deutlich, dass es auch ohne Whitewashing geht und dass man keine weißen Hollywoodgrößen braucht, um einen guten Film zu machen – auch wenn mir die Sklavereikeule hin und wieder etwas zu viel war. In dieser Hinsicht setzt Black Panther zumindest im Marvel-Universum tatsächlich eine Marke.
Alles in allem ein solider Film, der durch sympathische Charaktere (mein Highlight ist Okoye, die oberste „Amazonenkriegerin“) und schöne Landschaften glänzt. Was mir außerdem positiv aufgefallen ist, ist vor allem am Anfang das 3D – und darüber kann ich normalerweise nichts Gutes sagen, aber der Sternenhimmel und die Basketballszene am Anfang vermittelten einem durch das 3D das Gefühl dabei zu sein.

 

Jakob (8/10)

Zu „Black Panther“ gibt es eine Menge zu sagen, deswegen ist es diesmal besonders schwer mich kurz zu fassen.
Allgemein ist „Black Panther“ was Handlung und Charaktertiefe angeht zwar eher flach, positiv ist aber auf jeden Fall anzumerken, dass sich die Helden hier einmal nicht mit dem prototypischen, extrem übermächtigen, aber letztlich gesichtslosen Universums-Eroberer herumschlagen müssen, sondern Antagonisten mit glaubhafter Motivation und einem gewissen Charakter entgegengesetzt bekommen. Die Handlung bleibt somit – abgesehen vom obligaten Pathos – einigermaßen auf dem Teppich. Negativ fällt zuweilen das etwas schlampige und lieblose CGI auf, aber man stellt ja heutzutage auch hohe Ansprüche.
Die Charaktere sind zwar eher altbekannte Stereotypen als Individuen, aber weisen doch alle gewisse Eigenheiten auf, die sie liebenswert und nachvollziehbar machen. Dies ist wohl vor allem der tollen Leistung der Schauspieler zu verdanken: Vor allem Letitia Wright dominiert als hochintelligentes Technikgenie (und Prinzessin) Shuri mühelos ihre Szenen und ich hoffe sie in Zukunft öfter auf der Leinwand zu sehen. Hinzu kommen die großartige Angela Bassett (u.a. bekannt aus „American Horror Story“) als Königinmutter und Andy Serkis (Gollum), den man als Klaw, der beweisen kann, dass er nicht nur als Motion-Capture-Vorlage eine verdammt gute Figur macht. Chadwick Boseman bleibt als namensgebender Protagonist bedauernswert nichtssagend und austauschbar.
Die tatsächlichen Verdienste des Films liegen aber auf einer anderen Eben: Dieser Film ist ein wichtiges und längst überfälliges Signal, nun endlich Schauspieler aller Hautfarben für alle Rollen in Betracht zu ziehen. Es kann nicht mehr zeitgemäß sein – getrieben von einer (zumindest implizit) rassistischen Konvention – Nicht-Weiße nur dann zu besetzten, weil für eine Rolle unbedingt ein Nicht-Weißer gebraucht. „Black Panther“ und seine Schauspieler beweisen bravourös, dass Gleichstellung funktioniert und es schlicht keinen Grund für eine Bevorzugung weißer Schauspieler gibt.
Zum anderen weist der Film eine große Dichte an äußerst starken und selbstständigen Frauenrollen mit eigener Motivation auf. Frauen sind in diesem Film – ich würde sagen fast uneingeschränkt – mit den männlichen Charakteren gleichgestellt. Wohlgemerkt nur fast, denn man hätte sich – vor allem an einer Stelle – eine andere Wendung der Ereignisse gewünscht, die die Gleichstellung perfektioniert hätte: Shuri wäre ein wesentlich interessanterer „Black Panther“ als ihr eindimensionaler Bruder, aber das wäre dann vielleicht doch zu viel des Guten gewesen und hätte die Ewig-Gestrigen ein wenig zu sehr verschreckt.
Zudem problematisiert der Film geschickt und – erstaunlicherweise – glaubhaft und nie aufdringlich, die Probleme der afro-amerikanischen Bevölkerung und deren Vergangenheit, ebenso wie die Probleme afrikanischer Staaten und die Ignoranz und Arroganz westlicher Mächte ihnen gegenüber. Es gelingt herauszuarbeiten, dass es sich hier um Menschen, d.h. um Einzelpersonen handelt und nicht um eine gesichtslose Masse – wie es oft dargestellt wird. Auch führt er geschickte Seitenhiebe auf die aktuelle Flüchtlingspolitik, gegen das rücksichtslos imperialistische Gebaren der USA und gegen die idiotische Politik Donald Drumpfs. Ein bewundernswert politischer Film unter den Comic-Filmen.
Dieser Film ist schwer zu bewerten, denn allein aufgrund seiner Handlung läge er mit 5 oder 6 Punkten im oder nur knapp über dem Durchschnitt. Dennoch finde ich, dass dem Mut dieses Filmes ein deutliches gesellschaftliches und politisches Statement zu setzen auf jeden Fall Rechnung getragen werden muss.  Ich wünsche mir mehr in dieser Richtung im Comicfilm, dann würde sich meine mittlerweile doch sehr wachsende Langeweile vielleicht auch wieder legen.

 

Maike: 8/10

In Wakanda treffen Tradition auf höchstentwickelte Technologie. Das ist in Black Panther wunderschön gestaltet worden. Der Film ist (trotz kleinerer Schwächen im CGI) visuell unglaublich schön und farbenfroh gestaltet.
Zudem präsentiert Marvel in Black Panther einen Antagonisten, der den Helden und sein Umfeld zum Denken anregt und eine Entwicklung in Gang setzt. Killmonger ist auch nicht nur jemand der böse ist weil er halt böse ist, sondern mit Zielen, die irgendwo nachvollziehbar sind. Und seine Argumente bewegen T’Challa dazu, sein Weltbild in Frage zu stellen. Das ist mehr als was man von den 0815-Universum-zerstören-weil-machthungrig (oder alternativ: weil-die-Menschheit-eben-schlecht-ist) erwarten kann.
Der Film schwingt natürlich stellenweise die Moral-Keule, aber wesentlich weniger als ich es befürchtet hatte und an Stellen, an denen es durchaus auch passt.
Black Panther glänzt mit im Vergleich zu anderen Marvel Filmen weniger zweidimensionalen Nebencharakteren, starken, unabhängigen und intelligenten Frauenrollen, coolen Kämpfen und Action-Szenen und einer wohldimensionierten Menge an Sozialkritik (bzw. USA-Kritik bzw. Trump-Kritik). Definitiv einen Kinobesuch wert!

 

Andi: 10/10

Intro: Die Erde. Stimme aus dem Off: „Papa, warum müssen wir unsere Technologie vor der Welt geheim halten?“ Zoom auf Nord-Amerika. Nice!
Aber auch für Leute, die von Kritik an den USA (es gibt viel davon in diesem Film!) nicht so begeistert sind, wie ich es bin, hat Black Panther einiges zu bieten.
Neben dem bisher wohl besten Marvel-Bösewicht Klaue (ok, eine Aussage die ungefähr so beeindruckend ist wie „bester Uwe-Boll-Film“ oder „bester Transformers-Plot“, aber immerhin), Action-Szenen, die zeitgleich bildgewaltig, aber auch lustig sind und einem 3D-Effekt, der den Film nicht schlechter macht (das ist das größte Kompliment, das ich 3D machen kann), brilliert dieser Film durch die Darstellung seiner vielen weiblichen Charaktere. Wir sehen 3 weibliche Hauptfiguren, die mich sogar besser unterhalten haben als Black Panther selbst. Der beste Forscher, der beste Krieger und der beste Agent von Wakanda sind hier eben Frauen und nicht Männer.
Black Panther ist eigentlich ne 8. Aufgrund der unglaublich guten Darstellungen von (schwarzen) Frauen und Kritik an sehr aktuellen politischen Problemen und Entwicklungen hat dieser Film, vor allem in Kontext eines Superheldenfilms, von mir ganz persönlich aber eine glatte 10 verdient.

 

Marga: 7/10

Das was mir von dem Film am stärksten im Gedächtnis bleibt sind die Bilder.  Das Setting von Wakanda ist überzeugend. Ein großes Lob hier an das fantastische und farbenfrohe Kostümdesign, das eine willkommene Abwechslung zu den oft eher farblosen Vorgängern ist. Auch die schauspielerische Leistung durch die Bank gut, mein persönlicher Favorit war Andy Serkis, der Ulysses Klaue spielt. Mit dem größtenteils dunkelhäutigen Cast und den vielen zentralen Frauenrollen, betritt der Film auch Neuland und für das gebührt ihm Respekt.
Das Problem ist die Handlung. Sie ist nicht schlecht. Sie ist unterhaltsam, der Antagonist ist alles andere als blass und ideologielos, der zentrale Konflikt interessant und dennoch war sie gerade zum Ende hin stark vorhersehbar und klischeehaft. Gerade beim finalen Kampf war für mich kaum Spannung vorhanden. Irgendwie kennt man alles schon so, oder so ähnlich.

 

Basti: 8/10

Schon seit den Ereignissen des Civil War freu ich mich auf den Black Panther Film. Immerhin fliehen die Waffenbrüder Steve und Bucky am Ende nach Wakanda – einem der vermeintlich interessantesten und exotischsten Schauplätze des MCU – und müssten demnach ja zum Zeitpunkt des Solofilms des katzenhaften Freundes in der Technikhochburg rumlungern…
Und was war ich enttäuscht…

Ganze 3 Minuten lang…
Dann entspinnt sich auf der Leinwand die spannende Geschichte eines jungen Königs, der irgendwo gefangen ist zwischen den Traditionen seines Volkes und den Problemen, die den Rest der Welt schon längst fest im Griff haben. Eine Geschichte über Familienbande, Verantwortung gegenüber denen, die zu einem Aufsehen und über Ehre, die mich über die gesamte Zeit extrem gut unterhalten hat. Nichts, was man so nicht schonmal irgendwo gesehen hat, aber hochklassig produziert und mit Katzen.
Der Film leidet aber unter den Erwartungen, die von manchen Leuten an ihn gestellt werden, und der Tatsache, dass immer wieder versucht wird, ihn zu eigenen Zwecken zu instrumentalisieren. Keine Sekunde kann ich im dunklen Kinosaal sitzen ohne mit zu überlegen „Ist hier irgendjemand gecastet, dessen Hautfarbe zu hell ist?“, „Sind die schwarzen Menschen zu cool/verschroben/wild dargestellt?“ und „Wie wird mit den Frauen umgegangen?“.
Meine (!) Antworten? „Nein“, „Nein“ und „Passt schon…“! Kein Whitewashing (wobei Martin Freeman dringend mal Urlaub und etwas Farbe im Gesicht vertragen könnte), die obercoolen Handshakes und Slangausdrücke wurden auf ein angenehmes Maß runtergefahren und die Stellung der Frau in den – für uns ungewöhnlichen  – Gesellschaftsformen der dargestellten Welt thematisiert ohne zum Selbstzweck des Film zu werden. Kann man definitiv so machen.
Über CGI, 3D, Motivationen, Charaktere (wie mein „Tiny Tina“-Tattoo beweist, steh ich total auf junge Frauen als technisch versierte Charaktere) wurde ja schon jede Menge gesprochen, deswegen halte ich mich da jetzt zurück.
Viel wichtiger ist für mich, dass Marvel hier einen Superhelden in seinem eigenen Film zeigt, ohne ihm eine alte Marke zur Seite zu stellen. Kein Iron Man fliegt durch die Luft und sagt T’Challa, wie man als Superheld klar kommt, kein Hulk taucht auf, um für Gags zu sorgen, und als Gegner stellt sich ihm nicht Steve „Captain motherfucking America“ in den Weg, sondern der „entschuldigungwiebittekönntensiedasnochmalwiederholen“ Killmonger. Ein guter Ausblick auf die nächsten Schritte des MCU, wenn die alte Garde langsam in Rente geht…

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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