KinoLaute: Ready Player One

Ready Player One ist ein Science-Fiction-Film von Steven Spielberg und spielt im Jahr 2045. In dieser Zukunft verbringen die Menschen den Großteil ihrer Zeit in der virtuellen Welt Oasis, in der so ziemlich alles möglich ist. Der Jugendliche Wade begibt sich auf die Suche nach einem Easter Egg, das James Halliday, der Schöpfer der Oasis, in der virtuellen Welt versteckt hat und das dem Finder die Kontrolle über die Oasis verspricht. Dabei muss Wade nicht nur Hinweise von Halliday finden und entschlüsseln, sondern sich auch gegen die Firma IOI behaupten, deren Geschäftsleiter aus der Oasis Profit schlagen will. Ready Player One basiert auf dem gleichnamigen Roman von Ernest Cline (vielleicht kennt ihr ja schon unsere Ausgabe des Buchclubs dazu.) Was die Bücherkenner der KultLaute-Redaktion über den Film denken, werdet ihr bald erfahren, aber nicht jeder hat schließlich das Buch gelesen, also gibt es  zuerst einmal eine rein auf den Film bezogene Kritik unserer KultLaute-Mitglieder ohne Buchkenntnisse.

Quelle: readyplayeronemovie.com

Juju: 6/10

Der Film stellt eine Dystopie dar, die unserer heutigen Realität gar nicht so unähnlich ist. Die Menschen haben sich in eine virtuelle Ersatzwelt geflüchtet, in der sie alles sein und tun können, was sie wollen. In Zeiten, in denen es so etwas wie VR-Brillen gibt, durchaus kein abwegiges Zukunftsbild. Visuell ist die Oasis wie ein Computerspiel gestaltet und die Figuren sind eindeutig Avatare, keine echten Menschen. Normalerweise mag ich dieses künstliche Aussehen der Figuren nicht, da es hier jedoch durch die Handlung bedingt ist, gewöhnt man sich schnell daran. Die Figuren an sich haben jetzt nicht die größte Charaktertiefe und über die Lovestory lässt sich sicher auch streiten, sie sind aber an sich rund, nachvollziehbar und gut gespielt. Besonders die kleineren Charaktere lockern die Geschichte humorvoll auf. Ich finde es interessant zu sehen, wie sich Realität und Fiktion im Film gegenüberstehen und wie sich die Figuren (auch der Bösewicht) immer mehr in der Fiktion verlieren. Am Ende gewinnt jedoch, Spoiler, die Realität. Denn das ist die Moral des Filmes: Geht hinaus und genießt das Leben, anstatt es in einer fiktionalen Realität zu verbringen! Wenn ich sehe, wie vierjährige Kinder fast gegen irgendwelche Türen laufen, weil sie sich zu sehr auf Papas iPhone konzentrieren, sicher nicht der schlechteste Rat. Ready Player One ist ein solider Science-Fiction-Film, der sich auch durchaus in 3D – ich will nicht sagen lohnt, aber zumindest passt es gut zum Szenario. Als Zuschauer freut man sich über jede popkulturelle Anspielung, die man erkennt. Beispielsweise wenn kurz He-Man zu sehen ist (zumindest bilde ich es mir ein) oder von „Rosebud“ (aus Citizen Kane) die Rede ist. An manchen Stellen macht der Film es sich aber schon sehr leicht, wenn beispielsweise der Oberbösewicht mal eben sein Passwort liegen lässt und der Protagonist sich die neunstellige Kombination ohne Probleme merken kann.
Aufgrund solcher Schwächen bekommt er von mir 6 Punkte.

 

Andi: 8/10

Ready Player One ist ein farbenfroher seichter Film, der dich nach einer zweistündigen Reise in eine Welt voller Wunder und guter Unterhaltung zurück in den Alltag wirft. Da hüpft Tracer aus Overwatch über den Bildschirm, die Ninja Turtles verkloppen Bösewichter und Batman klettert durch die Gegend. Alles total over the top mit ’nem ordentlichen Schlag Action oben drauf. Zwar bringt einen der Film auch zum Nachdenken, aber es sind doch triviale Fragen à la „Welchen Charakter würde denn ich spielen?“ und nicht die moralischen Hintergründe und Probleme, die es durchaus gibt. Allgemein erinnert mich der ganze Film stark an Pacific Rim, einen Film den ich auch tatsächlich gut fand. Denn bei beiden Filmen sollte man ignorieren, dass die Bösewichter noch weniger Tiefgang haben als ein Fast&Furious Film, der Plot und Charaktere unglaublich hastig und lieblos entwickelt werden und die komplette Handlung so viele Logiklücken hat, dass sich sogar Michael Bay beschweren würde. Schafft man das alles (was mir vermutlich nur gelingt, weil ich das Buch noch nicht gelesen habe), hat man hier einen Film, den man ohne Gefahr, danach irgendwelche nicht-trivialen Gedanken denken zu müssen, genießen kann. Denn Action, Animation und Pacing sind super. Mehr aber auch nicht. Für Leute, die mehr über die hier gezeigte Welt erfahren wollen oder für Fans des Buches ist der Film vermutlich mehr eine 2 oder 3. Aufgrund meines nicht vorhandenen Anspruchs und dem vielen Spaß den ich beim Schauen hatte, gibt’s von mir 8/10 Punkte.

 

Sandra: 7/10

Ich vermute, dass ich altersmäßig nicht ganz die richtige Zielgruppe für Ready Player One bin, gefühlt richtet sich der Film eher an Jugendliche sowie an die Leute, die in den 80ern aufgewachsen sind. Trotzdem habe ich den Film sehr genossen. Es ist schön, dass der Film ohne großartige Gewaltszenen auskommt. Es gibt zwar einen meiner Ansicht nach ziemlich gruseligen Abschnitt, der auf The Shining anspielt, aber das ist gottseidank recht schnell vorbei. Insgesamt lebt der Film natürlich unter anderem von den vielen Anspielungen, von denen ich als Nicht-Gamer wahrscheinlich nur 10 % verstanden habe. Aber auch für Zuschauer wie mich gibt es einiges zu entdecken, eine meiner Lieblingsanspielungen war der DeLorean, den Wade fährt. Mein größter Kritikpunkt am Film ist der schrecklich flache Bösewicht. Schon als die Firma IOI das erste Mal gezeigt wurde, hat sie mich fatal an die grauen Herren von Momo erinnert, und das ist auch in etwa ihre Funktion. Der Geschäftsleiter Sorrento hat überhaupt keine Tiefe, er ist einfach nur geldgierig und böse. Auch wenn die Handlung generell nicht sehr anspruchsvoll ist, da hätte man schon noch ein bisschen was rausholen können. Die Rätsel, die Wade lösen muss, hätte man außerdem noch ein bisschen zuschauerfreundlicher gestalten können, ich zumindest habe mich nicht wirklich zum Miträtseln aufgefordert gefühlt, der Zuschauer beobachtet einfach nur Wade und Artemis bei der Lösung. Trotzdem waren sie ganz süß gemacht und man sieht verschiedene Teile der Oasis, was den Film mehr oder weniger ausmacht. Der Film ist visuell sehr schön anzuschauen, sehr bunt und die animierte Grafik in der Oasis gibt einem wirklich das Gefühl, in einem Spiel zu stecken. Alles in allem ein nicht sehr tiefgründiger Film (wer erwartet, dass großartig auf Problematiken in der doch ziemlich dystopischen Welt eingegangen wird, wird enttäuscht sein), aber dafür sehr unterhaltsam – ich habe mich trotz der Länge nicht eine Minute gelangweilt.

Sandra Kalhofer

Sandra Kalhofer

Sandra liebt Sprachen und arbeitet gerne mit Kindern, deshalb studiert sie Lehramt Gymnasium mit den Fächern Englisch und Französisch. Ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Außerdem hat Sandra scheinbar viel zu viel Zeit, deswegen macht sie auch bei allen möglichen Gruppen und Projekten mit. Für KultLaute opfert sie aber besonders gerne ihre Freizeit.

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1 Antwort

  1. 30. April 2018

    […] Letzte Woche haben Andi, Juju und Sandra, die das Buch nicht gelesen haben, ihre Meinung zur Verfilmung kundgetan. Basti und ich sind zu dem Schluss gekommen, dass wir diesmal mehr zu sagen haben, als in […]

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