KinoLaute – „Thor Ragnarok“

In  „Thor Ragnarok“ oder „Thor: Tag der Entscheidung“, wie – warum auch immer – der deutsche Titel lautet, darf sich die Marvel-Version des nordischen Donnergottes nach „Thor“ (2011) und „Thor – The Dark Kingdom“ (2013) erneut über die Leinwand prügeln. Zusammen mit dem unglaublichen Hulk, einer Walküre, seinem Adoptiv-Bruder Loki und einigen anderen muss er diesmal gegen Hela, die Göttin des Todes bestehen, die die Götterwelt-Asgard unterwerfen will. Wie das bunte Comic-Spektakel den Kult-Laute-Kinogängern gefallen hat und ob sich ein Gang ins Kino lohnt, könnt ihr hier erfahren.

 

Quelle: https://www.flickeringmyth.com/2017/09/thor-ragnarok-possibly-revealed-quentin-tarantinos-star-trek-movie-why-batman-v-superman-failed-critically-and-more-daily-news-roundup/

 

Jakob (4/10)

Ich habe das jetzt nochmal nachgesehen, weil es immer hieß ich wäre an dieser Stelle immer der Schwarzmaler: Tatsächlich habe ich, seit wir dieses Format betreiben, nur zwei Filme unterdurchschnittlich bewertet. Leider muss ich „Thor Ragnarok“ zur Nummer drei dieser Reihe machen. Thor springt auf den Zug von „Guardians of the Galaxy“ auf und versucht die Zuschauer mit quietschbuntem, spacigem 80’s Look, skurrilen Charakteren und einem zugegebenermaßen teilweise recht coolen Soundtrack zu begeistern. Aber auch Led Zeppelin können den Film nicht wirklich retten: Zwar verstrickt er sich nicht ganz so in höhepunktlose Längen wie der zweite Teil der „Guardians“-Reihe, ihm mangelt es aber an der spezifischen Orginalität und der Spritzigkeit, die „Guardians“ 2 zumindest noch erträglich machten. Die Charaktere sind durchaus nicht unangenehm, aber leider eröffnen Thor – chronisch dumm – und der Hulk – wütend, dumm und wütend – nicht das gleiche sympathische Eskalationspotential wie Star-Lord, Rocket Racoon, Groot, Yondu und Co. Einzig Loki und der von Jeff Goldblum ausgezeichnet verkörperte „Grandmaster“ sind nennenswerte Charaktere.  Cate Blanchett verkörpert mit Hela eine derart generische Antagonistin vom Typus „Ich hole mir das zurück was mir zusteht und gehe dafür über Leichen“, dass man sich manchmal fragt ob das alles nicht ironisch gemeint ist. Doch selbst wenn die altbekannten Dialoge über Machtgelüste, dunkle Vergangenheit und Rachewünsche als Persiflage gemeint sein könnten, ist dies nicht gut genug herausgearbeitet und wirkt letztlich nur aufgesetzt und einfältig-stumpf. Gleiches gilt für den Humor: Zwar gibt es im Verlauf des Films einige wirklich witzige Stellen, der Rest ist aber uninspirierter und aufgewärmter Klamauk. Da hilft es auch nichts, dass man ihn in ein quietschbuntes Gewand steckt. Dieses Gewand, der Look des Films ist tatsächlich hübsch, teilweise originell und bietet viele Blickfänge. Das und einige recht coole und spaßige Actionszenen und Nebencharaktere, mit denen der Streifen aufwartet, sind letztlich auch der Hauptgrund dafür, dass dieser Film nicht auf drei Punkte rutscht. Ach ja: Das 3D ist unbrauchbar, wer hätte es gedacht. Alles in allem: Kein wirklich schlechter Film, aber eben ein unterdurchschnittlicher, ziemlich gewöhnlicher Film, für den man wirklich nicht ins Kino gehen muss.

 

Sandra (7/10)

Gleich mal vorweg: würde ich das furchtbare 3D in die Bewertung miteinfließen lassen, hätte der Film bei mir deutlich weniger Punkte erzielt. Ich habe mich dagegen entschieden, da es den Film schließlich auch in 2D gibt, kann aber wirklich nur von der 3D-Version abraten, weil manche Szenen absolut verschwommen waren.

Auch sonst fand ich die Bewertung bei diesem Film nicht einfach, ich kann auch absolut verstehen, wenn einem der Film nicht gefällt. Tiefgründig war er nicht, aber ich habe mich eigentlich durchwegs gut unterhalten gefühlt. Es gab so einige „Was genau…?“-Momente, aber irgendwie lebt der Film von dieser Verwirrung. Er wirkt wie „Thor im 80er-Wunderland.“ Warum genau Thor Ragnarok auf den 80s-Train aufspringen musste, hat sich mir nicht ganz erschlossen, es war zwar ganz witzig, passt aber meiner Meinung nicht wirklich zu Thor. Teilweise war die Story dann auch doch ein bisschen zu unkreativ. Obwohl der Film sich nicht unbedingt immer an den roten Faden hält, fand ich aber, dass er weniger eine ledigliche Aneinanderreihung von flachen Witzen war als z.B. Avengers: Age of Ultron. Alleinstehend hätte ich dem Film vielleicht tatsächlich weniger Punkte gegeben, aber so fand ich ihn wirklich ganz gut.

Ein Highlight war für mich Tessa Thompson als Walküre, die eine zwar wie immer überdurchschnittlich hübsche, aber sonst eher untypische und starke Heldin abgibt, die den Männern den Arsch rettet. Allerdings muss ich – ganz unfeministisch –  zugeben, dass auch Chris Hemsworth und Tom Hiddleston, der Loki auf so eine verwirrende Art sexy wirken lässt, zu meinen Highlights gehören. 

 

Claude – 4/10

Die ersten zwei Thor-Filme waren nicht gut. Dieser ist es auch nicht.
Marveltypisch muss sich Held X (Donnergott Thor) mit seinen Sidekicks 1, 2 und 3 (Halbbruder Loki, der freundlichen Nachbarschaftsvalkyre, und Freund Hulk) Bösewicht Y (seiner Schwester Hela) gegenüberstellen, um ihr Ziel Z (die Versklavung der Neun Welten) zu vereiteln.

Der siebzehnte Film sollte die Formel mittlerweile perfektioniert haben, aber das Ganze hinterlässt einen faden Nachgeschmack. Natürlich weiß man, dass Thor es schaffen wird, aber ich habe den Film durch nicht persönlich investieren können.
Nun, woran lag das? An der flapsigen Verarbeitung.

Marvel war immer Freund eines guten Scherzes, aber der Humor wurde den gesamten Film lang forciert und auf visueller Ebene war alles unentschlossen.

Zugutehalten kann ich dem Film auch nicht, dass ich Thor und den Hulk für die lahmsten Charaktere des MCU halte (und dabei klammere ich den OG Hulk-Film schon aus, der granatenschlecht war).
Thor wird auf seine Heimatliebe reduziert, was zwar seine prägendste Eigenschaft ist, aber im Winter Soldier hat man schon ein großartiges Beispiel mehrdimensionaler Verarbeitung eines ansonsten einseitigen Charakters gesehen. So etwas hätte ich mir hier gewünscht statt stumpfen Balla-ballas.

Großer Loki-Fan war ich zwar nie, fand den Charakter aber zumindest tolerabel. Das ist jetzt leider vorbei – man kann sich nur begrenzt oft reinziehen, dass der alte Prankster hinterlistige Streiche plant.
Nett, dass der Hulk auftaucht. Doof, dass er so schlecht in den Film integriert wurde. Er war nur da, um sein Verschwinden zu klären und ihn wieder sinnvoll in andere MCU-Filme einbauen zu können. Stattdessen hätte man ihn gleich auf der Erde lassen und nicht hier reinquetschen sollen.

Die Valkyre war ein bisschen frischer Wind, hat aber kein Feuerwerk abgebrannt. Auch über Evildoer Hela muss man nicht viele Worte verlieren – sie ist gewohnt flach.

Musikalisch ging ein bisschen was, aber die Kampfszenen wurden dadurch leider nicht viel peppiger (zumindest die hätten bei dieser explosiven Muskelmischung etwas taugen sollen).
Hätte als eigenständiger Film (also nicht-Thor, nicht-Marvel) mit ein paar Änderungen leicht zwei-drei Mehr Punkte verdient, kommt aber so nur auf eine schwache vier.

 

Maike (7/10)

In meiner Vorstellung haben sich die Drehbuchautoren von Thor zusammengesetzt, sich erstmal ne große Tüte gebaut oder eine ordentliche Dosis LSD genommen und DANN haben sie dieses Skript geschrieben. Hier hatte irgendjemand eine echt abgedrehte Idee und ist einfach ab damit.

Ich bin aus dem Film gegangen und war mir erstmal nicht sicher wie ich ihn eigentlich fand. Einerseits war ich keine Minute gelangweilt und habe echt viel gelacht. Andererseits hatte der Film auch viele schlechte Witze und kaum eine Story. Das 3D hat leider mal wieder zu viel zu vielen verschwommenen Szenen geführt und einige Szenen, die an einer Klippe stattfanden, sahen irgendwie viel zu sehr nach greenscreen aus. Und er passt einfach irgendwie nicht wirklich zu den anderen Thor Filmen oder überhaupt zu den anderen Marvel Filmen (außer vielleicht Guardians of the Galaxy).

Aber ansonsten hat der Thor Ragnarok mich wirklich gut unterhalten. Und um ehrlich zu sein ist das genau das was ich mir erhofft hatte. Es ist nicht die Art Film der unbedingt so tut als müsste er einen besonders intelligenten Plot haben. Braucht er auch nicht. Er hat ja auch keine besonders intelligenten Hauptrollen.

War der Film anders als alle anderen Thor Filme? Ja. War er irgendwie verstörend? Ja. Aber ich finde, wenn man sich darauf einlässt, dass dieser Thor Film anders ist, dann kann man echt Spaß damit haben. Ich finde es ist die Art Film, den ich nach ein paar Gläsern Wein mit Wein, Chips und Freunden anschauen würde und vermutlich nicht mehr aufhören würde zu lachen.

 

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über „Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie“.

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