Space-Vampir vs. Lavadrache – Gratisrollenspieltag 2018

Wenn man bedenkt, was hier bei KultLaute für Nerds sitzen, ist es verwunderlich, dass wir nicht schon viel früher einen Beitrag über Rollenspiele gemacht haben. Immerhin trifft sich fast die gesamte Redaktion (teilweise auch miteinander) regelmäßig zum sogenannten Pen&Paper.

Wer wollte nicht schon einmal der Held seiner eigenen Geschichte sein? Jungfrauen aus Nöten retten, ein Raumschiff gegen waghalsige Piraten verteidigen oder Feuerbälle werfend durch Monsterhorden pflügen. All das ist möglich und noch so viel mehr …

Unsere „Splittermond“ Gruppe

Meist funktioniert das so: Beim Pen&Paper oder „Tischrollenspiel“ sitzen alle Spieler mit Stift und Papier bewaffnet (daher der Name) um einen Tisch. Während des Spiels schlüpft jeder Spieler in  die Rolle eines Bewohners einer fiktiven Welt. Das kann ein tabakkauender Cowboy sein, ein reicher Burgherr oder eben alles andere. Ein Spielleiter führt diese Charaktere nun in ein Abenteuer, indem er ihnen Situationen beschreibt, auf die die Spieler reagieren können. Der Spielleiter kennt die Rahmenhandlung und übernimmt die Rolle aller Nicht-Spielercharaktere, die während des Spiels auftauchen. Die Spieler wiederum bestimmen mit ihren Handlungen den Verlauf und Ausgang der Geschichte.

Charakterbogen zu „Dungeons&Dragons“

Um dem Ganzen Rahmen und Struktur zu geben, liegt jedem Pen&Paper ein bestimmtes Regelwerke zugrunde, das festlegt, was die Charaktere können und wie bestimmt wird, ob eine Handlung erfolgreich ist oder nicht. Zu den bekanntesten Regelwerken zählen „Dungeons&Dragons“, „Das schwarze Auge“ oder „Call of Cthulhu“. Wenn ein Charakter zum Beispiel versucht, eine Mauer hochzuklettern, dann ist sein Erfolg von verschiedenen Faktoren abhängig: Seiner Fähigkeit zu klettern, der Beschaffenheit der Mauer (rau, glitschig, mit Überhang, …) und dem Zufall. Wie gut der Charakter klettern kann, legt der Spieler bei der Charaktererstellung fest, die Beschaffenheit der Mauer bestimmt der Spielleiter und um den Faktor Zufall kümmern sich die Würfel, die einen festen Platz in den meisten Rollenspielsysteme haben.

Natürlich bestätigen Ausnahmen immer die Regel und es gibt genug Systeme, die ganz anders funktionieren, aber fürs Erste soll uns dieser Überblick mal reichen …

… denn am Samstag fand in ganz Deutschland ein ganz besonderes Event für Rollenspieler statt: Der „Gratisrollenspieltag“!

Das „Paket“

Seit 2013 treffen sich begeisterte Rollenspieler einmal im Jahr in ihren örtlichen Spieleläden oder Vereinen, um sich über ihr Hobby auszutauschen und Gleichgesinnte zu finden. 

Unterstützt werden die Läden und Vereine dabei durch ein überregionales Team, das in Zusammenarbeit mit verschiedenen deutschen Rollenspielverlagen „Das Paket“ zusammenstellt. Dieses Paket kann von den interessierten Läden bestellt werden und beinhaltet verschiedenste Test-Materialien zu unterschiedlichen Rollenspielsystemen.

In Passau hat der Fantasyspieleladen am vergangenen Samstag zum GRT 2018 geladen und wir konnten natürlich nicht anders, als vorbeizuschauen.  

Mehr als 30 Rollenspielinteressierte zog es in den kleinen Laden in Passaus Fußgängerzone, um sich auszutauschen, inspirieren zu lassen und neue Systeme auszuprobieren. So wurde zeitweise an bis zu fünf Tischen gleichzeitig gespielt.

Würfel, Regelwerk und Charakterbogen für „Splittermond“

Wir selbst durften zunächst in die Welt von „Splittermond“ abtauchen. Das verhältnismäßig junge Rollenspiel (erschienen 2013) spielt in einem eher klassischen Fantasysetting. Wir spielen Krieger, Magier und Waldläufer, die alle auf die eine oder andere Art Zugang zu Magie haben. Spielleiter Christoph führt uns durch ein kurzes Abenteuer, in dem wir ein kleines Dorf vor einem  großen Lavadrachen bewahren sollen, der jedesmal ausrastet, wenn jemand es wagt ein Feuer anzuzünden. Für Licht und Wärme sorgte hier bisher eine Glimmerfee, die aber seit kurzem verschwunden ist. Eine adäquate Aufgabe für unseren (leider etwas unkoordinierten) Söldnertrupp. In den nächsten drei Stunden verfolgen wir einen anderen Söldnertrupp, verkloppen Rattlinge und decken das tragische Schicksal der Glimmerfee auf. Der Lavadrache übersteht unsere Partie leider unbeschadet (vorerst…).

Isabel spielt Su Yini – Ränkeschmiederin aus dem fernen Zhoujiang

Danach gab es noch eine Runde „Fate“. Fate ist eines der oben bereits angesprochenen Spiele, die die Ausnahme der Regel bilden. In unserer Runde gibt es kein vorgefertigtes Abenteuer, nicht mal ein Setting und der Spielleiter achtet mehr auf das Einhalten der Regeln, als auf den Verlauf der Geschichte. Hier erzählen nämlich alle gemeinsam die Geschichte. Wer jetzt denkt, dass das bei einer so unerfahrenen Truppe wie uns zu Chaos führt, der hat absolut Recht. Hier der Versuch einer Zusammenfassung:

Eine kleine, aber erfahrene Crew von Schrottsammlern ist mit ihrem Raumschiff unterwegs auf der Suche nach dem nächsten Trümmerfeld. Mit an Bord der draufgängerische Pilot, der keiner Wette aus dem Weg gehen kann, ein Maschinist, der sich gerne extra viel Zeit für seine Maschinen nimmt, ein schießwütiger Space Marine mit der größten Waffensammlung des bekannten Universums, ein neugieriger Kartograph, ein Priester, der es sich leicht machen will und die Toten in den Trümmerfeldern gleich mal aussegnet und ein Vampir. Ja, unser Kanonier ist ein Vampir! Da erscheint auf dem Radar ein Schiff der royalen Garde (scheinbar gibt es irgendeinen König in diesem Universum). Nach erbittertem Kampf liegt das feindliche Schiff in Trümmern vor uns und wir machen uns auf, um unser kleines Schiff vielleicht gegen ein größeres auszutauschen (oder wenigstens ordentlich was zu plündern). Die Crew, die offensichtlich aus anthropomorphen

Fate – Regelwerk und Würfel

Elefanten besteht (ein Elefantenkönig??), schmuggelte nebenbei noch Sklaven und hat den Kopf eines uns unbekannten Menschen im Frachtraum in einer Kiste dabei. Nach einer draufgängerischen Aktion, die eine dumme Wette, die Schulter des Piloten, eine Schleusentür und den Kopf des ersten Offiziers beinhaltet, übernehmen wir mehr schlecht als recht die Kontrolle über das Schiff und … nichts und! Mitten im größten Lachanfall, den ich je in einer Spielrunde hatte, werden wir unterbrochen… An dieser Stelle ist der Abend vorbei und der Laden schließt.

Um uns herum eine ganze Horde von glücklichen und zufriedenen Rollenspielern. Es wurden neue Ideen gesammelt, andere Systeme kennengelernt und die eine oder andere Freundschaft mit Option auf kommende Rollenspielrunden geschlossen.

Wir freuen uns jetzt schon auf den GRT 2019! Und wer jetzt Lust auf Rollenspiel bekommen hat, dem wird im Fantasyspieleladen gerne weitergeholfen oder ihr haltet auf KultLaute.de mal die Augen offen. Da werdet ihr vielleicht eher fündig, als ihr denkt …

 

Sebastian Ruppert

Sebastian Ruppert, Jahrgang 1988, macht viel Kultur und studiert nebenbei irgendwas mit Lehramt. Aktiv ist er als Musiker, Regisseur, Schauspieler und Bühnentechniker. Ob Musik, Theater, Filme, Bücher oder Videospiele - er interessiert sich für alle Abgründe und Höhepunkte der (Pop-)Kultur.

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2 Antworten

  1. 7. März 2018

    […] alle, die nichts mit Pen&Paper anfangen können, gibt es HIER eine kleine […]

  2. 5. Juni 2018

    […] meiste Zeit in diesem Universum, habe ich aber nicht in den Filmen, sondern in unzähligen Stunden Pen&Paper-Rollenspiels verbracht, an die ich mich immer wieder gerne zurückerinnere und die mich dieser Welt sehr […]

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