Star Wars Epiode VIII „The Last Jedi“ – Eine neue Hoffnung?

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag habe ich die Premiere des achten regulären Teils der Star Wars-Reihe, „The Last Jedi“, besucht. Natürlich kann ich nicht umhin eine Kritik dazu abzugeben, aber keine Angst: Das Einzige, was ich mehr hasse als Game of Thrones-Spoiler sind Star Wars-Spoiler. Dementsprechend ist diese Kritik spoilerfrei, zumindest was die achte Episode angeht. (Da ich nicht umhin konnte, im ersten Absatz ein paar mehr Worte als geplant über Star Wars allgemein zu verlieren: Die tatsächliche Kritik zu Episode VIII beginnt im zweiten Absatz, wenn ihr es eilig habt, könnt ihr den ersten überspringen ohne etwas zu verpassen).

Quelle: https://www.engadget.com/2017/04/14/star-wars-the-last-jedi-trailer/

Es war einmal vor langer Zeit in einem weit entfernten Kino …Naja, eigentlich war es am Donnerstag (den 14.12.2017) um Mitternacht in einem Passauer Kino, als ich mit gemischten Gefühlen die altbekannten Worte auf der Leinwand sah und die ersten Töne des ebenso altbekannten John-Williams Themas erschallen hörte: „Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“ und dann in monumentaler goldener Schrift „Star Wars Episode VIII – Die letzten Jedi“. Es war ein banges Warten, dieses „Hoffentlich versauen sie’s nicht“-Gefühl, mit dem zumindest ich unweigerlich jeden neuen Film eines liebgewonnen Franchises besuche. Dementsprechend bin ich bei Star Wars-Filmen besonders angespannt, da ich mich keinem anderen Popkultur-/Nerd-Franchise so nahe fühle, wie diesem (bis vielleicht auf Lovecraft, aber das ist ja ein ganz anderes Terrain). Ohne seine zahlreichen Schwächen, Makel und Tiefpunkte leugnen zu wollen, finde ich die alte Trilogie einfach großartig und verurteile selbst Episode I, II und III nicht so sehr, wie das häufig der Fall ist. Viele der Charaktere – sowohl Helden, als auch Bösewichten – gehören für mich zu den größten Leinwand-Ikonen und persönlichen Helden überhaupt. Vor allem stellt für mich das überwältigend bunte und vielfältige Star Wars-Universum mit seinen Helden, Schurken und all den anderen, mit den schwertschwingenden Rittern und blasterbewaffneten Gaunern, kurz mit seiner Mischung aus Science-Fiction und märchenhaft-romantischer Fantasy einen Weltentwurf dar, der so stimmig und immersiv ist wie wenige andere.  Ja, die Filme sind ohne Zweifel in sich weniger kohärent bzw. „realistisch“, die Charaktere oft archetypischer und weniger differenziert als in anderer Science-Fiction wie z.B. in Star Trek und ja, die Filme laufen stets auf einen simplen Gut-Böse-Konflikt mit klaren Kanten hinaus, den man kritisieren kann. Aber man sollte sich stets vor Augen halten, dass Star Wars nie den Anspruch gestellt hat, etwas anderes zu sein, als ein Märchen im Science-Fiction-Gewand, ein Märchen mit Rittern, Prinzessinnen, Trickstern und bösen Zauberern, eine Welt, die viel eher Fantasy ist, als mögliche Zukunftsvision. Ein tatsächlicher Konflikt zwischen Star Wars und Star Trek besteht somit eigentlich nicht, ist kaum mehr als unnötige Einbildung und aggressives Fantum.

 

Quelle: https://imgur.com/gallery/oWVER

 

Aber ich bin dramatisch abgeschweift, wo war ich? Ah ja, Star Wars Episode VIII – The last Jedi. Ich kann, im Gegensatz zu vielen anderen, nicht behaupten Episode VII sei schlecht gewesen oder habe mich enttäuscht. Auch wenn der Film so offensichtlich ein Abklatsch der altbekannten Todesstern Story war, auch wenn einige Charaktere an bisherige Figuren erinnerten, fand ich, dass es ein solider Neustart war, zwar mit einer Menge Fanservice, aber alles in allem mit einem ordentlichen Look. Er ist eine solide Basis, auf der man aufbauen konnte. Natürlich stand mit Episode VIII nun aber die Befürchtung im Raum, dass es jetzt wie gehabt weitergehen würde: „Bloß keine Experimente, lasst uns das kochen, was wir können.“ Immer wieder kam es in Episode VIII zu genau solchen Momenten, in denen ich dort saß und mir dachte „Okay, Mist, das wird jetzt exakt wie in Episode XY“ – aber weit gefehlt. Ja, manches mag sich wiederholen und es tauchen viele Querverweise auf, aber – ganz ehrlich – es wäre auch vermessen vom achten Teil einer Reihe zu erwarten, dass er nicht ab und an auf die Vorgänger referiert. Was für mich jedoch ungeheuer wichtig war, war, dass es, in genau den Momenten, in denen man dachte, alles liefe wie schon einmal, schien, als würde Regisseur Rian Johnson dem Zuschauer zuzwinkern und sagen: „Na, das hast du dir wohl gedacht, hm? Tja, dann pass mal auf.“

Episode VIII macht in vielen Punkten genau das, was ich mir erhofft hatte, er schneidet alte Fäden ab, klärt in Episode VII aufgestellte Fragen und setzt den Grundstein für neue Charakterkonstellationen und eine neue Story, die sich nicht zu sehr mit Altlasten herumschlagen muss: Ja, es geht um den Kampf des unterlegenen Guten gegen das übermächtige Böse, aber so funktioniert Star Wars, so funktionieren Märchen nun mal und es wird wohl auch nie anders werden. Aus dem Underdog-Prinzip, aus den Helden, die Licht in ein enormes Dunkel bringen, lässt sich schlicht mehr machen, als wenn alles Gut ist und das Böse zerklatscht wird wie eine lästige Fliege. Besonders innerhalb des Star Wars-Universums ist dieser Gegensatz von Hell und Dunkel absolut notwendig: Die Macht sucht nach Ausgleich und einmal neigt sich die Waagschale zur einen, einmal zur anderen Seite. Immer wenn eine Seite nun Übergewicht bekommt, schickt dieses mystische Prinzip einen Streiter des Lichts oder der Dunkelheit – je nachdem was gerade nötig ist – ins Rennen.

Was ist nun in dieser neuen Reihe bzw. diesem neuen Film mit Midi-Chlorianern? ZUM GLÜCK NICHTS, diese Sünde eines umnachteten George Lucas wird geflissentlich ignoriert, die Macht wird wieder zu dem magischen, quasi-göttlichen Schicksals-Prinzip, das in die Märchenwelt dieses Franchises passt. Der Film verwendet lange Szenen darauf, sich der Funktionsweise der Macht zu widmen und trägt damit zu einer Atmosphäre bei, die ihn zu einem Werk von epischer Breite macht. Man hat sogar das Gefühl, auch als alter Fan ab und an neue Dinge mitzunehmen. Trotz seiner Länge von sage und schreibe 152 Minuten, also über zweieinhalb Stunden, wird er dabei jedoch nicht langweilig: Man entwickelt ein Band selbst zu den Nebencharakteren und fiebert ab der ersten Minute mit. Vielmehr beinhaltet der Film einige geniale Action- und Kampf-Szenen, sei es im Weltall oder mit dem Lichtschwert. Ein Kritikpunkt auf Handlungsebene sind jedoch die Abenteuer von Finn und seiner neuen Freundin Rose, einer Widerstands-Mechanikerin: Diese sind zwar nicht schlecht, bilden aber einen Nebenstrang des Plots, der sich nicht ganz in das Gesamtgefüge einbetten will. Lange Zeit hat man somit das Gefühl zweigleisig zu fahren und eher zwei Filme zu sehen, als einen. Der Film ist zudem an vielen Stellen durchaus witzig und bedient sich eines flapsigen Humors, der für Star Wars nicht ungewöhnlich ist. Nur ab und an wirkt der Komödien-Modus vielleicht ein ganz klein wenig unpassend.  

Die bildliche Inszenierung des Filmes ist ebenso überzeugend, ebenso breit und episch angelegt wie der Rest und bietet äußerst gelungenes CGI im Star Wars-Stil, ganz ohne komisch-kitschige Plastik-Momente – sorry George. Ich kann jedoch nicht behaupten, dass ich sie immer ganz stimmig fand. Manchmal sind da Momente, die mit einer künstlerischen Raumgestaltung spielen, die so nicht in den Gesamtfilm passen will – ohne zu spoilern: Der Thronsaal des Imperators 2.0, „Supreme Leader Snoke“, ist zwar cool, aber sah für mich mehr nach Sin City als nach Star Wars aus.

Auch das Schauspiel ist durchweg überzeugend. Allen voran ist hier Carry Fisher zu nennen, die ihre Rolle mit Brillanz spielt. Sicherlich besser als in der alten Trilogie verkörpert sie Leia Organa-Solo mit Energie und Gefühl. Es kann aber, so gebe ich zu, sein, dass mein Eindruck hier von der Trauer um diese tolle Schauspielerin verklärt wird. Sicherlich handelt es sich jedoch um einen äußerst gelungenen letzten Auftritt auf der Kinoleinwand, der ihr ein positives Andenken aller Star Wars-Fans sichert.

Ebenso – auch wenn ich nie ein großer Luke Skywalker-Fan war – wächst Mark Hamill in seiner bekanntesten Rolle über das hinaus, was wir aus der alten Trilogie kennen. Auch wenn er für mich immer wie ein etwas pummliger Obdachloser aussieht, tut das seinem Spiel in diesem Film wenig Abbruch.

Auch dem Rest des Casts gelingt es, äußerst überzeugend ihre Rollen mit Leben und Charakter zu füllen. Daisy Ridley ist eine starke und selbstständige Frauenfigur, die ihren Weg auch findet ohne immer einen männlichen Lehrmeister auf ihren Fersen haben zu müssen. John Boyega spielt seinen Ex-Sturmtruppler Finn sehr solide, obwohl ich immer noch nicht übermäßig viel mit dieser Rolle anfangen kann und auch Oscar Isaac schafft es, die Erwartung zu zerstreuen, sein „Flieger“-Ass Poe Dameron sei wenig mehr als ein Han Solo-Reboot. Besonders hervorheben möchte in noch Adam Driver als Kylo Ren bzw. Ben Solo: Er verliert an Weinerlichkeit, die ihn noch in Episode VII ausmachte und entwickelt sich zu einem interessanten, nachvollziehbaren und durchaus ambivalenten Antagonisten, mit einem glaubhaften inneren Konflikt.  

Da es nun schwierig würde, ohne Spoiler weiterzuschreiben, möchte ich meine Kritik noch einmal zusammenfassen: Ich gebe zu, es fiel mir schwer stringent zu bleiben, auch weil ich den Film noch ein zweites Mal sehen muss, um ihn erschöpfend zu bewerten und eine vollkommen differenzierte Kritik abzugeben und vielleicht auch die Kritikpunkte herauszuarbeiten, die es durchaus gibt. Sollte ich den Film abschließend bewerten, würde ich ihn qualitativ über Episode I, II, III und VII und sehr knapp unter Episode IV, V und VI einordnen, die wohl auf ewig einen kindlichen Verklärungs- und Retro-Bonus genießen werden. Auf einer Film Skala von 1 bis 10 würde ich ihm 8 bis 8,5 Punkte geben (die alte Trilogie hat – trotz ihrer Schwächen – für mich 9 oder 10 Punkte). Für mich ist Star Wars Episode VIII – The last Jedi das, was Luke Skywalker in Episode IV für die weit, weit entfernte Galaxis war: Eine neue Hoffnung.

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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2 Antworten

  1. Maike Kölpin Maike Kölpin sagt:

    Jakob, kannst du es glauben: ich bin ganz deiner Meinung 😀

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