10 x Sherlock Holmes

Sherlock Holmes gehört mit Sicherheit zu den bekanntesten literarischen Helden. Ursprünglich stammt der berühmte Detektiv aus der Feder von Arthur Conan Doyle und wer das Original noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen: Zu meinen persönlichen Lieblingen gehören die Kurzgeschichten „The Red-Headed League“, „The Speckled Band“ und „The Dancing Men“, die mittlerweile rechtefrei und online zu finden sind. Obwohl Arthur Conan Doyle selbst eine zwiegespaltene Beziehung zu Sherlock Holmes hatte, nahm er mit seinen Geschichten rund um den exzentrischen Detektiv großen Einfluss auf die Kriminalliteratur und begeisterte viele Leser. Sherlock Holmes verkaufte sich aber nicht nur damals gut, sondern auch heute nimmt er einen wichtigen Platz in der (Pop-)Kultur ein, weshalb ich euch heute meine 10 liebsten Werke rund um Sherlock Holmes vorstellen will.

Disclaimer: diese Liste ist rein subjektiv und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

 

BONUS: Sherlock Holmes: The Musical (Leslie Bricusse)

Ich hatte bisher nicht die Gelegenheit, das Sherlock-Holmes-Musical zu sehen und von den Ausschnitten zu urteilen, die ich bisher gehört habe, scheint es mir auch nicht gerade überwältigend, aber ich wollte es euch nicht komplett vorenthalten. Allein die Tatsache, dass es auch eine Musical-Version von Sherlock Holmes gibt, zeigt die Faszination, die diese Figur ausübt. Sogar in meiner begrenzten Auswahl werdet ihr merken, dass Sherlock Holmes in den verschiedensten Medien auftaucht. Für jeden, der jetzt neugierig ist, wie ein Sherlock-Holmes-Musical klingt, hier ein Ausschnitt:

 

Platz 10: Sherlock Holmes (Guy Ritchie)

Wahrscheinlich kennt diesen Blockbuster ohnehin jeder, aber falls nicht: Der Film Sherlock Holmes spielt im Jahr 1890. Sherlock Holmes (Robert Downey, Jr.) und Dr. John Watson (Jude Law) bringen scheinbar erfolgreich den Mörder und Okkultisten Lord Blackwood zur Strecke. Als dieser jedoch nach seiner Hinrichtung aus dem Grab aufersteht und weiter Menschen tötet und sogar das Parlament bedroht, müssen sich Holmes und Watson erneut auf die Jagd begeben. Mit von der Partie ist außerdem die raffinierte Betrügerin Irene Adler.

Ich erwarte hier ein paar empörte Ausrufe, weil die Guy-Ritchie-Verfilmung nur auf Platz 10 gelandet ist. Wie angekündigt, ist diese Liste rein subjektiv und für mich fängt diese Filmreihe nicht wirklich die Essenz von Sherlock Holmes ein. Es ist für meinen Geschmack einfach zu viel Thriller und Actionkomödie und zu wenig Detektivgeschichte. Einige andere Redaktionsmitglieder hätten den Film aber sicherlich deutlich weiter oben platziert, und da er auf jeden Fall unterhaltsam ist und ich zumindest von Jude Law ein Fan bin, empfehle ich euch trotz meiner Einschränkungen, die zwei (anscheinend bald drei) Filme anzuschauen.

 

Platz 9: Sherlock Holmes – Die Originale (Maritim-Verlag)

Diese Hörspielreihe ist wohl die einzige wirklich originalgetreue Adaption auf dieser Liste. Hörspiele haben den Vorteil, dass sie Geräusche, Musik und verschiedene Stimmen nutzen können, um Atmosphäre aufzubauen und Charaktere auszuarbeiten, aber auch problemlos Erzählpassagen aus Dr. Watsons Sicht einbauen können. Der Maritim-Verlag hat als erste deutsche Firma den kompletten Kanon vertont. Später haben sie auch noch einige eigene Fälle veröffentlicht, aber ich beschränke mich hier auf die Originale. Diese zumindest sind aber sehr gut gelungen. Die Geräuschkulisse versetzt einen direkt ins viktorianische Zeitalter und die Sprecher wirken sehr glaubwürdig. Besonders gern mag ich Peter Groeger, der Dr. Watson einfach sofort sympathisch wirken lässt, aber auch Christian Rode passt gut in die Rolle eines viktorianischen Sherlock Holmes. Die Hörspiel-Reihe findet man unter anderem auf Spotify, sodass ich sie ganz gerne ab und zu nebenbei höre.

 

Platz 8: Basil, der große Mäusedetektiv

Disney hat nicht nur ein Faible für Märchen, sondern in diesem Fall auch die Legende Sherlock Holmes. In Basil, der große Mäusedetektiv hat zwar der eigentliche Sherlock Holmes nur einen Cameo-Auftritt, aber die Maus Basil – benannt nach Basil Rathbone, der Holmes in den 30ern/40ern in mehreren Filmen verkörperte – weist große Ähnlichkeiten mit ihm auf. Basil wird von der jungen Maus Olivia konsultiert, nachdem ihr Vater von einer Fledermaus entführt wird. Zufälligerweise trifft sie bei ihrer Suche nach Basil auf den Arzt und Kriegsveteranen Dr. Wasdenn – Spoiler: am Ende des Films beschließen Basil und Dr. Wasdenn, von jetzt an zusammenzuarbeiten. Zuvor müssen sie aber noch die Pläne von Professor Rattenzahn, Holmes‘ Erzfeind, vereiteln, der versucht, die Mäusekönigin zu stürzen.  Liest man den Inhalt hier zwischen anderen Sherlock-Holmes-Adaptionen, klingt es ein wenig albern, aber es ist tatsächlich ein großartiger Kinderfilm und wie bei den meisten Disneyfilmen fühlen sich auch Erwachsene unterhalten, gerade durch Anspielungen auf den originalen Sherlock Holmes, die Kinder wohl kaum erkennen. Außerdem ist es einfach süß, seht selbst:

 

 

Platz 7: “The Men with the Twisted Lips” (S.J. Rozan)

Natürlich will ich auch die Literatur nicht außer Acht lassen. Man findet eine Unzahl an Romanen, Kurzgeschichten und Fanfictions, die sich mit Sherlock Holmes auseinandersetzen. Ich durfte im Rahmen meines Studiums ein großartiges Sherlock-Holmes-Seminar besuchen, in dem wir unter anderem „The Men with the Twisted Lips“ aus dem Sammelband A Study in Sherlock lasen und diese Kurzgeschichte ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Sie zeigt die Geschehnisse in Arthur Conan Doyles Kurzgeschichte „The Man with the Twisted Lip“ aus einer völlig anderen Perspektive, ohne dabei Watsons Erzählung zu widersprechen. Kennt man die Original-Kurzgeschichte nicht, weiß man mit der von Rozan vermutlich nicht viel anzufangen. Lest sie also zuerst, denn dann ist „The Men with the Twisted Lips” sehr unterhaltsam, da es mit vielen Details aus dem Original spielt.

 

Platz 6: Elementary

Die CBS-Serie Elementary ist eine moderne Interpretation und basiert nur sehr lose auf Arthur Conan Doyles Charakteren. Holmes (Jonny Lee Miller), früher Berater von Scotland Yard, lebt jetzt in New York und hat gerade einen Entzug hinter sich. Um zu verhindern, dass er wieder in seine Heroinsucht zurückverfällt, stellt ihm sein Vater die ehemalige Chirurgin Dr. Joan Watson (Lucy Liu) als Suchtbegleiterin zur Seite. Wo am Anfang noch Misstrauen zwischen den beiden herrscht, entwickelt sich relativ schnell eine Freundschaft zwischen den beiden und nachdem für Holmes der beste Weg, nicht rückfällig zu werden, ist, die Fälle des NYPD aufzuklären, lernt auch Watson schnell seine Methoden kennen und unterstützt ihn schließlich als gleichwertige Partnerin. Die Serie nimmt zwar fast ausschließlich durch die Charaktere Bezug auf Arthur Conan Doyles Werk, aber das ist gleichzeitig auch ein Vorteil. Statt sich auf konkrete Storylines zu beziehen, konzentriert sie sich eher auf den Stil Doyles, sodass Holmes und Watson nicht immer großen Verschwörungen hinterherjagen, sondern eher einzelne Verbrechen aufklären. Ich liebe auch den Charakter der Joan Watson und Lucy Liu (ebenso wie Jonny Lee Miller) leistet tolle Arbeit. Leider hat die Serie für mich nach ein paar Staffeln an Faszination verloren, aber zumindest die ersten zwei Staffeln empfehle ich uneingeschränkt.

 

Platz 5: Mr. Holmes

Dieser Film ist vielleicht nicht direkt pessimistisch, aber schon ein wenig düsterer als die meisten anderen Sherlock-Holmes-Adaptionen. Im Mittelpunkt steht hier der alternde und zynische Sherlock Holmes (Ian McKellen). Der 93-jährige Holmes lebt zurückgezogen auf dem Land und widmet sich der Bienenzucht. Er leidet an Gedächtnisproblemen und erinnert sich nicht mehr wirklich an seinen letzten Fall, der ihn zur Aufgabe seiner Detektivkarriere bewegte. Nach und nach freundet er sich jedoch mit dem Sohn seiner Haushälterin an und durch dessen Interesse für seine Detektivarbeit kehrt seine Erinnerung langsam zurück. So erfährt auch der Zuschauer in Rückblenden, was dreißig Jahre zuvor geschah. Ich finde diesen Film aus zwei Gründen wunderbar: Erstens ist die Idee eines Sherlock Holmes, der sich nicht mehr auf seinen Verstand verlassen kann, sehr interessant, da logisches Denken und aufmerksame Beobachtungen einen so großen Teil seines Charakters ausmachen. Zweitens ist die schauspielerische Leistung von Ian McKellen einfach fantastisch. Er spielt schon den zwar älteren, aber noch fitten ermittelnden Holmes sehr gut, aber die Herausforderung des alternden, vergesslichen Holmes meistert er großartig.

 

Platz 4: Das Geheimnis des weißen Bandes (Anthony Horowitz)

Wo viele der Imitationen von klassischen Holmes-Fällen im viktorianischen Setting einfach hinter dem Original zurückbleiben (wie etwa die genannten Eigenproduktionen des Maritim-Verlag), da kann Das Geheimnis des weißen Bandes absolut mithalten. Watson erzählt hier von einem Fall, der „zu schockierend“ war, um früher enthüllt zu werden: Holmes wird von einem Kunsthändler um Hilfe gebeten und bei den Ermittlungen lässt er sich von den „Baker Street Irregulars“, einer Bande von Straßenkindern unterstützen. Dann wird jedoch nicht nur der Verdächtige tot aufgefunden, sondern auch eines der Straßenkinder. An dessen Leiche findet sich ein weißes Seidenband und plötzlich ermittelt Holmes gegen eine einflussreiche Geheimorganisation, der das gar nicht gefällt. Der Fall ist komplex und Horowitz erhält die Spannung durchgehend aufrecht. Fast genauso gut ist übrigens auch die Fortsetzung, Der Fall Moriarty.

 

Platz 3: Sherlock Holmes – Consulting Detective

Am ehesten lässt sich Sherlock Holmes – Consulting Detective wohl als Brettspiel bezeichnen, obwohl es kein Spielbrett im engeren Sinne gibt, sondern mit einem Fallheft, einem Adressbuch und einer Karte von London gearbeitet wird. Als Sherlock-Holmes- und Rätsel-Fan liebe ich dieses Spiel und ich könnte hier sehr viel darüber schreiben, aber leider hat Andi das in seinem Artikel bereits erledigt. Wer sich selbst einmal wie Sherlock Holmes fühlen will (und der englischen Sprache mächtig ist), sollte sich dieses Spiel unbedingt zulegen!

 

Platz 2:  Sherlock

Ja, okay, vielleicht ist das inzwischen schon Mainstream, aber mein Herz gehört einfach Sherlock. Die vierte Staffel existiert in meiner Welt nicht und wer sie noch nicht gesehen hat, sollte vielleicht auch einfach darauf verzichten. Dafür sind die Staffeln eins bis drei einfach großartig. Ähnlich wie Elementary ist die BBC-Serie eine Neuinterpretation, die Holmes und Watson in die Gegenwart versetzt, allerdings belässt sie die beiden in London. Die Serie lebt davon, dass sie nicht einfach den Kanon referenziert, sondern verschiedene Elemente daraus nimmt, ihnen einen Twist verleiht und sie neu verknüpft. Die Serie ist sicher auch sehr gut, wenn man nie etwas von Arthur Conan Doyle gelesen hat, aber sie ist noch viel besser, wenn man die Anspielungen versteht und erkennt, wie eine Storyline in die heutige Zeit versetzt wurde, beispielsweise bei „A Study in Pink“ (wo die Referenz noch sehr deutlich ist). Darüber hinaus hätte die Serie aber ohne Benedict Cumberbatch (als Sherlock Holmes) und Martin Freeman (als John Watson) wohl nie solche Berühmtheit erlangt. Beide sind überragende Schauspieler (übrigens auch am Theater) und die Chemie zwischen ihnen stimmt einfach. Wer es also bisher geschafft hat, an Sherlock irgendwie vorbeizukommen: es wird Zeit! Und man hat die Serie (leider) ohnehin schnell durch.

 

Platz 1: KultLautes Sherlock Holmes – Eine Studie in Scharlachrot

Die absolut beste und überwältigendste Adaption ist natürlich – unsere 😉 Unter der Regie von Andi spielt KultLaute nächste Woche Sherlock Holmes – Eine Studie in Scharlachrot. Das Stück ist eine Adaption von Arthur Conan Doyles gleichnamigem Roman, in dem sich Sherlock Holmes und Dr. Watson nicht nur kennenlernen, sondern auch gleich in einem mysteriösen Todesfall ermitteln, der offensichtlich mit Amerikanern zu tun hat. Obwohl unser Stück ebenfalls in der viktorianischen Zeit spielt (was die Kostümauswahl durchaus ein bisschen erschwert hat), gibt es doch ein paar kleine Änderungen. Wie ihr schon auf dem Plakat seht, ist etwa Sherlock Holmes bei uns weiblich. Außerdem gibt es auch nicht einen großen Block in der Mitte mit allen Ereignissen in Amerika (was meiner Ansicht nach neben den Naturbeschreibungen den Originalroman sehr schwer zu lesen macht), sondern sie werden szenenweise zwischendurch „eingeblendet“, was die Handlung etwas auflockert.

Ich bin natürlich etwas voreingenommen, also könnt ihr hier gerne eure eigene Meinung zu unserem Stück abgeben. Oder habe ich vielleicht ein Werk vergessen, das für euch auf jeden Fall auf die Liste gehört hätte?

Sandra Kalhofer

Sandra Kalhofer

Sandra liebt Sprachen und arbeitet gerne mit Kindern, deshalb studiert sie Lehramt Gymnasium mit den Fächern Englisch und Französisch. Ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Außerdem hat Sandra scheinbar viel zu viel Zeit, deswegen macht sie auch bei allen möglichen Gruppen und Projekten mit. Für KultLaute opfert sie aber besonders gerne ihre Freizeit.

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1 Antwort

  1. 29. Januar 2019

    […] an dieser Stelle nur erneut beknien: Es wird nicht besser! Lest lieber etwas unterhaltsames, wie Sandras Beitrag zu zehn Werken rund um „Sherlock Holmes“, besucht unser aktuelles Theaterstück oder die […]

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