40. Geburtstag der Uni Passau – eine kleine Zeitreise

Wie inzwischen wahrscheinlich jeder mitbekommen hat, feiert die Universität Passau dieses Jahr ihren 40. Geburtstag. Zu diesem Anlass gibt es diverse Veranstaltungen , unter anderem ein Festwochenende (dieses Wochenende!). Ich habe das Jubiläum allerdings als Anlass genommen, herauszufinden, wie es an der Uni Passau früher so war. Praktischerweise hat meine Mutter ihr Lehramtsstudium an der Uni Passau 1981 begonnen, also nur drei Jahre nach Eröffnung – ihre Matrikelnummer ist noch 2726 😉 . Sie konnte mir also mit Unterstützung durch ihre Freundin Karin einiges über das Unileben vor fast 40 Jahren erzählen.

Transformatorhäuschen mit Gebäuden des ehemaligen Schlachthofs im Hintergrund; Quelle: Stadtarchiv Passau, Fotosammlung

Transformatorhäuschen mit Audimax und Bücherturm im Hintergrund (2008); Quelle: Universitätsarchiv Passau, Fotosammlung

    

 

 

 

 

 

 

 
Wie hast du deine Studienzeit an der Uni Passau empfunden?

Gabi: Das war eine der schönsten Zeiten meines Lebens. Ich habe nämlich ganz viel Kunst gemacht und der Rest ist ein bisschen nebenbei gelaufen. Ich hatte ja Hauptfach Kunst in meinem Grundschulstudium und habe während dieser Zeit eigentlich das Kunstleben voll gelebt. Wir waren im sogenannten Ghetto*, das kennt ihr gar nicht mehr. Der Lehrstuhl Kunst war dort auf einige der Altbauten verteilt und es war einfach nett. Wir waren nicht sehr viele, es war familiär, es war leicht chaotisch und ich habe mich da vollkommen daheim gefühlt. Was ich auch in schöner Erinnerung habe, das ist das Spazieren am Inn entlang vom Nikolakloster zum Kunstlehrstuhl.

Karin: Es war sehr schön, dort zu studieren, man hat leicht Bekanntschaften gemacht, hat viel unternommen. Die Freunde habe ich teilweise heute noch. Weil die Stadt so klein war, konnte man sich häufig treffen. Wir haben mal bei dem einen gekocht, dann bei dem anderen musiziert… Dadurch, dass es eine kleine Stadt war, war es eigentlich sehr schön, es war sehr familiär.

*Ghetto: Studentendorf, das in den 90ern dem Sportplatz weichen musste; in den Anfängen waren dort auch vorübergehend Lehrstühle

„Plantanenallee“ zum ehemaligen Studentendorf „Ghetto“ (1987); Quelle: Foto Warmuth

Welche Gebäude gab es damals an der Universität?

Gabi: Ich war hauptsächlich im Nikolakloster und eben im Ghetto, aber auch in der Katholisch-Theologischen Fakultät, da waren zum Teil Psychologievorlesungen und außerdem hatte ich Religion als Fach. Das war ein bisschen lästig, weil ich Kunst ja draußen in der Innstraße hatte und die „normalen“ Sachen im Nikolakloster oder auch schon in dem roten Bau (Anm.: Philosophicum). Die Bibliothek war am Anfang noch in der heutigen Innstegaula, aber später gab es dann auch eine im Nikolakloster. Im Nikolakloster gab es außerdem eine Mensa, aber da war ich nicht allzu oft.

Quelle: Universitätsarchiv

Welche Studiengänge gab es damals?

Gabi: Lehramt natürlich, aber auch Magisterstudiengänge wie Südostasienkunde, Volkskunde, Pädagogik und Psychologie, alles Mögliche, und Pfarrer wurden noch ausgebildet. Aber die größten Gruppen waren Juristen und Wirtschaftler. Die Juristen waren auch damals schon die am schicksten Angezogenen, die Geisteswissenschaftler waren ein bisschen flippiger.

Waren die Kurse manchmal überfüllt?

Gabi: Nein eigentlich nicht. Kunst sowieso nicht, das war klein, intim und gemütlich. Aber auch bei den anderen Veranstaltungen kann ich mich nicht erinnern, dass ich jemals auf der Treppe gesessen hätte, wir hatten alle normale Sitzplätze.

Karin: Es war noch relativ familiär, vor allem im Musikbereich waren wir manchmal nur zu fünft in den Vorlesungen. Gesangsstunden hatten wir zu zweit oder alleine. Allgemein waren in den Vorlesungen nicht viele Leute, es war eher wie eine Schulklasse.

Was waren die Lieblingsorte der Studierenden?

Gabi: Ich war gar nicht so viel mit anderen Studenten unterwegs, ich habe in meiner Freizeit auch viel mit Kunst gemacht, war daheim im Fotolabor oder in der Tanzschule. Die Innwiese war auf jeden Fall schon auch beliebt, aber man saß auch im Garten vom Nikolakloster und beim Lehrstuhl Kunst im Ghetto gab es auch eine Grünanlage. Der Oberilzstausee war auch ein sehr beliebter Treffpunkt und in der Gmoa ist viel abgelaufen.

Karin: Die Mensa war der Treffpunkt. Es gab auch Gruppen, sagen wir mal „faule Studenten“, die eigentlich nur nach Passau gefahren sind, um dann Karten zu spielen. Also man hat sich in der Mensa getroffen, zum Kartenspielen, zum Ratschen, zum Essen. Man hat immer jemanden gekannt und sich unterhalten. Abends sind wir gern in den Palaiskeller gegangen, das war eigentlich ein Gasthaus.

Wie war die Uni bezüglich Hochschulgruppen und Kultur aufgestellt?

Gabi: Es gab den AStA, die Jusos (bei denen war ich öfter mal, unter anderem bei einigen Lagerfeuern), die KSG, dann gab es noch die Studentenzeitung… Ein Semester lang war ich im Uniorchester, außerdem gab es einen Chor, von einer Theatergruppe weiß ich allerdings nichts. Ich war aber von dem Gemeinschaftsleben auch ein bisschen weg.

Karin: Es gab auch einen Studentenpfarrer, der sehr aktiv war und auch in die Studentenwohnheime gegangen ist und da diskutiert hat und gefragt hat, wie es uns geht. Jedes Jahr gab es auch Faschingsbälle, erst in der Redoute und später in der Nibelungenhalle.

Heutzutage steht ja alles online, welche Materialen hattet ihr für die Vorlesungen?

Gabi: Wir haben ganz viele kopierte Skripte bekommen, da waren wir sehr verwöhnt. Natürlich musste man auch viel selbst mitschreiben oder sich halt dann Bücher kaufen oder ausleihen.

Hat dein Studium dich auf den Beruf vorbereitet?

Gabi: Definitiv nicht. Gut, daran bin ich auch ein bisschen selbst schuld, ich hätte das ernsthafter betreiben und vielleicht auch freiwillige Praktika machen können. Aber mit der Realität hatte es nicht viel zu tun. Das Kunststudium hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht und hat mich meine künstlerischen Fähigkeiten weiterentwickeln lassen, aber für die Schule, für das wirkliche Klassenleben, war es nicht so hilfreich.

Wenn du jetzt von Studierenden hörst, wie hat sich das Studium deiner Ansicht nach verändert?

Gabi: Es klingt schon so, als wäre es stressiger geworden, auch in den Ferien. Wir hatten einmal zwei Monate und einmal drei Monate Semesterferien und da war Ruhe, da waren Ferien. Da habe ich bei der Post oder in der Altenpflege gejobbt, mich bei der Polenhilfe engagiert, Fotos entwickelt oder hatte einfach Ferien. Vielleicht war das ja in Wirklichkeit gar nicht so, vielleicht habe ich auch Hausarbeiten geschrieben und ich habe es einfach vergessen. Aber ich habe mich eigentlich nicht überfordert gefühlt. Man hatte damals noch viel Freiheit.

Hast du einen Tipp für die Passauer Studenten?

Gabi: Genießt es, denn diese schöne Zeit kommt nicht mehr. Wenn ihr euch sozial oder politisch engagieren wollt, dann solltet ihr das in der Studienzeit machen, und wenn ihr Auslandsaufenthalte machen wollt, solltet ihr es jetzt machen.

Daran sollten wir uns auf jeden Fall halten! Ich persönlich habe meine Zeit an der Uni Passau bisher auch sehr genossen, ganz besonders natürlich wegen KultLaute 😉 Ich bedanke mich bei Gabi und Karin und auch bei Herrn Puhane, dem Archivar der Universität Passau, für die Unterstützung bezüglich der Bilder.

 

Quelle: Kurt Seebauer

Sandra Kalhofer

Sandra Kalhofer

Sandra liebt Sprachen und arbeitet gerne mit Kindern, deshalb studiert sie Lehramt Gymnasium mit den Fächern Englisch und Französisch. Ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Außerdem hat Sandra scheinbar viel zu viel Zeit, deswegen macht sie auch bei allen möglichen Gruppen und Projekten mit. Für KultLaute opfert sie aber besonders gerne ihre Freizeit.

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