Andis Fanfiction – Fiction Fights #1

Zweimal Hallo

„Entschuldigen Sie, ich hatte meinen Spicy Vegan Pumpkin Latte mit Mandelmilch bestellt, das hier ist aber eindeutig Soja.“ Donna seufzte, entschuldigte sich bei „Odet“ und gab ihr einen neuen Kaffee, diesmal mit Hafermilch. Während Odette, nun zufrieden, ein Selfie mit ihrem Getränk postete, dachte Donna zum unzähligsten Male über die vergangenen Monate nach. Über ihre Ehe, die zwar eigentlich glücklich verließ, aber sie dann doch in so vielen Hinsichten traurig machte. Über ihre Mutter, die immer ihr Bestes wollte, aber dann doch durch ihre sichtliche Enttäuschung über Donnas ständige Jobwechsel Donnas Gefühl, sie würde ihr Leben nur verschwenden, verstärkte. Und natürlich dachte sie am meisten an Wilfred, ihren Opa. Donnas Gesichtszüge entgleisten ihr sichtlich, als sie sich an jenen furchtbaren Tag zurückerinnerte, an dem sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Sie hatten sich nicht einmal vernünftig verabschiedet, als er ins Planetarium aufbrach.

„Hallo.“ Eine Stimme riss sie aus ihrer Melancholie. Auf der anderen Seite der Starbucks-Theke stand ihr ein Mann gegenüber. Eigentlich war an ihm nichts Besonderes. Dunkelblaue Augen blitzten sie leicht spöttisch unter einem mehr schlecht als recht frisierten Haarschopf heraus an. Vielleicht lag es an dem langen grauen Wollmantel, den er trug, aber Donna konnte sein Alter nicht wirklich einschätzen. „Wie bitte?“, erwiderte sie. „Hallo“, kam es zurück. „Das war jetzt zweimal Hallo. Aber wie sagte schon eine alte Freundin von mir: Bei der Begrüßung darf man auch mal gründlich sein.“ Donnas zarte Hoffnung, endlich jemand Normales bedienen zu dürfen, legte sich wieder. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte sie mit der monotonen, lustlosen Stimme, die sie für ihre drei Monate Berufserfahrung im Coffeeshop-Business bereits erstaunlich gut gemeistert hatte. „Eigentlich würde ich mich gerne mit Ihnen persönlich unterhalten und keinen Starbuck kaufen.“ Donnas bereits am Boden liegende Hoffnung begann, sich ein Loch zu schaufeln. „Tut mir leid, aber ich habe gerade weder Lust noch den Kopf dazu, mich mit ihnen zu unterhalten,“ sagte Donna und wollte sich dem Vollbart-Typen im Holzfällerhemd neben ihm zuwenden. „Kein Problem. Könnte ich dann morgen wiederkommen? Gleiche Zeit? Soweit ich weiß, würden Sie ja jetzt jeden Moment ihre Mittagspause beginnen.“ Normalerweise hätte sie das abgelehnt und den Kerl in seine Schranken verwiesen. Aber irgendetwas an ihrem Gegenüber faszinierte sie. Außerdem war sie sich relativ sicher, dass er nicht wieder auftauchen würde. „Tun Sie das doch.“ Der Mantelträger verabschiedete sich grinsend, ging aus der Türe und verschwand um die Ecke. Der Rest des Tages verlief ereignislos und als sie abends neben ihrem Mann ins Bett sank, hatte Donna den Blauäugigen schon wieder komplett vergessen.

Bis er am nächsten Tag erneut, eine Minute, bevor sie sich in den Pausenraum zurückgezogen hätte, vor ihr stand. Obwohl es heute wesentlich heißer war, trug er wieder seinen langen Mantel, sah aber nicht verschwitzt aus. Auch seine Haare waren genauso unfrisiert wie zuvor, ein Anblick, der Donna angesichts ihrer gewöhnlichen Kundschaft irgendwie behagte. „Hallo zum dritten Mal,“ begrüßte er sie. „Heute Zeit für mich?“ Donna wusste nicht wirklich, was sie sagen sollte. Einerseits würde sie sich liebend gerne mit dem Fremden unterhalten, allein schon um der Langeweile zu entkommen. Andererseits war sie immer noch nicht gut gelaunt und wollte nicht ihren Job riskieren, da der Typ sie bestimmt länger als ihre 15-minütige Pause aufhalten würde. „Hören Sie,“ erwiderte sie daher, „ich bin leider noch in meiner Probezeit hier und möchte daher nicht meine Anstellung aufs Spiel setzen, indem ich meine ganze Pause mit Fremden verbringe. Kommen Sie doch in drei Monaten wieder, dann ist meine Probezeit vorbei und ich darf außerdem länger Pause machen.“ Die Botschaft sollte angekommen sein. Ihr Gegenüber grinste allerdings immer noch. „Mache ich sehr gerne. Dann also bis in drei Monaten, gleiche Zeit,“ erwiderte er, während er auf einem kleinen schwarzen Kasten an seinem Handgelenk herumtippte. „Vermutlich eine von diesen neumodischen Smartwatchteilen,“ dachte sich Donna. Der Unfrisierte wandte sich ab, drehte sich aber noch einmal um: „Ach ja, mein Name ist übrigens Jack Harkness.“ Damit verschwand er aus der Tür. Kopfschüttelnd und mit der Gewissheit, „Jack“ nie wieder zu sehen, holte sich Donna ihren Eistee aus dem Kühlschrank im Pausenraum. Sie mochte keinen Kaffee.

Im Lauf der nächsten drei Monate kehrte der Sommer in Lambeth ein, dem Viertel Londons, in dem Donna erneut einen ihrer Versuche startete, einen dauerhaften Arbeitsplatz zu finden. Und obwohl es jetzt nur noch alle drei Tage regnete, war Donna immer noch betrübt. Oft hatte sie das Gefühl, sie hätte etwas verloren, einen Sinn ihrer Existenz, den sie früher besaß, aber nun vergessen hatte. Diese Trübsal wirkte sich natürlich auf ihre Mitmenschen aus. So stand sie also an ihrem ersten Tag als Festangestellte hinter ihrer Kaffeemaschine und überlegte, ob sie vielleicht zur Feier des Tages mit ihrem Mann Essen gehen sollte, um die allgemeine Laune zu heben, als zum dritten mal der Mann namens Jack vor ihr stand. „Hallo“, erwiderte sie seine Begrüßung vollkommen baff. Zwar hatte sie doch ein- oder zweimal an ihn gedacht, war aber davon ausgegangen, dass er nicht auftauchen würde. Und doch stand er vor ihr, immer noch im langen Mantel, trotz Sommer, immer noch unfrisiert. „Ich muss zugeben, ich habe Sie nicht erwartet, Jack Harkness.“ Ihre Neugierde war endgültig geweckt. Außerdem gab es einen kleinen Teil in ihr, dem das Ganze erstaunlich vertraut vorkam und der sie dazu drängte, diesem fremden Mann mit der schwarzen Box am Arm zu vertrauen. Daher grinste se zum ersten Mal zurück. „Sie haben Glück, ich wollte gerade Pause machen. Setzen wir uns doch an einen Tisch und reden!“ „Oh Donna,“ sagte Jack, während er seinen Mantel ablegte und ein Paar altmodischer Hosenträger über einem blauen Hemd offenbarte, „du errätst nie, wie lange ich auf diesen Moment warten musste.“