Bayrisch für Anfänger

Kommt man nicht aus Bayern, so kommen einem die Bayern manchmal wie ein ganz komisches Völklein vor. Andere Sprache, andere Sitten, … fast erlitt ich einen Kulturschock.

Ich komme nämlich auch nicht aus Bayern, sondern bin zum Studieren hergezogen. Hier habe ich euch heute die besten Tipps und Tricks, sowie Wissenswertes rund um Bayern zusammengetragen – Dieses Wissen hätte sicherlich meine Integration etwas beschleunigt.

 

Bayern und seine Regionen

Ich muss zugeben, bis ich diesen Artikel geschrieben habe, wusste ich selbst nicht so genau was Franken oder Niederbayern so ist, aber hier eine kurze Erklärung:

Bayern gliedert sich in die drei Landesteile: Franken, mit Ober-, Mittel- und Unterfranken. Wobei Ober- und Unterfranken auf gleicher Höhe anzusehen sind. Bayrischer Regierungsbezirk Schwaben (Schwaben ist nämliche eine historische Landschaft in Südwestdeutschland) und Altbayern, mit den Regierungsbezirken Oberpfalz – ohne Unterpfalz -, Ober- sowie Niederbayern. Wobei Niederbayern über Oberbayern liegt. Passau befindet sich in Niederbayern.

 

„Obi und Auffi“

Hinunter und Hinauf

Das verwirrendste Wortpaar, das existiert im Bairischen. Hört sich beides an wie hinauf, zumindest wenn man die Wörter einzeln hört und ein Urbayer diese sagt. Hier zwei Beispielsätze zur Verdeutlichung: Ich gehe hinauf = I geh auffi. Ich gehe hinunter = I geh obi. (Lustigere Beispielsätze waren nicht möglich, da ich einfach kein Bairsch kann)

 

„Heuer“

 – Kurz für: Dieses Jahr

Hat nichts mit Heu oder sonstigem zu tun, sondern ist tatsächlich eine Zeitangabe (welche aus irgendeinem Grund aber auch nicht heute heißt).

 

„Dult“

Jahrmarkt / Volksfest

In Passau gibt es eine Mai- und eine Herbstdult. Das ist so was ähnliches wie das Oktoberfest nur kleiner. Überliefert wurde mir, dass der Dultbegriff aus Regensburg kommt, weiteres konnte ich dazu nicht heraus finden.

 

Die Dirndlschleife

– An welcher Seite trägt man die Schleife?

Auf der Dult ist es superwichtig, wie man seine Schleife trägt, da wurde ich auch schon mehrmals drauf hingewiesen. Jedes Dirndl hat eine Schleife, durch die angegeben werden kann, wie der Beziehungsstatus ist. Hier habe ich Unterschiedliches gehört, wie genau das genommen wird. Rechts gebunden bedeutet, die Frau ist verheiratet oder vergeben. Nun haben mir manche erzählt, dass das nur verheiratete Frauen so binden sollen. Wer ‚nur‘ einen Freund hat, solle auch links binden. Links heißt nämlich Single oder noch zu verheiraten. Persönlich würde ich, wenn Freund vorhanden, trotzdem auf der rechten Seite binden. Außerdem kann man sie noch hinten binden, das bedeutet, man ist Witwe. Kinder und Bedienungen binden ihre Schleife auch hinten.

 

Die bayerischen Farben

Weiß-blau

Aus irgendeinem Grund ist es wichtig zu wissen, dass die Farben von Bayern Weiß-Blau sind, niemals jedoch Blau-Weiß. Ursprung hat das Ganze in der Bayernhymne (ja, es gibt eine Bayernhymne), in der es heißt: „und erhalte dir die Farben seines Himmels weiß und blau!“

 

„Zuzeln“

– Eine Art wie man Weißwürste ist

Wer kennt es nicht: Da ist man zum Weißwurstfrühstück eingeladen und plötzlich fangen alle an seeehr komische Sachen mit ihrer Wurst zu treiben. „Zuzeln“ nennen sie es: Sie saugen die Wurst aus der Haut raus. Mit Worten kann gar nicht beschrieben werden wie komisch das ist, deswegen schaut euch bitte das Video an.

 

„Saupreiß“

– Bezeichnung für Mensch, der nicht aus Bayern kommt

Nicht einmal drei Tage, nachdem ich in Passau ankam, wurde ich mit der Bezeichnung „Preuße“ oder „Preißn“ konfrontiert. Natürlich dachte ich dabei gleich an das alte Königreich Preußen, welches jedoch seit geraumer Zeit nicht mehr zu existieren scheint. Dann wurde ich aufgeklärt, dass für einen Bayer alles oberhalb des Mains, vor allem jedoch nord- und ostdeutsches Land, Preußen ist. Zusätzlich kamen noch abwertende Kommentare gegenüber Franken und Schwaben, auf die ich jetzt allerdings nicht näher eingehen will.

 

„Pfiat di“

Tschüss

Obwohl diese zwei Wörter oftmals eher grummelig vom Busfahrer gesprochen werden, oder der Bäcker sie einem hinterherruft, ist es tatsächlich nicht böse gemeint. Mehr als einmal dachte ich, jemand ruft mir den weniger netten Ausdruck mit F hinterher. An der Supermarktkasse höre ich öfter „Pfiats eana“, welches wohl die Höflichkeitsform von „Pfiat di“ ist. Ursprünglich kommt es von „Pfiat di Gott“, was einmal „Behüte dich Gott“ war.

 

„Goasmaß“

Colaweizen mit Kirschlikör

Ein widerliches Biermischgetränk, welches zur einen Hälfte aus Cola, zur anderen aus dunklem Bier oder dunklem Weißbier besteht, dazu kommt ein Schuss Kirschlikör oder seltener Cognac.

 

„Maß“ [mas] (Kurzgesprochenes A)

Bierkrug, der einen Liter fasst

Sicherlich kennt jeder die Maß. Was mich in ein Fettnäpfchen treten ließ, war die Aussprache. Im Schowabaländle sagen die meisten Mas [ma:s], also mit langem a. Laut Wikipedia ist dies aber auch eine gängige Aussprache (wohl nur nicht in Bayern).

 

„In der Früh“
morgens

Das mag einige jetzt überraschen, oder sogar banal klingen, aber tatsächlich verwendet man die Wortkombination „in der Früh“, beziehungsweise „die Früh“ vor allem im Süddeutschen und Österreichischen. Als ich nach Bayern kam, musste ich feststellen, dass fast alle meine Kommilitonen lieber „in der Früh“ sagen statt morgens. Obwohl es mehr Wörter sind und viel umständlicher klingt.

 

„Die Semmel“

Das Brötchen

„Semmel“ ist eine Bezeichnung für Kleingebäck jeglicher Art. Erst dachte ich, dass diese Bezeichnung nur für Weizenbrötchen gilt, jedoch habe ich den Bayern schon jegliches Gebäck „Semmel“ nennen hören. 

 

„Fleischpflanzerl“

Frikadelle/Bulette

Dieses Wort ist so grausam, dass ich es fast nicht aufführen wollte, jedoch habe ich es schon ein paar Mal gehört und will nun mein Wissen mit Unwissenden teilen. Die Frikadelle wird hier sogar einfach im Brötchen gegessen, unterwegs.

 

„Kasspatzen“

Kässpätzle

Ich bin zwar keine Vollblutschwabin, das Wort Kasspatzen lässt jedoch sogar mir das Blut in den Adern gefrieren. Einige Bayern wollten mir sogar erzählen, sie hätten die Kässpätzle erfunden. Das weise ich jedoch vehement zurück.

 

Wie man einen Maßkrug hält

Machogehabe, trinkt einfach euer Bier

Da mir die Maß viel zu schwer ist, halte ich sie immer mit beiden Händen fest umklammert. Die SZ sagt dazu: „Die korrekte Haltung am Masskrug ist es, nur den Griff mit der Hand zu umschließen. So vermeidet der Kenner Quetschungen der Fingerkuppen beim Zuprosten, dem Swingen mit anderen Mensch-Bier-Paarungen. Und das geliebte Bier behält seine kühle Wohlfühltemperatur. Gleichzeitig beweist er durch den größeren Abstand Stärke, denn es kostet mehr Kraft, die Mass nur am Griff zu heben.“ 

 

 

Das war es mal für den Anfang. Sollten mir Fehler unterlaufen sein – bin ja nur ein Preiß – oder euch fallen noch mehr spannende Fakten rund um Bayern ein, dann schreibt einfach hier drunter oder kommentiert auf Facebook. Pfiats eich!

Hannah Madlener

Hannah Madlener

Aus dem schönen Schwoabaländle kam die Hannah nach Passau um irgendwas mit Medien zu studieren. In ihrer Freizeit schaut sie zu viele Serien und Filme, liest am liebsten alte Bücher und spielt leidenschaftlich gern Theater und Ukulele. Außerdem befasst sie sich hingebungsvoll mit Comics und versucht diese auch selbst zu zeichnen.

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