Soo… Ich habe gehört, ihr wollt Comics lesen…

„Ich möchte Comics lesen, aber …

Ich weiß nicht, womit ich anfangen soll, es gibt so viele Comics, alles ist verwirrend.“
Stereotypen über Comics, die viele potenzielle Comic-Leser davon abhalten, sich mit Comics zu beschäftigen. Ich liebe Comics und Graphic Novels, seit ich klein bin, ob Das Lustige Taschenbuch, Lucky Luke, Batman oder auch Graphic Novels wie MAUS. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich aber eher mit Comics von DC und vor allem Marvel Comics, deswegen wird dieser kleine Einsteiger-Guide ausschließlich diese beiden Verlage behandeln.

Ich kenne viele Leute, die vor allem Fans vom DCU oder MCU sind, die Serien und Filme geschaut haben, und jetzt anfangen wollen, Comics zu lesen. Immer wieder höre ich dann: „Ich habe keine Ahnung, wo ich anfangen soll! Es gibt so viele!“ Das ist wahr, natürlich gibt es viele Comics. Doch mit dem Lesen von Comics anzufangen ist gar nicht so schwer, wie es sich anhört. Dieser Artikel soll vor allem den Leuten helfen, die sich für das MCU und DCU interessieren.

Es gibt sehr viele Universen, Welten und Handlungen, die ich hier gar nicht aufführen möchte, da sie so unzählig sind. Allerdings ist in den meisten Comics auf der ersten Seite eine kleine Zusammenfassung von der jeweiligen Handlung und alle Charaktere, die eine Rolle spielen. werden vorgestellt.

Ich habe hier für euch ein paar meiner Lieblingscomics und -reihen aufgeführt, die man leicht auch als Comic-Neuling lesen kann. Sie enthalten bekannte Charaktere und weniger komplizierte Storylines. So soll euch der Weg in die Welt von Marvel und DC Comics etwas einfacher gestaltet werden.

 

MARVEL COMICS

Einzelne Must-Reads:

  • Deadpool: Die Kunst des Krieges (2015) von Peter David

Deadpool hat super Comics für Einsteiger. Die Kunst des Krieges (Art of War im Original) glänzt mit einzigartigen Illustrationen, lustigen Auseinandersetzungen mit Loki und Thor, sowie klassischem Deadpool-Humor. Allgemein gibt es viele Deadpool-Comics, die man gut einzeln lesen kann, wie zum Beispiel Deadpool kills the Marvel Universe (2012) und sein Nachfolger: Deadpool kills the Marvel Universe again (2018) oder Night of the Living Deadpool (2014).

  • Winter Soldier: Der letzte Winter MEGABAND (2010) von Ed Brubaker

Gut, das ist vielleicht etwas geschummelt, denn dies ist kein einzelner Comic, sondern ein Band von 14 Ausgaben der Reihe von Ed Brubaker. Dieser hat davor die berühmteste Captain-America-Reihe aller Zeiten geschrieben – unter anderem auch Civil War und Der Tod von Captain America, welches allerdings eine Lektüre für Fortgeschrittene ist – und dies ist der wunderschöne Nachfolger. Er erzählt die herzzerreißende Story von Bucky Barnes und Black Widow, in der sie Spione jagen, die Bucky selbst trainiert hat. Ein Muss für alle Bucky-Fans und mein ganz persönlicher Lieblingscomic.

  • Iron Man: Extremis (2013) von Warren Ellis

Extremis ist #1-6 der Invincible-Iron-Man-Reihe von Ellis, die absolut lesenswert ist. Falls ihr nicht alles lesen wollt, lege ich euch aber diesen Teil vor allem ans Herz. Extremis ist mein Lieblings-Story-Arc (bitte orientiert euch da nicht am Film – eine Schande was Shane Black daraus gemacht hat) und Ellis hat daraus einen der besten Iron-Man-Comics gemacht, die je geschrieben wurden.

  • The Infinity Gauntlet  (1992) von Jim Starlin 

Er mag zwar nicht aussehen wie ein Einsteiger-Comic, jedoch wird mit jeder Seite genau erklärt, um was es geht und wie es dazu gekommen ist. Zu Zeiten des großen Erfolges von Avengers: Infinity War und Endgame, möchte ich euch diesen Comic wirklich ans Herz legen. Glaubt mir, alles was euch am Film gestört hat, wird hier wunderbar aufgelöst. Danach solltet ihr auf jeden Fall den Nachfolger The Infinity War (1992), auch von Starlin, lesen. Mit dieser Reihe hat Starlin die epischste Storyline überhaupt geschrieben, auf der auch die beiden letzten Avengers-Filme (lose) basieren.

 

Comic-Reihen:

Allgemeines:
Wichtig zu wissen ist, dass Marvel verschiedene Universen im sogenannten Multiverse hat. Seit 1961 existiert die Haupt-Storyline des Marvel Universums auf Earth-616. In diesem Universum finden alle großen Ereignisse wie z.B. Secret Wars, Civil War, Secret Invasion, etc. statt. In 2000 hat Marvel das Ultimate Universum eingeführt, auf Earth-1610, welches bis 2015 weitergeführt, dann aber mit dem Crossover-Event Secret Wars eingestellt wurde. Nach 2012 startete Marvel die Marvel NOW!-Serie von 2012 bis 2015. In dieser starten sie, anders als DC mit The New 52, jetzt nicht mit #1, sondern behält die generellen Storylines bei und startet nur eine Art von Möglichkeit des Universums im Universum. Nach Secret Wars 2015 startet Marvel die All-New-All-Different-Reihe und bringt Earth-1610 mit -616 in einem Universum zusammen. Eine allgemeine Storyline und Hintergründe bleiben vorhanden, doch einige neue Storylines und Origins werden implementiert, ursprünglich um das Lesen zu vereinfachen. Ist alles trotzdem relativ kompliziert, aber ich wollte euch eine kleine Einführung in die Welt des Multiversums von Marvel geben. Damit ihr wisst, dass ihr nicht #1 suchen müsst, sondern euch generell etwas an die Universen halten könnt. Hier jedoch ein paar leicht verständliche Serien für den Start.

  • Hawkeye (2012 – 2015) von Matt Fraction

Hawkeye ist zugegeben ein etwas merkwürdiger Einstieg in die Welt der Marvel-Comics, aber er ist es wert. Die Reihe von Matt Fraction – ein grandioser Autor – ist eine der besten Comic – Reihen die ich je gelesen habe. Nicht nur wegen der neuen Interpretation von Hawkeye ist er lesenswert, auch die ungewöhnlichen Illustrationen von Javier Pulido und Anne Wu geben dem Comic seinen gewissen Charme. Falls euch Kate Bishop als Hawkeye genauso gut gefällt wie mir, empfehle ich danach die Young-Avengers-Reihen mit ihr zu lesen!

  • Moon Girl and Devil Dinosaur (2015-) von Amy Reeder

Moon Girl ist wohl der einzige Comic in der Reihe, den die meisten vermutlich nicht kennen. Jedoch kann ich sie nur wärmstens empfehlen. Auch wenn der Comic eher an jüngerer Leser gerichtet ist und ein perfektes Geschenk für jede kleine Schwester oder Nichte ist, so ist er trotzdem spannend und eine leichte Lektüre zur Einführung in die Inhumans.

  • Deadpool (2008 – 2013) von Daniel Way

Ich muss zugeben, das wird hier etwas Deadpool-lastig, aber Deadpool zu lesen macht so viel Spaß, man möchte gar nicht aufhören weiterzulesen und noch mehr zu lesen. Daniel Way hat für mich den Deadpool geschaffen, wie man ihn sich vorstellt. Total durchgeknallt, Stimmen im Kopf, ständig bricht er die 4. Wand, witzig, aber mit ganz viel Herz. Die Geschichten werden niemals langweilig, alle 65 Issues sind vollgepackt mit Spannung, man sieht alte Bekannte und lernt neue kennen. Mein Lieblingsteil ist Vol.4 Monkey Business mit Spiderman, weswegen ich die nächste Reihe auch unbedingt aufführen muss.

  • Spider-Man / Deadpool (2016-) von Joe Kelly

Dieser Comic wurde nur geschrieben, da die Fans (mich eingeschlossen) nach Monkey Business nicht genug bekommen konnten von diesem unglaublichen Team-Up. Spideypool hat eine unvergleichliche Dynamik, die Story ist packend und hat viele herzzerreißend süße Momente. Der Untertitel „Isn´t it bromantic“ fasst die Reihe eigentlich ganz gut zusammen. Es gibt momentan 52 Ausgaben, aber die Story ist noch lange nicht zu Ende!

  • Die Ultimativen (2002 – 2004) von Mark Millar

The Utimates, im Original, spielt im Ultimate Universe (unter anderem: Ultimate Spider-Man) und zeigt eine ganz andere Seite der Avengers. Wir haben unser bekanntes Team-Up – plus Giant Man und The Wasp – nur um einiges dunkler und erwachsener. Millars Universum ist sehr umstritten und ich kann nicht sagen, dass es mir Spaß gemacht hat, den Comic zu lesen. Die Avengers sind alles andere als sympathisch, aber irgendwie hat es einen doch gefesselt und es ist alles in allem eine sehr lesenswerte Story.

 

DC Comics

Einzelne Must-Reads:

  • Batman, Year One (1987) von Frank Miller und David Mazzucchelli

1986 haben sich die Editoren von DC Comics dazu entschieden, ihre 3 populärsten Helden nochmal zu verändern. Superman und Wonder Woman wurden komplett überarbeitet und Batman bekam einen neuen Schliff verpasst. Die Original-Story wurde nicht verändert, sondern nur verbessert und vertieft. Eine der besten Origin-Stories von Batman aller Zeiten und der perfekte Start ins DC Universum. Nachdem ihr diesen Comic gelesen habt, kann ich euch gleich den nächsten Batman-Kracher ans Herz legen: Batman: The Long Halloween (1996)  findet nach den Ereignissen von Year One statt und zählt auch zu den besten Comics aller Zeiten.

  • The Killing Joke (1988) von Alan Moore

Als einer der bekanntesten Comics aller Zeiten, ist The Killing Joke ein absolutes Muss für jeden Comic-Fan. Egal ob man lieber DC oder Marvel liest, dieser Comic ist meiner Meinung nach ein literarisches und künstlerisches Meisterwerk. Der Comic handelt von der einzigartigen Beziehung zwischen Batman und dem Joker.  Ich würde sagen, er ist die Grundlage, um das Hin und Her zwischen den beiden wirklich zu verstehen – oder auch nicht. Das Ende des Comics ist nämlich offen und bietet viel Raum für Interpretation.

  • Lex Luthor: Man of Steel (2005) von Brian Azzarello

Dieser Comic erzählt eine Superman-Geschichte aus der Sicht von Lex Luthor. Spannend und kontrovers. Wer, wie ich, kein besonders großer Fan von Superman ist, wird mit diesem Comic trotzdem viel anfangen können, denn er behandelt den Superhelden aus einer anderen, frischen Perspektive. Die Geschichte beginnt und man könnte meinen, man liest eine Art Batman V Superman, doch der Comic nimmt eine andere Wendung als der eher problematische Film.

  • JLA: A League of One (2002) von Christopher Moeller

Wonder Woman wird in vielen Comics als Side-Kick für Superman verwendet oder wird in Justice League nur als das Mädchen in der Gruppe abgehandelt. Kaum jemand konnte sie so gut darstellen wie Moeller. Die Geschichte ist Nahe des Fantasy-Genres gehalten: Eine Prophezeiung, Drachen, Selbstaufopferung und eine starke Frau.  

 

Comic-Reihen:

Allgemeines:
DC Comics hat schon Comics veröffentlicht, da waren eure Großeltern noch kleine Babies oder gar nicht geboren. Seit 1930 treiben Superman, Batman und Wonder Woman ihr Unwesen. Um es Comic-Fans leichter zu machen mit DC zu starten, erschufen sie ein Reboot-Universum namens The New 52. Während es ein anfängerfreundliches Universum ist (es lief von 2011 bis 2016) und es wirklich ein paar gute Comics gab, wurde es gegen Ende eine Katastrophe. Also wurde DC Rebirth ins Leben gerufen und verband die Storyline von 52 mit der klassischen Geschichte von DC. Auch wenn The New 52 ein paar gute Comics hat (die ich hier auch auflisten werde) ist es nicht vergleichbar mit Rebirth. Für neue Leser der perfekte Start in ein gut aufgebautes DC Universum, das auch bis heute noch läuft!

  • Justice League (2011-2016) von Geoff Johns

#1-6 dieser Comic Reihe umfasst die New 52 Origin-Story der Justice League. Seit 1960 gab es unzählige Arten, das Zusammentreffen der Superhelden zu erzählen und diese Reihe ist eine der Neusten und Besten. Unter anderem inspirierte sie den Justice-League-Film und sollte daher einigen DC Fans auch bekannt vorkommen. Lee ist ein unglaublich talentierter Comic Künstler, der schon sowohl für DC als auch für Marvel zeichnete. Hier bringt er viel Action und Detail auf die Seite und verbindet moderne Comics mit altbewährter Tintentechnik.

  • Superman: Action Comics (2011 – 2016) von Grant Morrison

Im Zuge des New 52 wurde natürlich auch Superman ein neuer Schliff verpasst. Gemischt wurden Earth One Superman mit klassischem Man of Steel. Obwohl 52 nicht einfach zu lesen ist – zu viele Storylines vermischt, sodass man mehr Comics lesen muss, als man möchte – finde ich die Story doch einfach und vor allem erfrischend: Superman mit Jeans und T-Shirt, menschlich und nahbar. Ein guter Anfang, um den Man of Steel zu verstehen. Gegen Ende wird die Story allerdings etwas komplex, da muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er hier weiter lesen möchte.

  • Alle One-Shots von DC Rebirth #1

Rebirth beginnt jede Geschichte der bekannten Superhelden mit #1 – z. B. Batman: Rebirth #1, Aquaman: Rebirth #1, … Wer etwas Geld auf der Seite liegen hat, kann den Omnibus DC Rebirth kaufen, in dem jedes der einzelnen Issues zu lesen ist. Weiterhin würde ich DC Universe: Rebirth Deluxe Edition (2016) von Geoff Johns empfehlen, einfach um den Einstieg in dieses neue Universum zu erleichtern.

  • Suicide Squad (2015 – 2019) von John Ostrander

Obwohl Suicide Squad hier neue und alte Charaktere mischt, ein paar neue Storylines bringt und alte verbindet, so erkennt man doch die altbekannte Struktur der Suicide Squad. Zusammen mit nostalgischem Zeichenstil und interessanten down-to-earth Charakteren bietet diese Reihe eine authentische Suicide-Squad-Erfahrung, anders als der grauenhafte Film. Bevor ihr diesen Comic lest, würde ich empfehlen, die Mini-Serie Deadshot: Beginnings (1988) von Ostrander zu lesen, um etwas mehr Hintergrundwissen zu haben und die Geschichte besser genießen zu können.

 

 

Ein paar letzte Tipps: 

Ich habe euch hier nur ein paar Empfehlungen gezeigt, die Liste ist natürlich komplett subjektiv und unvollständig.
Merkt euch die Autoren und Illustratoren, die euch gefallen haben. Dadurch findet ihr leichter andere Comics, die euch vermutlich auch gefallen werden.

Außerdem: Comics sind teuer. Sehr teuer. Da kann ich euch nichts verheimlichen. Früher habe ich oft Comics im Internet gelesen auf dunkel-gräulichen Websites, die heute nicht mehr existieren. Einige sehr gute Comics muss man auch einfach in der Hand halten. Falls ihr euch aber nicht sicher seid, ob euch etwas gefällt, oder der Comic über 300 Issues hat und das einfach zu viel Geld ist, gibt es die tolle Internetseite Comixology.eu von Amazon, bei der ihr für sehr viel weniger Geld Comics online kaufen und lesen könnt. Außerdem bietet die Website verschiedene erste Issues und Indie-Werke kostenlos an. Hier könnt ihr auch etwas stöbern und Reihen werden euch vollständig angezeigt, sodass es keine Verwirrung gibt. Außerdem kann ich Comic Cons empfehlen, auf denen zum einen Verlage wie Panini ihre Comics billig anbieten und man zum anderen verschiedene Sammelwerke bei Händlern zu günstigen Preisen kaufen kann. Auch in einfachen Paper Bags (meist eine Papier- oder Plastiktüte, in der verschiedene Issues zusammen verkauft werden) finden sich manchmal wahre Meisterwerke.

Und vergesst niemals: “Every comic book is someone’s first” – Stan Lee.

Hannah Madlener

Hannah Madlener

Aus dem schönen Schwoabaländle kam die Hannah nach Passau um irgendwas mit Medien zu studieren. In ihrer Freizeit schaut sie zu viele Serien und Filme, liest am liebsten alte Bücher und spielt leidenschaftlich gern Theater und Ukulele. Außerdem befasst sie sich hingebungsvoll mit Comics und versucht diese auch selbst zu zeichnen.

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