Das Ausland und ich Teil 1: auf ins Abenteuer

Bei vielen Schulabgängern und Studenten ist es ja inzwischen fast gang und gäbe, einmal längere Zeit im Ausland verbracht zu haben. Sei es durch Work and Travel, Au Pair, Erasmus, Freemover, Auslandspraktikum oder anderweitig: Ich bin mir sicher ein großer Prozentsatz der Passauer Studierenden kann von einem solchen Aufenthalt erzählen. Auch ich kann mittlerweile auf fünf verschiedene Auslandsaufenthalte zurückblicken. Das sage ich jetzt nicht, weil ich damit angeben will oder gar behaupten würde, ich wäre deshalb etwas Besseres. Ob jemand einen Auslandsaufenthalt gemacht hat oder nicht, ist für mich überhaupt kein Kriterium, ob jemand weltoffener oder toleranter oder sonst was ist. In diesem Artikel möchte ich lediglich davon erzählen, wie meine verschiedenen Auslandsaufenthalte für mich waren und welche Erfahrungen ich im Laufe der Jahre gesammelt habe.

Als ich noch in der Schule war, konnte ich nicht viel dazu sagen, was ich später mal machen wollte. Studium? Keine Ahnung, irgendwas ohne Mathe. Job? Singende, schauspielende Diplomatin … geht das? Was ich wusste: Ich will mal für ein Jahr in die USA. Nachdem ein Highschool-Jahr leider aus verschiedenen Gründen nicht möglich war, hörte ich von Au-Pair-Aufenthalten und mein Plan war gefasst: Nach dem Abi geh’ ich ein Jahr als Au Pair in die USA!

Wie so oft, wenn ich mir was in den Kopf gesetzt habe: Gesagt, getan. Gut einen Monat nach der Abifeier ging im Juli 2012 mein Flieger Richtung New York und von da aus weiter nach Virginia. Ich war aufgeregt, aber nur, weil ich mich so sehr darauf freute. Das war die Verwirklichung eines jahrelangen Traums! Ein Jahr lang nur Englisch sprechen! Weg aus der verhassten Kleinstadt in der Baden-Württembergischen Einöde! Ein “neuer Start” in einem anderen Land! In den Suburbs einer Metropole! Wo mich niemand kennt und alles ganz anders wird!!!1!elf! Dass ich meine Schulfreunde ein Jahr lang nicht sehen können würde, war nicht sehr schlimm, da nach dem Abi ohnehin so gut wie alle mindestens der Region oder so wie ich sogar Deutschland zunächst einmal den Rücken kehrten.

Wenn man sich auf einen längeren Auslandsaufenthalt vorbereitet, spricht man viel über Kulturschock und Heimweh. Ich hatte in den USA mit keinem von beiden Probleme. Ich war ja schon vor Ausreise das Stereotyp der “Lisa”, die Serien eh nur auf Englisch schaut, Bücher auf Englisch liest, den deutschen Akzent so gut wie möglich versteckt und komplett in der neuen Kultur aufgeht. In den USA fiel mir das aufgrund meiner sehr guten Englischkenntnisse und meiner Affinität zur amerikanischen Popkultur sehr leicht und ich verbrachte ein Jahr, von dem ich bis heute sagen kann, dass es eines der besten meines Lebens war. Es lief bei weitem nicht alles perfekt. Zum Beispiel kam ich mit meiner ersten Gastmutter überhaupt nicht gut klar und wechselte knapp einen Monat nach meiner Ankunft die Gastfamilie. Doch auch dadurch ließ ich mich nicht unterkriegen. Ich lernte neue Freunde kennen, konnte viel reisen und entwickelte mich zu einer viel selbstständigeren und selbstbewussteren Person. Durch mein Englischniveau war es mir stellenweise sogar möglich, gar nicht als Ausländerin aufzufallen und mich mehr oder weniger wie eine Einheimische zu fühlen. Vielmehr war es dann der Kulturschock, zurück nach Deutschland in mein Kaff nahe der Tauber zu kommen das, was mir bei der Rückkehr nach 13 Monaten USA Probleme bereitete. Aber ich freute mich schon auf das Studium und da gab es ja auch wieder ganz viel Neues zu entdecken.

Doch das “Auslandsfieber” hatte mich definitiv gepackt. Mit European Studies hatte ich mich für einen Studiengang mit vorgeschriebenem Auslandssemester entschieden. In der O-Woche lernte ich jede Menge Quietschies kennen, die auch gerade aus ihrem Au-Pair- oder Work-and-Travel-Jahr zurück gekommen waren. Als es in den Infoveranstaltungen um das Auslandssemester ging, war ich nicht die einzige, die sich jetzt schon auf das nächste Abenteuer Auslandsaufenthalt freute. Das erste Semester hatte noch gar nicht begonnen, da konnte ich das fünfte schon gar nicht erwarten! Mit Anglistik-Schwerpunkt, und einer Liebe zur britischen Geschichte war mir klar, dass ich nach Großbritannien möchte.

Mit etwas Glück ergatterte ich für das Wintersemester 2015 einen der begehrten Erasmus-Plätze für meine Erstwahl: Bangor, Wales. Die Vorfreude begann von Neuem. Ich buchte einen Flug, bekam ein Wohnheimzimmer und meine Wohnung in Passau war sowieso auf Ende des Semesters befristet. Also alles kein Problem, oder? Aber da waren die vielen neuen Freunde in Passau. Meine European Studies Kommilitonen machten sich auch alle auf  ins Auslandssemester und würden sich erstmal in alle Welt verstreuen. Also wieder wie vor den USA: Würde ich da bleiben, könnte ich sie auch nicht sehen. Durch meine Chöre und das Theater hatte ich jedoch auch jede Menge andere tolle Menschen getroffen, die jetzt schon für das nächste Semester planten … und ich würde nicht dabei sein können. … Naja, es war ja nur ein Semester und im Sommer konnte ich dann ja wieder dabei sein. Also packte ich in Passau meine Siebensachen und lagerte mein Hab und Gut erstmal wieder bei meinen Eltern.

In Bangor lernte ich schon im Bus vom Flughafen eine Gruppe netter Erasmus-Studentinnen kennen und fand in mehreren Chören und einer Musical-Gruppe jede Menge neuer Freunde. Voller Begeisterung stürzte ich mich in das Studentenleben in Wales. Neben Proben, Konzerten, Ausflügen zu mittelalterlichen Burgen und abenteuerlichen Wanderungen auf walisischen Landstraßen war das Semester phantastisch. Da bei mir nach dem Jahr in den USA jegliche Sprachbarrieren zum Englischen abgebaut waren und mir durch allgemeines Interesse und mein Anglistik Studium die britische Kultur keineswegs fremd war, fiel es mir auch hier leicht, mich schnell zu integrieren. Doch gleichzeitig bedeutete mein guter Anschluss an das Studentenleben in Bangor, dass ich von Beginn an an manchen Projekten nicht teilhaben konnte, weil sie nach meiner Abreise stattfinden würden und ich somit gleichzeitig dazugehörte und auch wieder nicht. Immer mit einem Auge auf das Abreisedatum. Denn der nächste Ortswechsel war für Januar 2016 schon fest eingeplant: London.

In London hatte ich mich schon zwei Jahre vorher bei einem Urlaub verliebt. Viele Theater, Museen, schöne alte Gebäude: ganz mein Ding. Über eine Kommilitonin hatte ich dort ein unbezahltes, aber erasmusgefördertes Praktikum gefunden und eine Bleibe bei einer Freundin meiner Mutter. Also alles wieder kein Problem. Die Stadt kannte ich ja schon ein bisschen, und mit dem britischen Englisch hatte ich mich schon in Wales angefreundet. Mein Praktikum war super entspannt, aber in dem kleinen Büro war ich mit meiner Chefin alleine. Anschluss zu finden war hier also nicht ganz so leicht. Aber durch Besuche von Freunden aus aller Welt, einem Besuch bei meinen Freunden in Bangor und vielen anderen Unternehmungen wurde es mir wirklich nicht langweilig. Ich war immerhin in London! Durch die viele Freizeit neben meinem Praktikum hatte ich mehr als genug Zeit, die Metropole zu erkunden. Aber meistens eben alleine. Groß nach Kontakten zu suchen machte für die 3 Monate dort ja nicht wirklich Sinn … Umso mehr freute ich mich zum Sommersemester nach Passau zurück zu kommen und alle meine Freunde wieder um mich zu haben.

Mit der Rückkehr nach Passau rückte aber auch das Ende des Bachelors näher … durch die großzügige Anerkennung meiner Kurse in Wales noch viel schneller als ich erwartet hatte … und damit die Frage: Was danach? Wichtig war mir, dass der Master die Möglichkeit für ein Auslandssemester hatte, am besten vielleicht in Frankreich damit ich mein Französisch noch ein bisschen verbessern könnte. Nach viel hin und her entschied ich mich, zunächst in Passau zu bleiben. Durch die Einführung eines neuen Doppelmasters hatte ich die Möglichkeit, ein Jahr in Passau zu bleiben und dann nach Budapest zu gehen. Also nicht Frankreich, dafür aber mit Mitteleuropa eine Region mit der ich bis jetzt nur wenige Anknüpfungspunkte hatte. Das würde bestimmt spannend werden. Der nächste Auslandsaufenthalt stand also schon wieder bevor, aber davor wenigstens nochmal ein Jahr Passau.

An dieser Stelle ziehe ich jetzt erstmal einen Strich, damit dieser Artikel nicht zu lang wird. Über meine Zeit in Budapest und der Haute Savoie und was ich aus meiner Serie an Auslandsaufenthalten für mich gelernt habe, berichte ich euch nächstes Mal! Ich freue mich darauf, in den Kommentaren von euren Erfahrungen im Ausland zu lesen oder vielleicht auch, warum euch ein Auslandsaufenthalt so gar nicht reizt.

Maike Kölpin

Maike Kölpin

Maike (26) hat im Master Staatswissenschaften und Internationale Beziehungen studiert. Neben dem Studium begeistert sie sich für alles was mit Gesang, Musik, Schauspiel oder Superhelden zu tun hat und lässt andere gerne an ihrer Begeisterung teilhaben.

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