Das Tanztheater – Ein Erfahrungsbericht

Ihr habt keine Ahnung von Tanztheater? Oder habt schon einmal davon gehört, wisst aber nicht wirklich etwas damit anzufangen? So ging es lange unserem Redakteur Andi. Mittlerweile hat sich das aber geändert und letzte Woche war er sogar bei einem Workshop zu diesem Thema. Wie es dazu kam und was er davon hielt, könnt ihr hier nachlesen.

Den ersten Kontakt zum Tanztheater hatte ich letztes Semester, als die Leiterin Anna beim Theaterinfoabend ( ein Treffen, bei dem sich jede Theatergruppe der Uni Passau präsentiert) sich und ihre Form der Schauspielerei vorstellte.  Ich muss zugeben, dass ich dem Ganzen damals relativ wenig Beachtung schenkte. Es klang dann für mich doch eher wie eine Mischung aus Esoterik und Ballet. Nun hatte bei der letzten KultLaute-Theaterproduktion Faust Basti die Idee, die Walpurgisnacht mit Hilfe der Damen des Tanztheaters zu inszenieren. Und was soll ich sagen, ich war begeistert.

Besonders faszinierend war für mich die unchoreographierte Natur des Tanzes. Es gab zwar feste Einsätze, orientiert an der Musik, an denen sich die Art und der Rhythmus des Tanzes änderten, die Phasen zwischen diesen Einsätzen waren aber sehr frei und individuell gestaltet. Was sich vor allem bei einem Hexentanz ideal anbietet, da Hexen sich auf keinen Fall schön geordnet und synchron bewegen würden. Gekrönt wurde das ganze durch Bastis geniale Lichtshow.   

Viele der Zuschauenden waren so begeistert, dass sie das Ganze zu ihrer Lieblingsszene des ganzen Stücks erklärten. Deshalb wollte ich dieses Semester das Tanztheater wieder in das KultLaute-Stück einbauen. Leider bot Sherlock Holmes hierfür keine sinnvolle Gelegenheit.  Auch hat Anna für dieses Semester leider keine anderen Aufführungen geplant.  Stattdessen gibt es regelmäßig freie Tanzabende und einen Workshop.  Da ich es nie zu einem der offenen Tanzabende geschafft habe, habe ich mich relativ spontan dazu entschlossen, bei besagtem Workshop teilzunehmen. Und mein Gott, war ich im Vornherein nervös.  Zwar habe ich mittlerweile doch einiges an Theatererfahrung, Tanzen in jeder Form liegt mir aber gar nicht.  Außerdem wusste ich gar nicht, was mich erwartet. Von der normalen Tanzstunde über Theaterübungen bis hin zu esoterischen „Körperwahrnehmungsübungen“ konnte ich mir alles vorstellen.  Wenn ich Anna nicht gekannt hätte und mir nicht sicher gewesen wäre, dass sie das sehr gut machen wird. hätte ich mich vielleicht abschrecken lassen.

Aber natürlich war die ganze Panik umsonst. Der Workshop startete ganz locker mit einigen Aufwärmübungen, unter anderem auch einem Kennenlernspiel, das ich fast genauso auch verwende.  Richtig ins Tanztheater eingestiegen sind ich und meine sechs Mittanzenden dann bei der von Anna als „freier Spiegel“ genannten Übung.  Während bei den Übungen davor (Gefühle spielen, Körperhaltung etc.) noch alles in relativ vielen Bereichen zum Einsatz kommen könnte, stellt diese Übung das dar, was für mich das Tanztheater so besonders macht. Hierbei erhalten zwei Personen jeweils eine Rolle zugeteilt und müssen diese Rollen dann ausspielen. Dazu läuft Musik und es darf nur Körpersprache benutzt werden, keine echten Wörter. Spiegelübung wird es genannt, weil man versuchen soll, den Bewegungen des anderen zu folgen, wobei aber die entsprechenden Rollen befolgt werden. Lässt man sich auf die ganze Sache ein, entsteht hierbei tatsächlich auf einmal ein freier Tanz zwischen den beiden Personen, obwohl nichts choreographiert wurde. So hatte ich zum Beispiel einmal die Aufgabe, mich von der anderen Person unterdrücken zu lassen, was dann am Schluss dazu führte, dass ich am Boden lag und die andere Person groß als eine Art  Puppenspieler über mir stand und mich aufstehen oder hinfallen ließ.  In genau diesem Moment habe ich begriffen, was Tanztheater wirklich ausmacht. Es geht eben nicht darum, dass jede Bewegung vorher durchgesprochen wird oder genau auf den Takt getimed ist. Vielmehr ist es eine Möglichkeit, mit seinem ganzen Körper Theater zu spielen, ohne Texte auswendig lernen zu müssen.  Dass das Ganze nicht vollkommen frei improvisiert werden muss, wurde mir dann später klar, als die Gruppe ein gemeinsames Stück einstudierte . Hier wurden nur gewisse Einsätze, also zum Beispiel das Auftreten eines neuen Instrumentes in der musikalischen Begleitung, wirklich fest geplant. Zwischen diesen „Fixpunkten“ gab es eigentlich nur ein Gefühl und eine Körperhaltung als Regieanweisung.  Zum Beispiel sollten wir während einer Geigenpassage gekrümmt und schmerzvoll „tanzen“. Wie genau wir das dann umsetzten, war uns völlig selbst überlassen.  Faszinierend dabei finde ich, dass ich meine Regieanweisungen beim „klassischen“ Theater sehr ähnlich gebe. Auch hier plane ich  nicht jede einzelne Bewegung genau, sondern versuche den Schauspielenden das Gefühl ihrer Figur in der entsprechenden Situation mitzugeben.

Es ist unfassbar schwer, das Grundkonzept des Tanztheaters in Worte zu fassen. Aber ich kann allen von euch raten, geht dahin! Man lernt sehr viel über die eigene Körpersprache, Theater und auch ein bisschen etwas über sich selbst.

Das Tanztheater probt jeden Sonntag von 18.00 bis 21.00 im Kultursalon. Mehr Informationen findet ihr auch auf der Website des Tanztheaters.

 

 

 

 

Andreas

Andreas

Andi einen Text über sich selbst schreiben zu lassen, ist vermutlich nicht die beste Idee. Er würde nämlich nur erwähnen, wie toll, gutaussehend, schlau, höflich, verlässlich, kinderlieb und bescheiden er ist. Ist Andi nicht mit dem Schreiben von Texten, die nur er wirklich witzig findet, beschäftigt, geht er vermutlich einem seiner diversen Nerdhobbys nach: Entweder schiebt er kleine, selbstbemalte Zinnfiguren hin und her, beschäftigt sich mit vollkommen überteuerten Papprechtecken, auch bekannt als Magic, oder spielt absurd lange Brettspiele.

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