Der Wohnungswahnsinn in Passau

Das neue Semester ist wenige Wochen jung, Sonnenanbeter und Grillwürste brutzeln auf der Innwiese, Uni und Freizeitaktivitäten sind in vollem Gange. Nach einem ereignisreichen Tag kommt ihr nach Hause, sperrt eure Wohnungstüre auf und es erwartet euch – Stille? Lustige Mitbewohner? Eine partywütige Meute? Komplettes Chaos? Einsamkeit?

Wie beeinflussen die eigenen vier Wände unsere Stimmung und was ist, wenn das neue Leben im Eigenheim zur Zerreißprobe wird? Ein Blick auf den Wohnungswahnsinn von Umzugsprofi Sophie.

 

Das Verlockende am Studieren in einer anderen Stadt ist sicherlich auch, dem elterlichen Regime zu entkommen und endlich die eigenen vier Wände zu beziehen! Mit einer der Gründe (außer natürlich der Studienwahl, selbstverständlich), warum ich vor viereinhalb Jahren nach Passau gekommen bin und mich gegen das Pendeln an die Münchner Uni entschieden habe, war der Wunsch, mein eigenes Leben unabhängig von meinen Eltern führen zu können. Seitdem habe ich in sieben verschiedenen Wohnungen gewohnt, wunderbare und schreckliche Erfahrungen gesammelt und bin jetzt quasi ein Umzugsprofi.

 

Entwarnung: Ein Überblick über das (studentische) Wohnen in Passau

„Findet man in Passau gut eine Wohnung?“ werde ich oft gefragt, wenn ich Campusführungen für Schüler gebe. Aus meiner Erfahrung kann ich die Frage guten Gewissens mit Ja beantworten. Der Wohnungsmarkt in Passau ist definitiv nicht so rigide wie in München. Sei es, was den Preis, als auch die Fluktuation angeht. Man kann für jedes Budget eine passende Bleibe finden. Im Gegensatz zu München ist es auch durchaus möglich, sehr zentral zu wohnen, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen. So kann man für ein mittleres bis höheres Budget wunderschön in der Altstadt oder der Innstadt wohnen, ebenso aber auch mit einem niedrigeren, wenn man sich mit weniger Platz oder einer geringeren Ausstattung zufrieden geben kann. Etwas außerhalb des Zentrums zu wohnen empfiehlt sich, wer trotz kleinem Geldbeutel nicht auf eine geräumige Wohnung verzichten möchte. Passau und das Umland bieten auch einige Möglichkeiten für Naturliebhaber und jene, die es eher ruhig und grün haben möchten. Grundsätzlich ist alles möglich! Da es viele Absolventen nach Abschluss des Studiums in andere Städte zieht, werden immer wieder Wohnungen frei. Es gibt also wirklich eine hohe Fluktuation auf dem Wohnungsmarkt und ein Wechsel ist immer möglich, die wenigsten krallen sich in ihren Wohnungen bis zur Rente fest.

 

WG oder 1-Zimmer-Appartement?

Es klingt banal, aber das ist die wichtigste Entscheidung, die man vor der Suche treffen sollte. Nur zu leicht lässt sich auf dem sicherlich populärsten Wohnungssuchportal wg-gesucht.de zwischen den Suchoptionen „WG-Zimmer“ und „1-Zimmer-Appartement“ wechseln und die Verlockung, sich von guten Preisen, schön geschnittenen Zimmern oder einem pfiffigen Anzeigentext leiten zu lassen ist groß. Allerdings empfiehlt es sich, kurz innezuhalten und in sich hineinzuhorchen, welche Option im Moment die richtige ist. Möchte ich am Ende des Tages daheim zur Ruhe kommen können? Putzen, Freunde einladen oder einfach nur chillen wann immer ich will? Oder brauche ich mehr Leben in der Bude, aufgeschlossene Mitbewohner, die für jeden Plausch, Kochabende, Feierabendbiere oder WG-Parties zu haben sind?

Über die Jahre kann sich der Anspruch an die Wohnung durchaus verändern. Das erste Jahr meines Studiums habe ich in einer fantastischen 1-Zimmer-Wohnung (Neubau, Terrasse, direkt an der Uni) gewohnt. Es war eine tolle Zeit, aber irgendwann habe ich mich sehr einsam gefühlt. Kurz entschlossen habe ich den Semesterwechsel genutzt und bin in eine WG gezogen – mit zwei älteren Jungs, die ich nicht kannte, in ein ziemlich kleines Zimmer im 3. Stock. „Wie kannst du nur aus deiner wunderschönen Wohnung in eine kleine WG mit völlig Unbekannten ziehen?“, habe ich dann doch vor dem Umzug gezweifelt und meine Entscheidungskompetenz verflucht. Doch letztendlich war die Zeit in der WG eine der besten meines Studiums, meine Mitbewohner sind zu besten Freunden geworden, und ich habe so viel gelacht (und so viele Feierabendbiere getrunken) wie schon lange nicht mehr. Keine Sekunde habe ich mich mehr nach der schönen alten Wohnung gesehnt.

Ab da war klar: für mich kommt nur noch WG in Frage! Ich bin einfach eine soziale und kommunikative Person, ich brauche Gesellschaft um mich herum. Also auch im Auslandssemester und während des Praktikums in eine WG. Und danach in Passau wieder. Und dann – irgendwann kippt die Stimmung. Eine WG ist immer ein Kompromiss. Man sollte keine Scheu vor dem WG-Casting haben, sondern sich gut überlegen, ob man mit diesen Menschen zusammenleben möchte. In einem gewissen Rahmen – manchmal mehr, manchmal weniger – gleicht man sich an seine Mitbewohner an. Also auch hier wieder kurz innehalten und überlegen, will ich mich an diese Personen angleichen, wie will ich sein und wie will ich leben? Passen die Lebensrhythmen zusammen?

 

Ärger und Stress vermeiden

Wie sehr eine Wohnsituation, die nicht mehr passt, auf das Gemüt schlagen kann, habe ich schmerzlichst letztes Semester erfahren: Wenn man mit der Mitbewohnerin überhaupt nicht klar kommt, hilft es auch nichts, dass die Wohnung an sich perfekt ist. Nicht gerne nach Hause kommen zu wollen und im eigenen Heim keinen Ort mehr zu finden, an dem man sich wohlfühlt und gerne aufhält, stellt eine extreme Zerreißprobe dar und wirkt sich stark auf das psychische Wohlbefinden aus. Es kostet aber auch Überwindung, den Schritt zu ergreifen und wirklich umzuziehen. Ich wohne jetzt wieder in einer 1-Zimmer-Wohnung, obwohl ich mir vor vier Jahren absolut sicher war, dass ich der Prototyp eines WG-Bewohners bin. Aber das war die richtige Entscheidung. Aus meiner Erfahrung sollte man sich nicht von den Hürden des Umzugs abschrecken lassen und die unangenehme Situation nicht einfach aussitzen. 

 

Und so schlussendlich meine

5 Tipps zum stressfreien Wohnen

1)  Keine Scheu vor dem Umzug – ja, Umzug klingt nach Arbeit. Aber letztendlich kann das mit guter Planung bewerkstelligt werden. Fragt Freunde und Verwandte um Hilfe. Je mehr helfende Hände, desto besser. Die meisten helfen gerne mit und das neue Heim gemeinsam mit Freunden einzurichten ist schon mal ein guter Startpunkt für einen neuen Wohnabschnitt.

2) Möbel Möbel sein lassen – Ein Grund, der mir das mehrmalige Umziehen erleichtert hat, war die Übernahme der dortigen Möbel. Entweder war die Wohnung schon (teil-)möbliert, oder ich habe die Möbel gegen eine Ablöse übernommen. Natürlich gibt es einige Dinge, wie die Matratze, die man sich gerne selbst aussuchen möchte, aber bei einem Schreibtisch oder einem Schrank bin ich ziemlich emotionslos, er soll einfach seine Dienste erfüllen.

3) Zwischenmiete entspannt – Es ist vollkommen in Ordnung, ein oder mehrere Semester ein Zimmer zur Zwischenmiete zu beziehen. Gerade Passauer Studenten verlassen oftmals für ein Praktikum oder einen Auslandsaufenthalt ihr niederbayerisches Domizil und sind froh, nette Zwischenmieter für diese Zeit zu finden. Das Schöne dran ist, dass man sich um nichts mehr kümmern muss: Kein Möbelschleppen, keinen Internetanschluss einrichten, manchmal kann man sogar noch das Fahrrad (oder Fernseher oder Drucker) des Vermieters mitbenutzen. So ist der Umzug schnell erledigt.

4) Lieber doppelt zahlen, als zu lange leiden – Sofern es das Budget irgendwie hergibt, sollte der Umstand, einen Monat doppelt Miete zahlen zu müssen, nicht das Knock-Out Kriterium sein. Meist möchte man ja eine langfristige, schöne neue Wohnsituation finden, in der man sich jeden Tag gerne aufhält. Und lieber einen Monat den Gürtel etwas enger schnallen, als sich für eine mittelmäßige Option zu entscheiden, bei der man sich nicht vollständig wohlfühlen würde.

5) Nicht das Erstbeste nehmen – Damit einhergehend auch der Tipp, nicht aus Torschlusspanik beim erstbesten Angebot zuzuschlagen, das doch eigentlich nur mittelmäßig ist. Lieber noch etwas mehr Zeit in die Suche investieren und Ruhe bewahren – es gibt immer eine Möglichkeit, man kann immer etwas finden.

Habt also keine Angst vor der Veränderung, sondern nutzt es als Chance. Wenn man leistungsfähig und glücklich sein will, muss auch die Wohnsituation zur jeweiligen Lebenssituation passen.

Sophie Gärtner

Sophie Gärtner

Sophie studiert mittlerweile im Master Kulturwirtschaft, weil sie es gar nicht einsieht, warum sich plötzlich etwas ändern sollte, nur weil sie so ein Bachelor-Zeugnis bekommen hat. Neben Passau liebt sie alles, was mit Italien zu tun hat und trägt ihre Begeisterung für das Land auch an die Sprachschüler der VHS weiter. Mit fast noch größerer Leidenschaft steht sie beim Theater auf der Bühne und erheitert ihre Mitmenschen mit viel positiver Energie.

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