Die Rocky Horror Show – ein alter Kult neu entdeckt

Gleich zu Beginn muss ich ein Geständnis ablegen: bis vor wenigen Tagen war ich noch eine Rocky-Horror-Show-Jungfrau. Durch die große Beliebtheit der Rocky Horror Show und ihren Einfluss auf die Popkultur hatte ich eine vage Vorstellung und kannte auch einige der Lieder: „Science Fiction/Double Feature“ haben wir z.B. im Chor gesungen und ich habe keine Ahnung, wann ich den „Time Warp“ zum ersten Mal gehört habe, aber daran kommt man quasi nicht vorbei. Außerdem kannte ich natürlich die passende Glee-Folge. Aber obwohl mir das alles gefallen hat und eine Freundin mir auch mehrmals gesagt hat, ich soll mir unbedingt den Film ansehen, habe ich es irgendwie immer verschoben. Nachdem ich letztes Jahr auch nie rechtzeitig Karten für die Aufführung im Stadttheater bekommen habe, dachte ich schon, mein Vorhaben stände unter einem schlechten Stern. Aber im Herbst wurde angekündigt, dass es eine allerletzte Aufführung geben würde und ich bin sofort hin und habe mir Karten gekauft – und die Wartezeit hat sich absolut gelohnt!

Das Musical hat mich dann absolut begeistert! Es ist schräg, witzig, anzüglich, hat tolle Musik und vermittelt wie wichtig es ist, sich selbst zu entdecken und zu sich selbst zu stehen. Na gut, es gibt zwar auch ein paar Verhaltensweisen, die nicht unbedingt vorbildlich sind – und ich rede hier nicht von Männern, die Korsetts tragen, sondern eher von der Ermordung eines nicht mehr aktuellen Lovers; aber schließlich bekommt Dr. Frank N. Furter dafür am Ende auch die Rechnung.

Janet und Brad geraten in ein Unwetter (Foto: Peter Litvai)

Für alle, die es wie ich viel zu lange nicht geschafft haben, sich die Rocky Horror Show oder den Film zu Gemüte zu führen, ist hier ein kurzer Einblick in den Inhalt: Das frisch verlobte Paar Janet (Ella Schulz) und Brad (Stefan Sieh) hat auf einem Ausflug eine Autopanne. Um dem Regen zu entkommen und per Telefon Hilfe zu holen, suchen sie Zuflucht in einem Schloss. Dort treffen sie auf eine verrückte Ansammlung von – wie sich herausstellt – Außerirdischen vom Planeten „Transsexual“, allen voran der exzentrische Hausherr Dr. Frank N. Furter (Andreas Schneider) und seine Getreuen Riff-Raff (Jochen Decker) und Magenta (Katharina E. Kram). Dr. Frank N. Furter präsentiert seine neueste Schöpfung: Rocky (David Moorbach), den er ganz nach seinen Wünschen erschaffen hat, nachdem sein letzter Liebhaber nicht attraktiv genug war. Nachts verführt Dr. Furter außerdem sowohl Janet als auch Brad, die beide zuerst schockiert sind, aber dann ihrer Lust nachgeben. Janet findet sogar so viel Gefallen am Sex, dass sie auch noch mit Rocky schläft, worüber weder Brad noch der Hausherr erfreut sind. Als schließlich mit Dr. Everett Scott (Reinhard Peer) noch ein weiterer Gast auftaucht, werden die Ereignisse noch verrückter…

Dr. Frank N. Furter (Foto: Peter Litvai)

Zu Recht waren die Karten für die Rocky Horror Show immer schnell ausverkauft: die Inszenierung ist wirklich gelungen. Die schauspielerische Leistung und auch der Gesang waren hervorragend. Ganz besonders stach Andreas Schneider als Dr. Frank N. Furter heraus, und auch Jochen Decker als Riff-Raff möchte ich hervorheben, aber auch der restliche Cast war ausgezeichnet. Das einzige, was mich etwas irritiert hat, war die Darstellung von Rocky, der eigentlich ein etwas naiver, aber attraktiver Muskelprotz ist, hier allerdings eher kindlich-verwirrt als wie ein Adonis wirkte. Vielleicht ist dahinter aber auch eine Botschaft verborgen, die mir entgangen ist. Positiv aufgefallen sind mir jedoch wiederum das Bühnenbild – besonders die Wechsel zwischen den Szenen – und die Kostüme, von denen ihr einen Eindruck auf den Fotos gewinnen könnt.

Foto: Peter Litvai

Es klingt vielleicht etwas übertrieben, aber ich habe wirklich das Gefühl, dass ich vorher etwas verpasst habe. Viele Anspielungen aus der Popkultur sind mir erst jetzt klargeworden und ich habe mir auch gleich noch den Film angesehen und den Soundtrack die letzten Tage rauf- und runtergehört (und mitgesungen, mein Freund hat sich schon beschwert). Ich bin zwar noch ganz neu im Rocky-Horror-Show-Kult, trotzdem habe ich das Gefühl, dass das Musical für viele Menschen wirklich eine Bedeutung hat und eher eine Lebenseinstellung ausdrückt als nur zur Unterhaltung zu dienen. Obwohl es in anderen Theatern anscheinend oft ausgeprägter ist, waren auch bei der Aufführung in Passau die Zuschauer aktiv involviert: ich habe ein paar Leute mit „Rocky Horror Action Bags“ gesehen, in denen wohl die Requisiten waren, die während der Vorstellung an verschiedenen Stellen Gebrauch fanden, etwa wurde eine Klopapierrolle durch das Publikum geworfen, als Rocky von seinen Bandagen befreit wurde. Und als die Schauspieler als Zugabe noch einmal den „Time Warp“ sangen, haben viele mitgetanzt und mitgesungen. Das war dabei völlig unabhängig vom Alter, sowohl Jung als auch Alt waren begeistert. Wer jetzt auch Lust auf die Rocky Horror Show hat, kann sie sich in Landshut ansehen, wo sie im Juni und Juli noch einige Maale aufgeführt wird, oder sich hier zumindest einen kleinen Ausschnitt gönnen:

Sandra

Sandra

Sandra hat ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Mittlerweile ist daraus noch mehr geworden und egal, was sonst so ansteht, für KultLaute opfert sie besonders gerne ihre Freizeit.

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.