Doctor Who Killed Series 11?

Series 11 von Doctor Who, der am längsten laufenden Sci-Fi-Serie der Welt, ist mittlerweile schon seit Anfang Dezember komplett erschienen. Und obwohl ich alle anderen Staffeln zuvor immer mit Release geschaut habe, und das sogar, obwohl man eine ganze Woche auf die nächste Folge warten musste, habe ich erst gestern die letzte Folge der neuesten und auch noch kürzesten Staffel gesehen. Warum der Hype und die Begeisterung für Doctor Who bei mir abgeflaut ist, möchte ich hier erklären.

Als erstes würde man wohl vermuten, dass es an den ganzen Änderungen liegt, die der Mini-Relaunch der Serie mitgebracht hat. Einen neuen Doctor ist man als Langzeitfan schon gewöhnt, aber zu Series 11 wurden auch das Logo, der Vorspann, die Musik und die Produzenten getauscht. Natürlich finde ich hier nicht alle Änderungen gut (wie schafft man es, die Musik so zu verhunzen?), unterm Strich stören mich diese Aspekte aber nicht. Showrunner Moffat war schon lange in der Kritik und frischer Wind würde Doctor Who sicher gut tun. Alles sieht jetzt neuer, polierter aus, allerdings hat sich  am Konzept, am Kern der Serie nicht viel geändert. Es muss also am Inhalt liegen.

Neuer Look, altes Konzept Quelle: https://www.amazon.de/gp/video/detail/B07J3GC8M

Doctor Who besitzt drei Grundpfeiler, auf denen die ganze Serie aufgebaut ist: Der Doctor, sein Companion und das Alien. Wie eingangs erwähnt haben wir in der neuen Series auch einen neuen Doctor. Halt also Jodie Witthaker die Serie ruiniert?

Gleich vorneweg: nein, hat sie nicht. Ob sie nun besser oder schlechter als ihr Vorgänger Peter Capaldi ist, möchte ich hier nicht diskutieren (Ich persönlich mag sie lieber). Auf alle Fälle ist Witthakers Schauspiel durchwegs gut. Leider konnte sie nicht wirklich glänzen, dies liegt aber an der Show und nicht an ihr. Ihr neuer Doktor hat noch nicht wirklich eindeutige Charakterzüge, dennoch ist sie auf den ersten Blick sympathisch und unterhaltsam, was definitiv eine schöne Änderung ist. Auch die Tatsache, dass sie als erste Frau den Doctor verkörpert, wird von ihr und BBC genial thematisiert: nämlich gar nicht. Der Doctor ist jetzt halt ’ne Frau, nun weiter zu wichtigeren Problemen.  Der einzige Aspekt, der mich am neuen Doctor stört, ist ihre Art, Konflikte zu lösen. Bereits in der ersten Folge wird etabliert, dass sie ein Faible für technische Hilfsgeräte und Geschraube hat. Dies bringt aber einige Probleme mit sich: Zum einen war es für mich immer eines der Highlights, dass der Doctor sich allen Gefahren stellt, ohne wirklichen Plan, ohne Ausrüstung, aber immer mit einer unglaublichen Sicherheit, dass alles gut enden wird. Hierbei konnte auch jeder Doktor seine eigene Persönlichkeit einbringen. Wo Matt Smiths Doctor Probleme mit kindlichem Optimismus anging, setzte Capaldis mehr auf Einschüchterung und so weiter. Witthakers Doctor scheut hier aber diese direkte Konfrontation und versteckt sich lieber hinter Energiefeldern, Schutzschilden oder anderer Technik. Zudem ist dies die erste Staffel, in der Waffen wirklich intensiv eingesetzt werden. Durch ihr Gebastel hat Witthaker oft irgendwelche Gerätschaften, die ihre Feinde auf sicherlich nicht angenehme Weise außer Gefecht setzten. So gibt es in diesen Folgen abschnittsweise sogar Actionsequenzen, die nicht daraus bestehen, dass der Doctor mal wieder vor einem Alien davonrennt, sondern der Doctor das Alien mit einer Waffe verfolgt. What? Sie ist aber nicht die einzige, die ungewohnt viele Waffen benutzt.

 

Neuer Doctor – neuer Schallschraubenzieher! Diesmal sogar selbstgemacht. Quelle:https://ichef.bbci.co.uk/news/624/cpsprodpb/153F1/production/_104152078_drwhosnip6.png

Auftritt des Begleiters. Oder in diesem Fall sogar der Begleiter. Diesmal sind es sogar drei.  Aber nicht nur, dass vor allem die beiden jüngeren ständig mit Granaten um sich werfen und anscheinend alle eine allumfassende Ausbildung für den Einsatz von Alienwaffen haben, stört mich hier. Das Problem sollte relativ offensichtlich werden, denkt man darüber nach, das zum einen die Anzahl der Episoden um 2 reduziert wurde, die Anzahl der Begleiter aber verdreifacht wurde. So wirklich Charakter hat keiner dieser 3. Wie Yasmin, du hast Probleme mit deiner Arbeit und deinen Mitmenschen? Too bad, das alles wird nie wieder erwähnt werden. Ryan sollte dringend soziale Kompetenzen lernen und ist total unsicher? Kein Problem, da wir keine Zeit für Charakterentwicklung haben, kannst du das dann einfach. Graham, deine Frau stirbt? Wäre es da nicht ein cooler Arc, immer wieder mit dem TIMELORD (Timelady?) zu debattieren, ob man diese Tragödie nicht verhindern könnte? Nein? Ok, gut, wir hätten eh keine Zeit dafür. Es ist echt schade, dass hier alle drei Personen zu einer gefühlslosen Masse verschwimmen, die quasi nichts anderes mehr macht als die Geschichte von Plotpunkt zu Plotpunkt zu schleppen. Dabei werden vor allem Graham und Yasmin von wirklich guten Schauspielern verkörpert, deren Potential zwar immer wieder kurz durchschimmert, aber nie genug Zeit für eine volle Entfaltung hat.  

Zu viele Companions verderben die Show?
Quelle:https://hips.hearstapps.com/digitalspyuk.cdnds.net/18/29/1531969128-16179291-low-res-doctor-who-series-11.JPG?resize=768:*

Kommen wir zum Letzten, dem was Doctor Who wirklich ausmacht. Das Alien und somit auch der Plot. Und hier liegt das Problem. Die Engel, die Silences, die Daleks, Cybermen. An all diese Aliens erinnert man sich. In Staffel 11 haben wir nun…äh…es gab mal so fliegende Stofftücher…und die sind mir auch nur in Erinnerung geblieben, weil hier zum ersten Mal (in der Mitte der Staffel!) sowas wie ein Plot, der sich mal über mehrere Folgen ziehen könnte, angedeutet wird. War dann aber nix.  Diese Enttäuschung, die ich empfinde, begründet sich aber nicht durch einen Mangel an kreativen Ideen. Fast allen Aliens liegen wirklich kreative Ansätze zugrunde (bis auf diesen Weltraumallesfresser, Kandidat für worst alien ever, und die großen mutierten Spinnen – das waren nicht mal Aliens). Diese scheitern dann aber kläglich an der Umsetzung. Und das ist wirklich schade.

Fancy Look, aber nichts dahinter. Quelle: https://ewedit.files.wordpress.com/2018/11/doctor-who-s11_ep6_11.jpg

Diese Season hätte soviel Potential. Ein komplett neuer Cast mit einem genialen neuen Doctor, wirklich viele tolle Ideen, die technischen Möglichkeiten von 2018… und dennoch schaffte man es nicht einmal, einen Plot für die Staffel zu schreiben. Was an sich auch gar nicht so schlimm sein muss, wenn die einzelnen Folgen in sich eine schöne, spannende Geschichte erzählen. Aber auch das tun sie nicht. Nach manchen Folgen hat man quasi sofort wieder vergessen, worum es ging. Versteht mich nicht falsch, wirklich schlecht ist die Serie definitv nicht. Doctor Who bietet immer noch gute Unterhaltung und man könnte definitv schlimmeres schauen, aber für mich fehlt einfach die Magie, die die Serie früher hatte, weil die erzählten Geschichten einfach nur noch langweilig und flach sind..Die Writer und die Producer haben Doctor Who getötet. Gottseidank wissen wir, dass es immer Hoffnung auf eine Regeneration gibt.

 

 

Andreas

Andreas

Andi einen Text über sich selbst schreiben zu lassen, ist vermutlich nicht die beste Idee. Er würde nämlich nur erwähnen, wie toll, gutaussehend, schlau, höflich, verlässlich, kinderlieb und bescheiden er ist. Ist Andi nicht mit dem Schreiben von Texten, die nur er wirklich witzig findet, beschäftigt, geht er vermutlich einem seiner diversen Nerdhobbys nach: Entweder schiebt er kleine, selbstbemalte Zinnfiguren hin und her, beschäftigt sich mit vollkommen überteuerten Papprechtecken, auch bekannt als Magic, oder spielt absurd lange Brettspiele.

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