„Downton Abbey“: Die Serie und der Film

Obwohl die britische Serie Downton Abbey in Deutschland eher eine Liebhaber-Serie ist, hat sie doch einige Anhänger. Nach dem von vielen als vorzeitig empfundenen Ende der Serie gibt es nun endlich ein Wiedersehen in Form eines Kinofilms. Im Folgenden stellt euch Sandra kurz die Serie vor. Falls ihr sie schon kennt und euch nur für Sandras Meinung zum Film interessiert, springt einfach nach unten.

Bild: ITV

Meine amerikanische Gastmutter war ein großer Fan von Downton Abbey. Zuerst fand ich das noch ein bisschen komisch, aber dann habe ich mir ein paar Folgen angeschaut und schon war ich total begeistert. Für alle kompletten Neulinge: Die Serie spielt zwischen 1912 und 1926 auf dem Anwesen Downton Abbey, dem Familiensitz von Lord und Lady Grantham und ihren Töchtern. Die Handlung dreht sich um die Leben der adligen Familie und ihrer Dienerschaft, um das Schicksal des Anwesens und um den Weg in die Moderne. Das mag jetzt alles noch etwas dröge klingen, aber die Serie ist alles andere als das, wenn man sich darauf einlässt. Es gibt nicht nur jede Menge Intrigen und Drama bis hin zu wirklichen Verbrechen, die Serie ist auch sehr geistreich geschrieben. Sicherlich ist die Qualität der Serie dem Produzenten und Autor Julian Fellowes geschuldet, der auch einige Bestseller geschrieben hat. Die Charaktere wachsen einem sehr schnell ans Herz – obwohl es sehr viele gibt. Man fiebert und leidet mit ihnen mit und findet schnell seine Lieblinge. Ein Highlight ist auf jeden Fall Dame Maggie Smith als die alte, aber scharfzüngige Gräfin Violet, aber auch der Butler Mr. Carson (Jim Carter) mit seinem missbilligenden Blick und seiner konservativen Einstellung, die immer wieder von väterlichem Verhalten vor allem gegenüber der ältesten Tochter Mary aufgeweicht wird, ist ein Publikumsliebling. Aber es gibt noch viele andere sympathische Charaktere (auch mit mehr Tiefe als diese beiden), die ich hier gar nicht alle aufzählen kann. Und auch diejenigen, die auf den ersten Blick hassenswert erscheinen, haben ihre redeeming moments. Egal ob Lady oder Küchenmädchen, die Wünsche und Sehnsüchte wie auch Entscheidungen aller Charaktere werden mit der gleichen Ernsthaftigkeit behandelt. Immer, wenn ich wieder mal eine Serie geschaut habe, bei der irgendwie alle Charaktere unsympathisch sind, ist Downton Abbey eine willkommene Abwechslung. All dies ist natürlich nur möglich dank des Casts, der meiner Ansicht nach ohne Ausnahme großartig spielt. Spannend finde ich auch, wie historische Ereignisse (etwa der Untergang der Titanic, die Einführung des Frauenwahlrechts oder der erste Weltkrieg) miteinbezogen werden, manchmal auf mehr, manchmal auf weniger subtile Weise. Veränderung ist ein großes Thema in der Serie und wird auch an kleinen Dingen deutlich. Ich finde es zum Beispiel sehr spannend, wie der Butler auf die Einführung des Telefons reagiert oder wie skeptisch die Köchin gegenüber neuen Küchengeräten ist. Nicht zuletzt trägt auch die großartige Musik zum Charme der Serie bei. Wer schon andere Artikel von mir gelesen hat, weiß, dass ich darauf viel gebe, aber überzeugt euch doch einfach selbst:

 

 

Natürlich spielt beim Erfolg der Serie sehr viel Idealisierung und Nostalgie mit, wobei der Nostalgiefaktor bei britischen Zuschauern sicher höher ist als bei deutschen. Trotz allen Dramas und aller Verwirrungen ist die Serie insgesamt einfach schön. Ich habe sie auch mit meinen Eltern geschaut, denen sie ebenfalls gefallen hat (und es ist gar nicht so einfach, etwas zu finden, was uns alle zufrieden stimmt). Fast jedes Drama endet mit einem Happy End und man geht eigentlich nach jeder Folge mit einem warmen Gefühl im Bauch heraus. Auch visuell wird man mit hübschen Kostümen, exzessiven Dinnertischen und beeindruckenden Aufnahmen der englischen Landschaft glücklich gestimmt. Vermutlich trifft die Serie auch die Sehnsucht nach einfacheren Zeiten, die derzeit wieder besonders aufflammt. Die Beziehungen zwischen Adel und Dienerschaft werden insgesamt etwa äußerst positiv dargestellt, auch wenn einige Probleme thematisiert werden. Dennoch finde ich, man darf die Serie ruhig genießen. Sie bekommt nicht nur vom Publikum, sondern auch von den Kritikern Anerkennung und wurde bereits mit mehreren Preisen (u.a. mehrere Emmys und ein Golden Globe) ausgezeichnet. Trotz des Nostalgie- und „Feel-Good“-Faktors wagt sie sich an einige schwierige Themen – ungleiche Machtverhältnisse, Vergewaltigung, Homosexualität oder Beziehungen zwischen verschiedenen Klassen, um nur ein paar zu nennen.

Bild: Universal

All die positiven Aspekte, die ich für die Serie aufgezählt habe, gelten eigentlich auch für den Film. An sich war ich mit dem Ende der Serie zufrieden und fand auch nicht, dass sie unbedingt fortgesetzt werden müsste. Generell finde ich es besser, eine Serie wird beendet, solange sie gut ist, als dass sie zu lange weitergeführt wird. Trotzdem habe ich mich dann gefreut, als der Film angekündigt wurde. Und als ich dann im Kino saß und die altbekannte Melodie anfing, ist sofort ein warmes Gefühl in mir aufgestiegen, das den ganzen Film angehalten hat. Meiner Ansicht nach fängt der Film sehr gut die Essenz der Serie ein: Die Notwendigkeit für Veränderung gegenüber der Sehnsucht nach der Vergangenheit, jede Menge Drama, echte historische Ereignisse (in diesem Fall die Reise des Königspaars), die altbekannten Charaktere, eine gewisse Ästhetik und einfach dieses gewisse Etwas. Auch ein bisschen Humor darf nicht fehlen und Dame Maggie Smith delivered ihre sarkastischen Bemerkungen natürlich wie immer genial. Obwohl ich sehr zuversichtlich in den Film gegangen bin, hatte ich auch ein bisschen Angst, dass es doch total schiefgehen könnte, zum Beispiel mit einem „20 Jahre später“-Epilog, aber Gottseidank war Fellowes auch hier für das Drehbuch verantwortlich und hat der Serie einen absolut würdigen Abschluss verpasst. Für mich war der Film ein wunderschönes Wiedersehen mit einem alten Freund, gleichzeitig aber auch ein gelungener Abschied. Alle Figuren standen noch einmal im Scheinwerferlicht und haben einen würdigen Abschluss bekommen. Thomas‘ Sidestory fand ich zum Beispiel sehr schön, auch Tom hat endlich ein verdientes Happy End bekommen und Gräfin Violets Szene hat mich wirklich berührt. Der Film ist nicht großartig, weil er innovativ oder überraschend ist, sondern, weil er genau das tut, was die Zuschauer sich wünschen, und das in allerbester Qualität. Nicht ohne Grund hat er seine Einspielerwartungen übertroffen und bei Rotten Tomatoes einen Audience Score von 95 % erreicht. Nicht nur von mir bekommt ihr also eine klare Empfehlung, euch den Film anzuschauen – entweder jetzt im Kino oder vielleicht zu Weihnachten daheim mit eurer Familie. Ich persönlich drücke dem Film ja für die Oscars die Daumen – ein Preis für Kostüm oder Musik (oder Maggie Smith) wäre auf jeden Fall verdient. Ich hoffe, dass der Erfolg die Macher nicht in Versuchung führt, noch mehr Filme zu drehen, denn irgendwann muss es gut sein und meiner Ansicht nach war das der perfekte Abschied von Downton Abbey. Um aus dem neuen Film zu zitieren:

„Save your tears for something sad, because there’s nothing sad here.“

 

Wie fandet ihr den Film? Ist jemand von euch erst durch den Film auf die Serie gestoßen?

Sandra

Sandra

Sandra hat ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Mittlerweile ist daraus noch mehr geworden und egal, was sonst so ansteht, für KultLaute opfert sie besonders gerne ihre Freizeit.

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