Dracarys! – R.I.P. Game of Thrones

Fans auf der ganzen Welt sagen nach 8 Jahren Lebewohl zu einer der erfolgreichsten Serien aller Zeiten. Ihre Beliebtheit ist trotz der durchwachsenen achten Staffel und der harschen Kritik der Zuschauer ungebrochen. Mein persönlicher Abschiedsbrief (vielleicht auch ein bisschen Liebesbrief) an Game of Thrones.

WARNUNG! SPOILER!
Wer die letzte Staffel noch nicht gesehen (in Deutschland auf Sky Ticket) hat und sich den Spaß nicht verderben möchte, hebt sich diesen Artikel besser für später auf.

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DAAAA-da DADADAAAA-da Dadadaaaa… das unfassbar gute und ikonische Intro klingt mir noch in den Ohren, während ich darüber nachdenke, was Game of Thrones für mich bedeutet. GoT ist nicht nur mit Abstand meine Lieblingsserie, die Bücher über das Lied von Eis und Feuer gehören ebenfalls zu meinen liebsten. Keine andere Fantasy-Welt hat mich je so in ihren Bann gezogen, fasziniert, begeistert und inspiriert. Zum Abschluss dieser großartigen Saga, widme ich ihr einen kleinen Rückblick, natürlich insbesondere auf die letzte Staffel, aber auch auf das Gesamtwerk inklusive der Bücher.

Maßgeblich für die Geschichte sind die Vielzahl an komplexen Charakteren in Verbindung mit verwobenen Handlungssträngen, die völlig unvorhergesehene Wendungen nehmen können. Wir alle erinnern uns an die rote Hochzeit… Gerade diese Schockmomente, dieses Brechen mit dem üblichen Muster des Helden, der am Ende gut davon kommt, das gefällt mir! Endlich mal eine Geschichte mit Nicht-Happy-End. Dieser Umstand, dass jeder jederzeit sterben könnte, macht die Spannung aus. Was haben wir mitgefiebert im Kampf zwischen der Viper und dem Berg und was waren wir entsetzt, als die Viper tatsächlich zerquetscht wurde. Dann der Clegane-Bowl, als Gregor Sandor die Augen eindrücken will – wir alle haben einen Schreck bekommen und gedacht, ihn ereilt derselbe schreckliche Tod. Diese Unberechenbarkeit ist ein Alleinstellungsmerkmal von GoT, trotz der Unmenge an Fantheorien, von denen einige am Ende zutreffend waren.
Besonders ist auch die Erzählweise. Wie eben schon angesprochen, verlaufen viele Handlungsstränge parallel, sodass man die Story aus mehreren Blickwinkeln miterleben kann. Einige Stränge kreuzen sich plötzlich, gehen dann wieder ihrer Wege, nur um zum Schluss wieder aufeinanderzutreffen und sich entscheidend zu beeinflussen, wie zum Beispiel Arya und Melisandre.
Man begleitet die Charaktere in ihrer ganz persönlichen Entwicklung. Danys Weg vom kleinen Prinzesschen im Exil zur meist gefürchteten Monarchin der Welt vollzieht sich über 7 Staffeln, genau wie Jaimes Aufstieg vom Superarschloch zum ehrenwerten Ritter. Nicht zu vergessen natürlich die umfangreichen und sehr unterschiedlichen Geschichten aller Stark-Kinder. Die Charaktere sind uns ans Herz gewachsen, wir haben sie gehasst, geliebt, mit ihnen gelitten und für sie gejubelt. Vor allen Dingen haben wir uns gut unterhalten gefühlt.
Der Zauber von GoT entsteht zweifelsohne auch durch das Setting: Aufwendige Kostüme, das mit den Staffeln besser werdende CGI und malerische Drehorte sind bis ins kleinste Detail ausgearbeitet und aufeinander abgestimmt. Musikalisch hat GoT ebenfalls einiges zu bieten, ob Der Regen von Castamere oder das Lied vom Bär und der Jungfrau hehr.

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So. Genug mit der Lobhudelei. Was in allen sieben Königslanden ist da in der achten Staffel passiert?!?! 
Alles, was wir bisher so geschätzt haben, wird auf einmal mit Füßen getreten. Mühsam aufgebaute Charakterbögen werden im letzten Zug zerstört, die Handlung rauscht nur so an einem vorbei und an Glaubhaftigkeit mangelt es arg. Danys Zerstörungsanfall in Königsmund ist da nur die Spitze vom Eisberg. Ihr Wahnsinn wirkt an den Haaren herbeigezogen und übertrieben. Der Tod von Missandei, der vollkommen unnötig war (Wieso sollten die Lennister-Soldaten sie, und nur sie, im Wasser ausfindig machen und unbemerkt entführen können?), soll als Begründung herhalten für sowohl Danys als auch Grauer Wurms moralischen Verfall (innerhalb von 3 Tagen). Ehm. Ja klar.
Und warum in aller Welt läuft Jaime zurück zu Cersei? Damit ist doch seine ganze vorherige Entwicklung umsonst. Wenn er seine Schwester wenigstens getötet hätte…
Ich könnte noch einiges mehr aufzählen, worüber ich mich geärgert habe. Die Quintessenz: Ich bin enttäuscht und unzufrieden mit der letzten Staffel. Lediglich die allerletzte Folge finde ich akzeptabel. Wenigstens für einige Charaktere gibt es ein rundes Ende, mit dem ich etwas anfangen kann.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Qualität der letzten Staffel mindestens so hoch ist wie in den vorherigen Staffeln. Durch ein paar mehr Folgen und Dialoge wäre das sicher umsetzbar gewesen. Unabgeschlossene, fast vergessen wirkende Handlungen hätten damit aufgelöst werden können, ebenso wie offene Fragen hätten geklärt werden können. Beispiel: Was war die Intention des Nachtkönigs? War der einfach böse oder hatte er tiefere Absichten?
Möglicherweise spielen auch stark überhöhte Fan-Erwartungen eine Rolle. Jeder hatte sich von GoT ein fulminantes, exorbitant großartiges Ende gewünscht, das kaum abzuliefern war. Es entstand eher der Eindruck, dass die Produzenten die Serie beenden wollten, und zwar schnell.

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Ich hoffe, dass die Bücher anders ausgehen werden. Falls sie überhaupt jemals erscheinen… Bisher gibt es fünf englische und 10 deutsche Bände, das heißt auf ein Buch in Originalsprache kommen zwei übersetzte. 2011 erschien der aktuellste Band und seither warte ich auf den nächsten, der, nach mehrmaligem Verschieben des Veröffentlichungsdatums, auf unbestimmte Zeit ausgesetzt wurde.
Wer übrigens findet, dass die Serie sehr komplex ist, der sei vor den Büchern gewarnt. In ihnen kommen noch viel, viel mehr Charaktere und Seitenhandlungen vor. Wusstet ihr, dass Catelyn Tully in den Büchern wiederbelebt wird? Ihre Leiche wird aus dem Fluss gezogen, von Thoros von Myr wieder zum Leben erweckt und zieht seitdem als stumme „Lady Stoneheart“ mordend durch die Lande. Ebenfalls spannend: Cersei erhält von Maggie the Frog, der Wahrsagerin, noch eine dritte Prophezeiung, nämlich bezüglich ihres Todes. Ihr wird vorausgesagt, der „Valonquar“ (hochvalyrisch: kleiner Bruder) werde sie töten. Nun… in der Serie ist das so nicht passiert. Es lässt sich also vermuten, dass das Ende der Bücher und das der Serie stark voneinander abweichen könnten.

Mein persönliches Fazit: Trotz des verhunzten Abschlusses der Serie bleibe ich ein treues Fangirl von GoT. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist einfach zu schön und detailreich und mir zu sehr ans Herz gewachsen, als dass ich sie jetzt nicht mehr mögen könnte. Die Prequels, die schon im Dreh sind, werde ich mir auf jeden Fall ansehen und auf die Bücher freue ich mich seit Jahren. Für mich also kein Abschied à la „Dracarys!“, sondern ein liebevolles Lebewohl und hoffentlich auf Wiedersehen.

 

Anni Exner

Anni Exner

Die Anni kam für den Bachelor Kulturwirtschaft nach Passau - nur um dann zu merken, dass sie Wirtschaft langweilig findet. Jetzt studiert sie Staatswissenschaften und strebt eine Karriere als revolutionäre Politikerin an. Nebenbei spielt sie leidenschaftlich gern Theater, macht Kampfsport und unterhält ihr Umfeld mit dem "Anni-Faktor".

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