FictionFights #2 Sandra vs Sebastian (Disney-Edition)

Den Auftakt zu unserem großen Disneymonat liefert unsere neue Ausgabe FictionFights!

Fiction Fights? Da war doch was… wer nicht mehr weiß, was Fanfiction ist, kann das hier nachlesen. Und wer nochmal unseren ersten Fight sehen will, findet diesen hier.

Genug des kurzen Intros, hier findet ihr Fight Nummer 2!

 

Wer die Texte noch einmal nachlesen möchte, oder lieber selbst liest, als vorgelesen zu bekommen, findet hier die beiden Texte:

 

Heim.

Es ist früher Morgen. Die Bushaltestelle liegt dicht im weißen Nebel, der die weite Ebene flutet, gehüllt. Weit und breit keine Menschenseele. Stille. Fast schon etwas unerträglich und gruselig.  
Ein Rascheln im Gestrüpp, das das Ende eines kleinen Waldes darstellt, schneidet die Luft und erfüllt die Leere mit Leben. Aus dem noch nebligen Wald treten im etwas unbeholfenen Laufschritt zwei Gestalten hervor. Manche Schritte durch das Gebüsch schreiten sicher, manche sinken etwas im leicht belaubten Boden ein. Äste ächzen und brechen, als die erste Gestalt die zweite zur Bushaltestelle fast drängend am Arm zieht. Es sind ein Mann und eine Frau. Die ziehende Person ist etwas jünger, blaue geleckte Haare, die so imposant in die Luft ragen, als könnten es Flammen sein, die alles, was sie berühren, anzuzünden vermögen. Die andre etwas älter. Sehr alt sogar. Weiße, ausgefranste Dreadlocks fallen in ihr ebenholzfarbenes Gesicht, das den alten Glanz junger Tage nur noch erahnen lässt. „Los! Komm, Tia, bald, wir habens gleich geschafft!“ Etwas unbeholfen betreten sie die leere Straße und bleiben vor der Bushaltestelle stehen. „Da wären wir! Das ist unsere große Chance.“ Der junge Mann lächelt. Während seine Haare nur so von Eleganz strotzen, wirkt sein restliches Erscheinen eher dürftig. Seine pechschwarzen Augen liegen gebettet in ein Meer aus Augenringen, die sich im Gesicht breit machen. Die Haut selbst weiß, leblos, fast schon verfault, stößt einen unappetitlichen Gestank von Rauch ab. Gestank von Pech und Teer. Er holt eine Packung frischer Zigaretten aus seinem verschlissenen schwarzen Mantel. Generell ist alles, was er trägt, in Schwarz getunkt. Etwas Grau war das einzige Erhellende an ihm. Eine Brosche mit Totenkopf ziert seine rechte Brust. „Na, komm, ist doch gut gelaufen!“ Er setzt sich gemütlich auf den Randstein der Wartebucht. „H, wir haben,“ Tia beginnt lautstark zu husten. Fast, als würde sie brechen. Sie hält sich mit einer Hand den Mund zu, mit der anderen schiebt sie ihre weißen Haare zur Seite. „Wir haben einen Aufseher umgebracht.“ „Fast!“, entgegnet der Blauhaarige. „Wir wissen es nicht. Ich hab Angst. Wir sollten zurück. Das kann doch warten, nicht? Herrgott, Ich bin zu alt für den Scheiß.“ Sie setzt sich neben ihren Begleiter. Ihre Knochen schmerzen mit jeder Bewegung. Wacklig und schwer sitzt sie auf dem kalten Stein. „Es war dein Wunsch und den will ich dir erfüllen.“ H lächelt sie an und drückt ihr eine Zigarette in die Hand. Beide sehen sich verschwitzt an. Kein Gepäck, nur das, was sie am Leibe tragen. Und das ist nicht viel. Tia trägt ein altes Kleid, zerrissen – vermutlich durch Äste und Gebüsch -, das eigentlich viel zu kalt für diese Jahreszeit ist. Mit zittrigen Händen führt sie die Kippe an ihren Mund und beginnt, lautstark zu lachen. Auch ihr junger Begleiter lässt dem nicht ab. Sie hat grauenhafte Zähne: Kaputt, durchlöchert und mit schwarzen und braunen Punkten übersät. Ein Anblick, den man sich lieber spart. Er hingegen könnte mit seinem Lächeln Beute machen. Seine Zähne sind blitzblank, als könnten sie sich in Fleisch bohren. „Hier, ich helf dir.“ H führt seine lange Hand zu ihrem Mund und zündet die Zigarette im Handumdrehen an. Es ist wieder still. Beide genießen ihre Zigarette, als sie unterbrochen werden von Lärm eines Fahrzeugs. Zielstrebig springt H auf, etwas euphorisch, gemischt mit Angst. Tia, etwas schwerfälliger, folgt ihm, mit ihren schwarzen Fingern den Asphalt nach einem gelegenen Halt absuchend. „Bloß keines dieser Autos. Bloß keines dieser verdammten Autos,“ schwirrt H im Kopf, fast befehlend rum.      
Es ist der Bus. Beiden fällt ein Stein vom Herzen. Sie umarmen sich und Tia läuft eine Zähre die Wange hinab. Die Tür des Fahrzeugs öffnet sich. Langsam lösen sich beide kichernd voneinander und treten ein. Der Bus ist nicht leer, aber bei weitem nicht voll. Analysierende Blicke treffen beide. Doch ist es ihnen egal. Sie haben es geschafft. Tia drängt sich zum Ende der Sitzreihen und nimmt Platz. Seit drei Tagen haben ihre müden und alten Knochen keinen einfachen Stuhl oder Sessel mehr gesehen. Es durchfährt sie ein Gefühl von Freude. Etwas, was sie schon lange nicht mehr fühlte. H drückt dem Fahrer unterdessen 50 Kronen in die Hand. „Behalten Sie den Rest!“, grinst er dem Fahrer ins Gesicht. Dieser hält ihn kurz am Arm: „Aber wo solls denn hingehen?“ „Ans Meer, mein Lieber, ans Meer.“

Etwas später.

Ein großer Ruck durchfährt den Bus. H und Tia, die nach ihren Tagen in freier Wildbahn müde und verbraucht sind, schnellen aus ihrem tiefen Schlaf auf. „Meine Damen und Herren, wir haben soeben eine kleine Raststätte nahe der Stadt Hermansverk erreicht, an der wir kurz pausieren werden und Kraftstoff tanken können. Fühlen Sie sich frei etwas auszutreten… und Entschuldigung für die harte Landung. Ich glaub, ich habe eine Katze getroffen.“ Verunsichert, aber zügig schnellt der Busfahrer nach, um sich der Katze zu vergewissern. H blickt in Richtung Tias, die ihn müde verschlafen angrinst. Trotz ihres Alters findet er sie nach wie vor bezaubernd. „Hätte sie das mit dem Menschsein bloß gelassen,“ fährt ihm durch den Kopf. „Lass mal was essen, glaub, die haben hier gutes Zeug:“ H springt auf und reicht der alten Dame die Hand.           
Beide sitzen in einer Restaurantbucht und machen sich über das viele Essen, das sie bestellt haben, her. Fünf Cheeseburger, drei Packungen Chickenwings, vier Pfund Pommes, zwei Doppelwopper und jeweils eine Diätcola. Sie wissen, wie grauenvoll dieses Essen eigentlich ist, doch ihre leeren Mägen freuen sich über jeden Bissen, als wäre ein Feuerwerk im Gange. Während Tia an ihrer Cola saugt und diese mit ihren langen Fingern umarmt, beginnt sie, an ihrem Schmuck zu spielen. Generell hat sie sehr viel Schmuck. Schon immer. Je größer, verrückter, umso besser. „Ich kanns immer noch nicht glauben.“ Sie beginnt zu husten. „Hier, warte.“ H wischt ihr mit einer Serviette das verschüttete Getränk von der Kleidung. „Wir fahren…ans Meer.“ „Ja, das tun wir.“ H lächelt. Es tut gut, sie gutgelaunt zu sehen. „Was zur…?“ H sinkt etwas in seiner Bucht ein und gibt Tia das Zeichen, selbiges zu tun. „Wie haben die uns gefunden?“ Am Parkplatz stehen mehrere Polizisten und begutachten den Bus, während ein Mann im Anzug mit dem Busfahrer spricht. „So schnell?“ Tia beginnt zu zittern. „Wir müssen schnell raus hier!“ H reißt sich von der Bank. „Na los, komm schon.“ Tia tat ihr Bestes, um mit ihm Schritt zu halten. „Wo ist hier ein Hinterausgang?“ „Sie müssen das aber schon bezahlen!“ Ein Angestellter stellt sich den beiden mutig, aber doch auch mit Angst in den Weg. Er ist vielleicht 17. H drückt ihn mit der Hand in sein Gesicht drückend weg. Es brennt höllisch, fast als würde jemand ein glühendes Eisen in deinen Rachen stecken. Der Angestellte schnellt schreiend zu Boden. „Da lang!“ H zeigt auf eine Tür, die hinter der Küche liegt. Das restliche Personal wagt es nicht, sich ihnen in den Weg zu stellen. Draußen angekommen verkriechen sich beide im zugedeckten Anhänger eines kleinen VW Busses. Sie verbleiben still und ruhig. Tia schmerzt es überall. Ihr Körper macht das nicht mehr lange mit. „Christian fahr los, sonst halten uns die Bullen noch auf und finden das Zeug!“ Der Bus setzt sich in Bewegung.

Einen Tag später.

Es stellte sich schnell heraus, dass die beiden Fahrer des Kultwagens, Christian und Erik, ungebetene Gäste hatten. Christian sollte etwas Gras aus dem Wagen holen und so flog das Versteck auf. Beide fanden das aber eher aufregend als störend. Tia und H wurden gerne in der Gruppe aufgenommen, schließlich war für Christian und Erik die Welt ein ständiges Geben und Nehmen. Sie waren Hippies. Sex, Drugs & Rock N Roll. Bei einem gemütlichen Lagerfeuer stellte sich auch heraus, dass beide ein Paar waren. Mitte 40 verließen sie ihre Familien, Erik lebte noch zuhause, Christian mit seiner Frau und drei Kindern, ließen sich ihre Haare wachsen, lebten von Tag zu Tag, nahmen viele, sehr viele Drogen und nahmen nun auch Anhalter mit. Sie hatten sogar mal einen Kakadu, der allerdings irgendwann aus dem Bus flog. Das war zumindest das, woran sich H erinnern kann. Denn einem „Hey, Christian ich hab den beiden Acid ins Trinken getan“ und „Erik, wir haben auch davon getrunken“, folgte ein schwarzer Balken. Einzig dieser laute Knall riss H aus seinem Nebel.
Der Bus liegt zerstört an der Klippe. Habseligkeiten liegen weit über den Steinen zerstreut. „Tia, wo bist du?“ H, mit einer blutenden, wohlmöglich gebrochenen Nase, sucht mit seinen Möglichkeiten nach seiner Freundin. Er weint etwas. Am Boden liegen Erik und Christian blutgetränkt. Regungslos. H bemerkt hinter einem Stein, abseits des Unfalls, ein Bein. „Ohgott, nein, nein, nein, nein, NEIN! Lass das nicht wahr sein. Wir habens doch gleich geschafft.“ Das Rauschen des Meeres hallt laut über den Strand, der in der Abendsonne strahlt. „Wach auf! Lass mich nicht allein! Komm schon!“ H bricht in Tränen aus. „Hades bist du es?“ Schwach, zerstört und benebelt versucht verzweifelt eine Stimme, die Brandung zu übertönen. „ Du lebst! Los komm! Komm!“ Hades reißt an Tia. „Du bist gleich da“. Beschwert hilft Hades seiner Begleitung auf die Beine. Und humpelt auf das Meer zu. „Gleich haben wirs“
„Mrs. Harris bleiben sie stehen! Das hat keinen Sinn!“ Eine Stimme über Megafon durchfährt beide. „Hör nicht auf ihn“ entgegnet Hades. „Mrs. Harris, es wird nichts passieren. Sie kommen wieder mit uns und wir kümmern uns um Sie. In unserer Anstalt arbeiten keine Unmenschen.“ „Los Tia, wir schaffen das“ „Das existiert nicht, Mrs. Harris. Das ist nicht echt. Es gibt keine Tia. Und es gibt keinen Hades.“ Tia beginnt zu weinen. „Wir schaffen das.“ „Kommen Sie zurück.“ Tia bricht zusammen. „Lass mich, ich kann es nicht.“ „Keine Widerrede! Du kommst mit!“ Hades zieht sie weiter zum Wasser. „Mrs. Harris, was machen sie da?“ Schritte kommen näher. „Wir sind gleich da.“ Tia, gebrochen und am Ende, berührt leicht mit ihren Zehen das kalte Nass. Ein Schock durchfährt sie. Sie fühlt sich wieder jung. Ihre Schritte werden kräftiger. „Ich spür es Hades! Ich spür es!“ Sie löst sich. Rennt und rennt. Immer weiter ins Wasser. Bis niemand sie mehr sehen kann. Glück flutet jede Pore ihres Körpers. Wieder am Wasser. „Hades, wo bist du? Hades?“ Er ist verschwunden. Als wurde das Feuer seiner Haare und in ihm gelöscht. Es ist still. Totenstill. Er ist nicht mehr da. Niemand. Nur das Wasser. Eine Stimme dringt leise an ihr Ohr. „Ich war und bin für immer bei dir.“

Ihre Körper wurden niemals wiedergesehen.    
Manche Zungen allerdings behaupten, dass man, wenn man leise dem Säuseln des Windes lauscht, beide tanzen und lachen hört.

 

 

 

Emerald eyes

 

Genervt pustete Merida sich die Haare aus dem Gesicht. Heute war einfach wieder einer dieser Tage. Seit der Bären-Sache hatte sich zwar die Beziehung zu ihrer Mutter verbessert und in den letzten Jahren hatte sie so viel reiten und Bogenschießen gedurft, wie sie wollte. Aber was half das, wenn ihre Mutter trotzdem immer wieder subtile Andeutungen fallen ließ, dass sie sich langsam Enkelkinder wünschte und dass dieses oder jenes Kleid Meridas Vorzüge doch viel besser zur Geltung bringen würde. Dabei wollte Merida überhaupt nicht über eine Familie nachdenken, sondern einfach nur durch die Highlands jagen und den Wind im Gesicht spüren. Es reichte ja schon, dass sie ihrem Vater mittlerweile einige Aufgaben in der Verwaltung des Königreiches abnehmen musste. Sich gegenüber den männlichen Clanführern durchzusetzen, brachte sie manchmal zur Verzweiflung. So wie heute, als Lord Macintosh meinte, er habe ja gar nichts gegen Frauen, nur könnten sie ihre Emotionen nicht beherrschen und wären deshalb ungeeignet zu regieren. Merida hatte ihn aufgebracht angeschnauzt, was vielleicht nicht unbedingt förderlich für ihre Position gewesen war. Naja, manchmal konnte sie einfach nicht anders. Aber jetzt wollte sie versuchen, das alles zu vergessen und ein wenig die letzten Strahlen der Sonne zu genießen. Doch die Ruhe währte nicht lange. Harris, Hubert und Hamish kamen lärmend auf sie zugelaufen. Sie waren zwar mittlerweile schon 12, wirkten aber manchmal immer noch so tollpatschig wie Kleinkinder. „Merida, Merida!“, riefen sie aufgeregt durcheinander, „Vor der Burg haben Zigeuner ihr Lager aufgeschlagen!“ „Merida, dürfen wir sie zum Abendessen einladen? Es war sogar ein Feuerspucker dabei!“ Ein Funken Interesse glomm in Merida auf. Auf der Burg gab es selten etwas Aufregendes und im Moment kam ihr ein bisschen Abwechslung gerade recht. „Na schön, holt sie in die Burg, Vater wird schon nichts dagegen haben“, lachte sie und die drei Jungen stürzten jubelnd davon. Plötzlich wieder voller Energie wirbelte auch Merida davon, um sich vor dem Abendessen noch frischzumachen.

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Esmeralda bürstete sich langsam durchs Haar. Traurig blickten ihr ihre smaragdgrünen Augen aus dem Spiegel entgegen. Heute fiel es ihr besonders schwer, sich in die herzliche, lebendige Esmeralda zu verwandeln, die die Zuschauer so liebten. Noch vor kurzem war sie genau diese Esmeralda gewesen, aber dann hatte Frollos Besessenheit und sein Fanatismus nicht nur ihrem Glauben, sondern auch ihrer Fröhlichkeit ein Ende gesetzt. Sie hatte Glück, überhaupt noch am Leben zu sein. Phoebus und Quasimodo hatten weniger Glück gehabt und auch viele der Roma, die Frollo verfolgt hatte, hatten den Tod gefunden. Aber was nützte das Klagen… Esmeralda gönnte sich noch einen Moment der Ruhe, dann legte sie ihr Tuch an, schnappte sich das Tamburin und setzte ein Lächeln auf. Sie sprang aus ihrem Wagen und schloss sich den Feuerspuckern, Puppenspielern und Tänzern an, die sich auf den Weg in die Burg machten.

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Merida ignorierte völlig das Essen und beobachtete gebannt den Feuerspucker. Eigentlich war sie schon zu alt, um derart hingerissen von Schaustellern zu sein, aber sie waren von einer Aura aus Geheimnis und Abenteuer umgeben, der Merida einfach nicht widerstehen konnte. Ein Mann namens Clopin führte ein Puppenspiel vor, dessen Witz vermutlich über den Horizont einiger Clanmitglieder hinausging, sodass langsam Unruhe entstand. Clopin bemerkte dies und beendete das Spiel. Geschickt sammelte er wieder die Aufmerksamkeit auf sich und begann, die nächste Schaustellerin anzukündigen: „Sie ist Frankreichs ganzer Stolz und Glanz! Aus Paris vertrieben reist sie nun mit uns um die Welt und beglückt die fernsten Länder mit ihrem Liebreiz, ihrer Stimme und vor allem ihrem Tanz! La Esmeralda!“ Eine junge Frau mit dunkler Haut, langen schwarzen Locken und einem warmen Lächeln trat vor die Tische und begann, ihren Körper im Rhythmus der Musik auf eine fast magische Art und Weise zu bewegen. Es lag eine Kraft und Leidenschaft in ihrem Tanz, die Merida noch nie zuvor gesehen hatte. Esmeralda beugte sich grazil nach hinten, wirbelte stürmisch herum und lachte kokett. Schließlich endete sie nach einer komplizierten Drehung mit einer Verbeugung. Sie blickte auf und sah Merida an. Merida, meinte, in ihrem Blick Traurigkeit zu erkennen, doch schon im nächsten Augenblick leuchteten ihre smaragdgrünen Augen wieder auf. Mit einem Lächeln nahm sie den stürmischen Applaus entgegen und sammelte Münzen in ihrem Tamburin. Offenbar war nicht nur die Prinzessin von der jungen Frau fasziniert. Besonders die Söhne der Clanführer geiferten geradezu und riefen Esmeralda dümmliche Sprüche hinterher. Angewidert verdrehte Merida die Augen. Diese Widerlinge waren zwar älter geworden, hatten aber eindeutig nichts dazugelernt. Esmeralda wich den Männern zwar stets mit einer geschickten Drehung und einem Lachen aus, aber als es immer schlimmer wurde, beschloss Merida, etwas zu unternehmen. Sie winkte die Tänzerin zu sich und bot ihr einen Sitzplatz an. Esmeralda zögerte zunächst, setzte sich dann jedoch dankbar. „Diese Kerle können wirklich eklig sein,“ flüsterte Merida ihr zu, „glaub mir, ich habe das schon am eigenen Leib erlebt. Aber du bist sehr hübsch und dein Tanz… das hat sie wohl endgültig um den Verstand gebracht.“ Wieder flog ein Schatten von Traurigkeit über Esmeraldas Gesicht. „Ich hatte schon oft das Gefühl, dass meine Schönheit eher ein Fluch als ein Segen ist“, murmelte sie eher zu sich selbst. Als sie merkte, dass Merida sie mitfühlend betrachtete, setzte sie wieder eine heitere Miene auf. Sie stand auf und nahm Meridas Hand. „Komm, tanz mit mir!“ Königin Elinor hatte die Aufforderung offenbar gehört und ihre entsetzte Miene sprach Bände. „Merida!“, zischte sie, „das gebührt sich wirklich nicht für eine Prinzessin.“ „Jetzt erst recht“, dachte Merida trotzig und folgte Esmeralda, um mit ihr zu tanzen. Es sah zwar sicher weniger anmutig und grazil aus als bei der Tänzerin, dennoch bereitete es Merida erstaunlich viel Spaß, sich zu der fröhlichen, fremdländischen Musik zu bewegen. Sie strahlte Esmeralda an und beschloss, dass sie diese ungewöhnliche junge Frau mochte.

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Nach einer langen Nacht, in der sie viele Silbermünzen gesammelt hatten, zog sich das reisende Volk wieder in seine Wägen zurück. Esmeralda legte ihre Tanzkleidung ab. Zum ersten Mal seit Langem verspürte sie einen Anflug von Glück. Die junge schottische Prinzessin war ihr sympathisch. Auch sie wusste offenbar nicht genau, wo ihr Platz in der Welt war und hatte keine Lust, vorzugeben, jemand zu sein, der sie nicht war. Und sie war einfach nur nett zu Esmeralda gewesen. Normalerweise sahen die adligen Frauen auf Esmeralda herab oder bestaunten sie wie eine exotische Rarität. Von den Männern ganz abgesehen. Merida jedoch war einfach freundlich zu ihr gewesen und die Art, wie sie vor Glück leuchtete, als sie – etwas unbeholfen –  tanzte, hatte auch Esmeralda das erste ehrliche Lachen seit Langem entlockt. Lächelnd legte sie ihren Kopf aufs Kissen. Vielleicht würde sie Clopin bitten, noch ein wenig länger im Königreich DunBroch zu bleiben.

 

 

Wer ist eurer Ansicht nach der Gewinner dieses Fiction Fights?

Andreas

Andreas

Andi einen Text über sich selbst schreiben zu lassen, ist vermutlich nicht die beste Idee. Er würde nämlich nur erwähnen, wie toll, gutaussehend, schlau, höflich, verlässlich, kinderlieb und bescheiden er ist. Ist Andi nicht mit dem Schreiben von Texten, die nur er wirklich witzig findet, beschäftigt, geht er vermutlich einem seiner diversen Nerdhobbys nach: Entweder schiebt er kleine, selbstbemalte Zinnfiguren hin und her, beschäftigt sich mit vollkommen überteuerten Papprechtecken, auch bekannt als Magic, oder spielt absurd lange Brettspiele.

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