I Wanna Be Like You – Die Philosophie in „Planet der Affen“

Als ich jung war, war es noch nicht so beliebt wie heute, sich einem Film-, Buch- oder Comic-Franchise zu verschreiben und dessen Philosophie in sein „Nerd“-Leben zu lassen. Heute floriert die Vielfalt an „Fandoms“ geradezu und Filmabende mit Schwertern aus Licht für Asthmapatienten und vier zwergwüchsigen Schmuckstückliebhabern sind keine Seltenheit mehr. Auch wenn ich manche Begeisterungen persönlich nicht verstehe (siehe Harry Potter als neuen Marktführer), kann mein 13-jähriges Ich diese Entwicklung nur begrüßen.
Trotzdem plagt mich mein Hipster-Ich dazu, Freunden Franchises näher zu bringen, die zwar nicht im Rampenlicht stehen, aber nicht minder unterhaltend und kulturell gehaltvoll sind. Hier möchte ich mit einer Science-Fiction-Filmreihe beginnen, die sich auch zu einem meiner persönlichen Lieblinge entwickelt hat: 

Der Planet der Affen.

Die Handlung:  

Als im Jahre 1972 ein Raumschiff mit dem Astronauten George Taylor (Charlton Haston) auf eine interstellare Reise geschickt wird und spurlos verschwindet, wird ein zweites Raumschiff auf eine Rettungsmission geschickt, welches aber ebenso spurlos verschwindet. Mit den Verlusten wenden sich die Menschen von der Raumfahrt ab und konzentrieren sich fortan auf Genetik. Im Jahre 3978 erleidet das Schiff Taylors, nachdem es mit Lichtgeschwindigkeit reiste, eine Bruchlandung auf einem fernen Planeten. Auf der Suche nach anderen Menschen und einem Weg zu überleben, wird Taylor mit Unbequemlichkeiten konfrontiert und vor unvorstellbare Tatsachen gestellt.          

Die Planet der Affen-Reihe beantwortet mit ihren acht Filmen eindrucksvoll eine Menge sozialer und philosophischer Fragen. Es wird eine dystopische Zukunft kreiert, welche eindrucksvoll die Verbindung zwischen Mensch und Tier thematisiert.

Was ist überhaupt “ein Tier”?   

Für uns Menschen ist die Antwort einfach: Wer nicht auf zwei Beinen geht, Haare nicht nur an begrenzten Stellen des Körpers trägt, und keinen Netflix-Account hat. Der Mensch ist bequem, selbstsicher und über allem herrschaftlich. Doch die PdA-Serie nimmt diese Gedanken mit heutigem Wissensstand radikal auseinander, indem sie Affe und Mensch gleichsetzt. Generell zeigt auch die Forschung, dass Tiere, vor allem Primaten – zu denen der Mensch eben auch zählt – dieselben kognitiven Grundlagen aufweisen. Sei es beim Lernen oder dem simplen Gebrauch von Werkzeug, es wird ein Muster in der Lebensweise der Tierwelt (Mensch eingeschlossen) deutlich. Der Philosoph Richard David Precht schreibt in seinem Buch „Tiere Denken“ davon, dass das, was uns vom „gewöhnlichen Tier“ unterscheidet, einzig die Sprache ist. Während Primat und Mensch sich besonders durch ein ähnliches Sexualverhalten und dem Verlangen nach einem kulturellen Zusammenleben, sei es das Jagdverhalten von Schimpansen, die Entlausungen bei Gibbons oder das jährliche Feuerwerk an Silvester, einen, stellt die einzige bis dato bekannte Trennlinie für den Menschen die Sprachfähigkeit da. In Planet der Affen wird dies durch die beiden Charaktere Taylor (in der Originalreihe von 1968) und Affenanführer Caesar (in der Prequel-Reihe von 2011) deutlich. Taylor, der bei einem Angriff am Kehlkopf verletzt wurde und deshalb gleich seinen Artgenossen nicht sprechen kann, und Affe Caesar (zum Leben erweckt durch Andy Serkis) werden zu Beginn kaum bis gar nicht als Individuen, als denkend oder gleichberechtigt angesehen und behandelt. Sie gehören zu der Ware „Tier“. Dieser Umgang endet schlagartig, als Taylor und Caesar zum ersten Mal die Stimmen erheben. In diesen Moment gerät das Weltbild der herrschenden Tierart ins Wanken. In der Original-Serie bricht daraufhin eine ideologische Krise aus, da ein sprechender Mensch den festgeschriebenen Gesetzen der Affen widerspricht. Ebenso kommt es in der Prequel-Reihe zu einem plötzlichen Verteilungs- und Überlebenskampf zwischen Mensch und Affe, als Caesar zu den Menschen spricht. Es zeigt, dass, sobald sich ein Tier auf dieselbe Stufe wie die herrschende Art erhebt, beide  beginnen, sich als Individuen und auch als Bedrohung anzusehen. Auch heute erleben wir das in sehr geringen Formen, z.B. wenn wir überrascht dabei zusehen, wie ein Orang-Utan sich mit Zeichensprache verständigt. Die bekannte Einteilung von Tier und Mensch wird instabil.

Wie wir Tiere behandeln. Oder: Wenn du nur wie ich wärst.      

Der Mensch sieht sich oft als “tierlieb”. Schriftsteller wie Mark Twain betonten zum Beispiel immer wieder, wie viel lieber sie sich unter Tieren aufhielten. Auch die Zahlen sprechen dafür: Allein in Deutschland besitzen wir rund 34,4 Mio. Haustiere. Der Psychologe Jürgen Körner sieht darin, dass der Mensch, trotz seiner fortschrittlichen Lebensweise, immer noch die Nähe zu seiner Natürlichkeit und seinen einfachen Ursprüngen sucht. Er will ein Tier bleiben. Doch dieses natürliche „Tierliebe“-Verhältnis ist, wie sich zeigt, sehr gegensätzlich und rein egozentrisch geprägt. Zu sehen ist dies häufig bei Kindern, die zum Beispiel Wildkatzen im Zoo anbrüllen, um selbst eine kleine Reaktion zu erhalten. Ebenso formt der erwachsene Mensch oft die Gestalt der Tiere so sehr, dass sie für ihn nützlicher, ansprechender und exotischer aussehen. Die bekanntesten Fälle sind dabei der Mops, der Weißblaue Belgier (Rind) und Munchkinkätzchen. Zudem hält sich die Tierliebe bei Insekten, Würmern und vermeintlich gefährlichen Tieren, wie dem Wolf, oft stark in Grenzen. Dabei sprechen wir noch nicht einmal von der oft maßlosen Haltung und Verarbeitung von Schwein, Kuh und anderen Nutztieren. Dieses biblische Credo „Macht euch die Erde Untertan“ ist auch in der PdA-Serie zu finden. In der Prequel-Reihe von 2011 werden Affen gewaltsam festgenommen, eingesperrt und mit Medikamenten genetisch so verändert, dass gewünschte Ergebnisse hervorkommen und der Primat mehr einem „menschlichen“ Vorbild ähnelt. So wird auch Caesar oft mit den Erwartungen der Menschen konfrontiert, die er, bis er sich widersetzt, erfüllen muss. Nicht nur muss er Kleidung tragen, sondern wird von Will Rodman (James Franco) nach den Regeln der Menschen erzogen, die er selbst nicht verstehen kann und die ihn nicht berücksichtigen. Durch diesen Zwang fühlt sich Caesar auch zunehmend mehr wie ein Haustier als wie ein denkendes Lebewesen. Selbiges geschieht im Original von 1968. Die herrschenden Affen sperren die wilden Menschen aufgrund ihrer sehr bibelähnlichen Gesetze ein und benutzen und verwerten die „Tiere“ nach ihren Bedürfnissen.

Warum kämpft intellektueller Primat gegen intellektuellen Primat?       

Trotz nicht von der Hand zu weisender Gemeinsamkeiten geraten in der Filmreihe Affe und Mensch immer mehr in Konflikte. Ausschlaggebend dafür ist der Überlebenstrieb der jeweiligen Spezies. „Alles was wir tun, soll unser eigenes Schicksal und das derer, die uns umgeben, verhindern“, schreibt dazu Anthropologe Ernest Becker. Dabei ist dieser Überlebenstrieb weder böswillig noch als reine Feindseligkeit einzuordnen. Beide, Affe und Mensch, wollen einzig überleben, doch beide haben andere Bedürfnisse und Werte, die sie oft aneinandergeraten lassen. Soziologe Norbert Elias bezeichnet das als eine „unbewusste Doppelbindung“, die sich – ähnlich dem Kalten Krieg – soweit zuspitzen kann, dass ein Fehler reicht und es zu Gewalt kommt. Über die Evolution hinweg war dies vielfach zu erleben: Der Homo Sapiens war in stetiger Verbindung mit den Menschenarten des Homo Erectus und dem Neandertaler, bis Konflikte das Verschwinden von Erectus und Neandertaler zur Folge hatten. Besonders im zweiten Teil der Prequel-Reihe (Rise of the Planet of the Apes) von 2014 wird dieser Überlebenstrieb deutlich: Während Affen und Menschen lange unbemerkt voneinander lebten, führten nach den ersten Begegnungen ihre Taten zu Skepsis und Feindseligkeit. Der Überlebenskampf spitzte sich soweit zu, dass unter dem Affen-Separatisten Koba, ein blutiger Krieg begann.

Der Planet der Affen-Zyklus ist zwar größtenteils mit heutigen Animationen nicht zu vergleichen, punktet dafür aber mit viel Liebe zur Story, sowie Detailreichtum und schafft so ein schönes Filmerlebnis. Auch meine erste Befürchtung, dass es sich um schnell ins Lächerliche driftende Filme handeln könnte, verging sehr schnell. Die zeitlose Thematik vom Verhältnis von Tier und Mensch wird hier nachdenklich, aber auch unterhaltend aufgenommen. Auch mich hat die Filmreihe zum Nachdenken gebracht. Um das Jahr 2011 begann ich mich zunehmend für Tierschutz zu engagieren und auch mein bis heute anhaltender Beschluss, Vegetarier zu werden, ließ nicht mehr lange auf sich warten. Ich habe begonnen, mehr Zeit in der Natur zu verbringen und allen Tieren mit Liebe sowie Respekt zu begegnen, auch wenn es mir bei Insekten, vor allem Spinnen, heute noch schwer fällt. Der Planet der Affen hat sicherlich zu diesem Verhalten beigetragen. Um es mit den Worten von Troy McClure –  bekannt aus Filmen wie Fuzzy Bunny’s Guide to You-Know-What und Man Versus Nature: The Road To Victory –  aus dem Planet der Affen-Musical zu sagen: „You finally made a monkey out of me!“  

Wenn ihr Lust bekommen habt, euch auf den Planeten der Affen zu begeben, empfehle ich euch folgende Reihenfolge:             

    
Planet of the Apes (1968) – Rise of the Planet of the Apes (2011) – Dawn of the Planet of the Apes (2014)  War for the Planet of the Apes (2017) – Beneath the Planet of the Apes (1970)

Die alternativen Timelines in Escape from, Conquest of&Battle for the Planet of the Apes solltet ihr erst einmal hinten anstellen. Das Monstrum, das Tim Burton geschaffen hat, könnt ihr gar in Gänze ignorieren.

Sebastian Meier

Sebastian Meier

Süß wie Zucker, scharf wie Pfeffer und bunt wie lauter schöne Sachen. So waren die Zutaten, aus denen der perfekte kleine Mann hergestellt werden sollte. Aber Professor Utonium fügte dem Gebräu aus Versehen noch etwas anderes hinzu: die Chemikalie X. Und so wurde Sebastian "Wastl" Meier geboren. Ein Mann, der irgendwo zwischen Lehramtsstudium, Existenzialismus und dem Theater steckt und dabei noch versucht, seinen Weg zu finden, wenn er nicht gerade vor Videospielen verzweifelt oder mit seinen treuen Gehilfen "Wrestling", "Netflix" und ""World of Warcraft" versucht, die Welt zu erobern!

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