„Isn’t It Romantic“ und die Zukunft der romantischen Komödien

Vor kurzem haben Valeska und Sandra die neue Netflix-Komödie Isn’t It Romantic geschaut, was sie veranlasst hat, sich ein bisschen Gedanken über romantische Komödien und deren Zukunft zu machen. Im Isn’t It Romantic stößt sich die eigentlich sehr realistische Natalie (Rebel Wilson) den Kopf und erwacht in einer klischeehaften Rom-Com-Welt. Im weiteren Verlauf parodiert der Film einige Klischees, die die meisten romantischen Komödien erfüllen. Einige davon sind euch sicher schon selbst aufgefallen, andere vielleicht noch nicht. Oder vielleicht habt ihr euch auch noch nie Gedanken über romantische Komödien gemacht. Jetzt habt ihr die Gelegenheit dazu, wir erklären hier nämlich einige der häufigsten Klischees.

*Vorab eine Spoilerwarnung bezüglich einiger romantischer Komödien und im Speziellen bezüglich Isn’t It Romantic

Quelle: https://www.netflix.com/title/80200642

Alles ist perfekt

Zwar gilt das auch für andere Hollywood-Genres, dennoch wird bei romantischen Komödien die Idealisierung der Figuren und der Umgebung besonders deutlich. Natalie etwa wundert sich, dass New York plötzlich nach Lavendel duftet, sie wacht mit perfektem Make-Up auf und außerdem hat sie plötzlich eine tolle Wohnung und einen riesigen Kleiderschrank (nach der Sichtung diverser romantischen Komödien möchte ich dazu sagen, dass in fast jeder ein toller Schuhschrank vorkommt). Klassiker wären auch Feuerwerk oder Regen bei einem leidenschaftlichen Kuss. Übrigens sind ALLE Figuren auch immer gut im Karaoke und wenn plötzlich eine Tanzszene anbricht, kennt natürlich auch jeder die Choreographie, auch das greift Isn’t it Romantic auf:

 Außerdem ist plötzlich jeder Mann, der Natalie begegnet, wahnsinnig heiß – und wir reden hier noch nicht einmal von ihrem späteren Freund, gespielt von Liam Hemsworth, sondern von so kurz auftretenden Figuren wie „Officer Hansom“. Und das wäre (vom Namen vielleicht abgesehen) auch in der romantischen Komödie XY höchst wahrscheinlich. Auch die besten Freunde der Hauptfigur sehen meistens gut aus, aber nicht nur das, sie haben meist gefühlt kein eigenes Leben, sondern sind ausschließlich zum Ausheulen und Ratgeben da und das 24/7. Relativ präsent ist in romantischen Komödien ist auch der schwule beste Freund, ein bekanntes Beispiel wäre George aus Die Hochzeit meines besten Freundes. Dementsprechend wird in Isn’t It Romantic Natalies Nachbar Donny plötzlich zu einem klischeehaften GBF („setting gay rights back, like, a hundred years“), der nie eigene Pläne hat und immer in ihrer Umgebung auftaucht – zurück in der realen Welt findet Natalie übrigens heraus, dass Donny zwar schwul, aber nicht besonders klischeehaft ist, sondern sein Apartment zum Drogendealen nutzt.

Es ist auch kein Problem mehr, dass Natalie tollpatschig ist: in der Welt der romantischen Komödien ist das nämlich nicht unpraktisch, sondern nur süß und liebenswert (schön wär’s) und führt lediglich dazu, dass sie von einem attraktiven Mann aufgefangen wird. Das Frauenbild ist ohnehin wahrscheinlich einer der problematischsten Punkte bei romantischen Komödien. Sehr häufig gibt es in diesen Filmen entweder Szenen, in denen die weibliche Hauptfigur umgestylt wird, oder aber sie durchläuft eine innere Veränderung, die sie begehrenswerter machen soll. Zwar werden diese äußeren oder inneren Veränderungen manchmal am Schluss als doch nicht so wichtig/richtig erkannt, dennoch tragen sie häufig dazu bei, dass eine Beziehung überhaupt entsteht oder aber sie werden ohnehin nicht mehr thematisiert. Und überhaupt gibt es da einfach ein paar Szenen, bei denen es mir heutzutage die Haare aufstellt. Zum Beispiel in Die nackte Wahrheit:

 

Die Love-Story

In jeder romantischen Komödie geht es irgendwo um Liebe – das steckt ja im Namen. Die Beziehungen, die im Normalfall das Ziel der Story sind, haben aber auch so ihre Eigenarten. Erstens spielt häufig das Schicksal eine Rolle – so finden sich Personen, die sich im realen Leben einfach nie wieder gesehen hätten auf schicksalhafte Weise wieder. Isn’t It Romantic persifliert das, indem der reiche und gutaussehende Blake Natalie seine Telefonnummer auf einzelnen Rosenblättern hinterlässt, die dann zum richtigen Zeitpunkt genau in der richtigen Reihenfolge zu Boden fallen. Ebenfalls unrealistisch ist die Schnelligkeit, mit der Beziehungen in romantischen Komödien häufig voranrücken – so wie bei Natalies bestem Freund Josh (Adam Devine): Im einen Augenblick rettet er einer hübschen Yoga-Botschafterin das Leben, wenige Tage später sind sie auch schon verlobt. Zu einer klassischen romantischen Komödie gehört natürlich auch ein dramatisches Liebesgeständnis mit einer kitschigen Rede, gerne in Kombination mit einer Rennszene in Zeitlupe, sei es nun, weil die Hauptfigur sich endlich klar über ihre Gefühle ist, oder vielleicht sogar weil sie eine Hochzeit aufhalten muss. Diese Szene stellt normalerweise das Finale dar, und das liegt natürlich daran, dass es immer Hindernisse auf dem Weg zur Beziehung gibt (sonst wäre der Film ja auch gleich vorbei). Ob das nun ein Liebesdreieck ist, eine unerwünschte (aber oft eigentlich doch sympathische) Konkurrenz, oder sehr tief vergrabene Gefühle für den eigentlich besten Freund, variiert. Sehr beliebt ist auch der „decoy guy“, also eine Art falscher Lockvogel, der die Beziehung mit dem „Richtigen“ aufschiebt: So hält es Natalie etwa für offensichtlich, dass der einzige Weg, aus der romantischen Komödie zu entkommen, ist, eine erfolgreiche Beziehung mit dem reichen und attraktiven Blake einzugehen – was natürlich nicht funktioniert.

 

Immer der gleiche Film?

Geht man etwas weg vom Inhalt und eher zur Oberfläche des Films, zeichnen sich auch hier Ähnlichkeiten ab. Die Vorliebe für Slow-motion-Szenen wurde ja schon erwähnt, es werden aber beispielsweise auch gerne Voice-overs benutzt, um das Innenleben der Hauptfigur oder Übergänge darzustellen. Ein beliebtes filmisches Mittel, das auch in Isn’t It Romantic aufgegriffen wird, sind zudem Montagen – diese werden etwa genutzt, um sich entwickelnde Beziehungen zusammenzufassen, aber auch besonders gerne, wenn verschiedene Outfits präsentiert werden, die Extremform findet sich etwa in 27 Dresses:

Natalie muss außerdem auf die harte Tour feststellen, dass romantische Komödien immer jugendfrei gehalten werden, sowohl was Flüche (wobei das nicht ganz so strikt ist) als auch was Sexszenen betrifft. Ein Beispiel im folgenden Clip, der auch den klassischen Kuss im Regen parodiert:

 

Die Zukunft der romantischen Komödie

Obwohl Valeska und ich beide gerne romantische Komödien schauen, stellten wir uns doch kurz die Frage: „Darf“ man als moderne Frau überhaupt noch romantische Komödien mögen? Grundsätzlich darf man natürlich sowieso mögen, was man will, auch romantische Komödien. Es ist aber wichtig, dass man zwischen diesen Filmen und dem echten Leben differenzieren kann. Und hier liegt auch das Problem, denn nicht alle, die diese Filme sehen, betrachten sie kritisch. Es können falsche Erwartungshaltungen geweckt werden und Druck kann entstehen. Gerade wenn ich an meine Jugendzeit zurückdenke, habe ich diese Filme deutlich weniger reflektiert betrachtet und empfand zum Beispiel die „Tipps“ aus dem obigen Clip aus Die nackte Wahrheit durchaus als sinnvoll und nachahmenswert. So gern wir beide also romantische Komödien schauen, so sehr wünschen wir uns auch, dass sie sich verändern und mit der Zeit gehen. Im Allgemeinen tun sie das auch durchaus, viele Filme aus den 80ern oder 90ern würden etwa heute nie mehr so akzeptiert werden. Dennoch gibt es noch viel Luft nach oben. Einige Dinge, die wir uns für die Zukunft wünschen würden: nicht mehr nur heterosexuelle Beziehungen, ein moderneres Frauenbild, realistischere Körperbilder (und vielleicht auch eine realistischere Umgebung), weniger Fokus auf der Veränderung für andere und vielleicht auch mal ein glückliches Ende ohne Beziehung.

Denn für gewöhnlich haben romantische Komödien ein Happy End, das aus einer glücklichen Beziehung besteht. Es gibt nur wenige Ausnahmen, so etwa Die Hochzeit meines besten Freundes. Auch Filme wie How to Be Single oder Er steht einfach nicht auf dich und einige andere versuchen, von den Klischees der romantischen Komödie abzuweichen. Oft gelingt dies aber nur teilweise. Gerade bei Isn’t It Romantic  waren wir zwar nicht gerade überrascht, aber dennoch etwas enttäuscht, dass der Film am Ende doch genau das Klischee erfüllt, das zuvor auf die Schippe genommen wird:  Endet zunächst die Rom-Com-Fantasie noch, indem Natalie nicht jemand anderem ihre Liebe gesteht, sondern Erkenntnis über ihre Selbstliebe gewinnt, so endet der Film in der Realität mit einer zwar sehr süßen, aber auch der Botschaft des Films widersprechenden Szene zwischen Natalie und Josh. Auch wenn noch ein „Josh doesn’t complete me. I complete myself.“ nachgeschoben wird: Es ist dennoch ein klassisches Rom-Com-Ende. Wir sind jetzt auf jeden Fall gespannt, was sich die nächsten Jahre im Bereich der romantischen Komödien noch tun wird.

 

Wie steht ihr zu romantischen Komödien? Findet ihr die Kritik übertrieben? Oder würdet ihr sogar noch weiter gehen?

Sandra Kalhofer

Sandra Kalhofer

Sandra liebt Sprachen und arbeitet gerne mit Kindern, deshalb studiert sie Lehramt Gymnasium mit den Fächern Englisch und Französisch. Ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Außerdem hat Sandra scheinbar viel zu viel Zeit, deswegen macht sie auch bei allen möglichen Gruppen und Projekten mit. Für KultLaute opfert sie aber besonders gerne ihre Freizeit.

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