Jujus Fanfiction – Fiction Fights #1

Der Polizist und sein Fisch

„Piper?“, Darryl öffnete hastig die Tür zum Haus der Halliwell-Schwestern. „Phoebe?“, atemlos rannte der Polizist durch den Flur, ins Wohnzimmer, an der Küche vorbei und wieder auf den Flur. „Prue?“ Keine der Schwestern war zu sehen, also stürmte Darryl die Treppe nach oben, durchsuchte ein Zimmer nach dem anderen und stand schließlich in der Dachkammer, die er unter normalen Umständen nie gewagt hätte zu betreten. Aber heute waren nun mal keine normalen Umstände.

„Verdammt, wo seid ihr?“, fragte er verzweifelt ins Leere und bekam prompt eine Antwort.

„Hier! Hallo! Hier drüben!“. Irritiert folgte Darryl der von einem besorgniserregenden Husten und Keuchen begleiteten, ein wenig kindlich klingenden und ihm völlig unbekannten Stimme bis in die Mitte des Raumes. Da lag es, aufgeschlagen auf einem kleinen Pult, das Buch der Schatten. Und mitten darauf lag ein dicker gelber Fisch mit Kartoffelnase und blauen Flossen und keuchte erbarmungswürdig.

„Hallo, Entschuldigung, könnten Sie mir vielleicht einen Schluck Wasser …“

Darryl nickte und ging die Treppe hinab in die Küche. Da lag ein Fisch auf dem Buch der Schatten. Einfach so. Darryl nahm ein großes Glas aus dem Küchenschrank der Schwestern und füllte die Flüssigkeit darin, von der er nicht so genau wissen wollte, worum es sich dabei handelte, in eine Obstschale. Nachdem er das Glas ausgespült und mit frischem Wasser gefüllt hatte, ging er wieder nach oben. Er erwartete fast, dass der sprechende Fisch verschwunden war, dass er nur eine Halluzination aufgrund der Hitze und des hektischen Morgens war, aber da lag er, groß und gelb und sein Keuchen war inzwischen in Schnappatmung übergegangen. „Hier“, sagte Darryl, und half dem Fisch, ins Wasserglas zu hüpfen.

„Danke“, sagte der Fisch und lächelte ihn an. Er lächelte. Darryl hatte nicht gewusst, dass Fische so etwas können. Aber für gewöhnlich konnten Fische auch nicht sprechen.

„Ich bin übrigens Fabius“, sagte der Fisch.

„Darryl“.

„Nett dich kennenzulernen, Darryl“, sagte der Fisch und begann zu erzählen. „Also, ich weiß nicht genau, wo ich bin, aber ich muss dringend wieder nach Hause. Ich muss Ursula aufhalten.“

„Ursula?“, unterbrach Darryl ihn.

„Ja, Ursula, die böse Meereshexe, du hast bestimmt schon von ihr gehört.“

„Noch eine Hexe“, dachte Darryl resigniert.

„Sie hat Tritons Dreizack gestohlen, um die Herrscherin der Meere zu werden. Ich bin ihr bis in eine Höhle gefolgt. Ganz alleine. Arielle kann ja nicht, weil sie mit ihren dummen Beinen nicht so weit schwimmen kann, wirklich unnütz, diese Beine, ich habe ihr ja gleich gesagt, dass es keine gute Idee ist, wir hätten einfach schön gemütlich in unserer Unterwasserwelt bleiben können, aber nein, sie muss sich ja in diesen Typen verlieben und … tut mir leid, ich schweife ab.“ Darryl verstand kein Wort. Aber das war nichts Neues. Seit er das Geheimnis der Halliwell-Schwestern kannte, stand sein Leben Kopf. Und der Vorfall heute Morgen hatte das wieder eindeutig bewiesen.

„Ich hab gesehen, wie sie dastand, den Dreizack nach oben gehalten hat und irgendetwas von ‚Macht der Drei‘ gemurmelt hat.“ Darryl schaute Fabius entsetzt an. Das war nicht gut, das war gar nicht gut. „Ich wollte sie aufhalten und bin hoch aus dem Wasser gesprungen und dann war ich plötzlich hier“, beendete der Fisch seine Erzählung.

„Du meinst also, du warst plötzlich hier … das bedeutet …“ Darryl stockte. Er wollte es nicht aussprechen, wollte nicht, dass es durch das Aussprechen zur Gewissheit wurde. „Dass Piper, Phoebe und Prue jetzt dort sind“, flüsterte Darryl tonlos.

„Auf jeden Fall muss ich zurück, um Ursula aufzuhalten und Atlantika zu retten“, sagte der Fisch. „Und San Francisco“, fügte Darryl hinzu.

„Was?“ fragte der Fisch und seine ohnehin schon großen Augen wurden größer.

„Ich komme mit“, sagte Darryl. Ohne die Schwestern würde der Dämon, der heute Morgen die Golden Gate Brücke zerstört hatte, sich auch noch den Rest der Stadt einverleiben. Die drei Hexen mussten die Stadt beschützen. Doch dazu musste er sie erst befreien.

„Ich brauche keine Hilfe, ich bin mutiger als ich aussehe!“, sagte Fabius.

„Nichts für ungut, aber du bist nur ein Fisch.“ Fabius schwieg beleidigt. Irgendwann murmelte er dann leise: „Na schön, du kannst mitkommen. So mutig bin ich eigentlich auch gar nicht.“

„Gut, ich weiß auch schon, wer uns helfen kann.“

Darryl würde Leos Blick, als Darryl und ein großer gelber Fisch ihn darum baten, sie nach Atlantika zu teleportieren, nie vergessen. Natürlich hatte er sich erst geweigert. Aber das Argument, dass sie dadurch gleich zwei Welten retten konnten, hatte den Wächter des Lichts schließlich überzeugt.

Als Darryl in der dunklen und kühlen Höhle stand, in der es unangenehm nach Algen und Fäulnis roch, kamen ihm doch Zweifel, ob ein einfacher Polizist des San Francisco Police Departments und ein großer gelber Fisch wirklich die geeignetsten Kandidaten für diese Rettungsaktion waren. Doch viel Zeit, darüber nachzudenken, blieb ihm nicht, denn bereits nach der nächsten Höhlenbiegung sah er Ursula. Sie war um einiges hässlicher, als Fabius sie ihm beschrieben hatte, mit ihren weißen Haaren und den schwarzen Tentakeln. Ein Tentakel hielt den Dreizack fest umklammert, mit einem anderen strich die Meereshexe über die Tür eines Käfigs, deren drei Gefangene Darryl nur zu gut kannte. Piper sagte etwas, das Darryl auf die Entfernung nicht verstehen konnte und Ursula schlug mit dem Dreizack wütend gegen den Käfig. Anscheinend hatte Ursula ihr Ziel, Herrscherin über die Meere zu werden, noch nicht verwirklichen können und Darryl konnte sich nur zu gut vorstellen, dass sie es mit den drei Hexen nicht allzu leicht gehabt hatte. In dem Moment entdeckte Piper ihn. Und Ursula drehte sich zu ihm um.

„Vielleicht wäre es gut gewesen, sich vorher einen Plan zurechtzulegen“, dachte Darryl. Aber normalerweise hatte er auch Verstärkung, die er jeder Zeit anfordern konnte. Seine Verstärkung hier bestand, nun ja, aus einem Fisch. Nicht gerade tröstlich. Ein ekelhaftes Lächeln umspielte die Lippen der Meereshexe, als sie sich betont langsam auf ihn zubewegte. „Sieh mal einer an, ein Polizist und sein Fisch versuchen die Welt zu retten“, sagte sie mit gehässiger Stimme.

„Wirf mich!“, rief Fabius in diesem Moment. Darryl schaute ihn nur besorg an.

„Hältst du das für klug?“, fragte Darryl.

„Ich bin ein Doktorfisch, ich hoffe einfach, dass ich klug bin“, erwiderte Fabius. „Jetzt wirf mich endlich!“. Es war nicht so, als hätte er gerade eine bessere Idee, also nahm er Fabius aus seinem Glas und warf ihn auf Ursula. Das Footballtraining zu Schulzeiten machte sich endlich bezahlt und Fabius flog der Meereshexe mitten ins Gesicht. Mit aller Kraft, die in seinen kleinen Flossen steckte, klammerte der Fisch sich an ihren Haaren und Ohren fest und Ursula stöhnte erschrocken auf. Darryl nutzte die Ablenkung und entriss der Hexe den Dreizack. Aus reiner Gewohnheit legte er der Meereshexe Handschellen um, bevor er die drei Schwestern aus ihrem Käfig befreite, und sie ihm lachend um den Hals fielen.

Erst da fiel ihm Fabius wieder ein und er legte den Fisch behutsam in sein Glas zurück. Fabius lächelte ihn erschöpft an. „Das war ziemlich mutig“, sagte Darryl „für einen Fisch“. Darryl wusste nicht, dass Fische rot werden können, doch Fabius Wangen verfärbten sich tatsächlich leicht.

„Ja, du warst auch echt mutig. Für einen Polizisten. Was auch immer das sein mag.“ Darryl lachte „Das erkläre ich dir, wenn du das nächste Mal in San Francisco bist.“

„Versprochen?“

„Versprochen“, sagte Darryl. Er bewunderte diesen kleinen schüchternen Fisch, der all seinen Mut zusammengenommen hatte, um seine Welt zu retten. Er hielt Fabius seine Hand hin und der Fisch schlug mit seiner kleinen blauen Flosse ein.