Jujus Theaterwoche

Die etwas unlogische Konsequenz daraus, dass ich beruflich nicht in Richtung Theater gehen werde, ist, dass ich dieses Semester mehr Theater denn je habe. Da ist zum einen das Stück Liliom der Theatergruppe Spielsucht, bei dem ich die beste Freundin der weiblichen Hauptfigur spiele. Und zum anderen das Theaterstück Kabale. der Gruppe Kultlaute. Bei diesem Stück habe ich das Skript geschrieben und bin inoffizielle Quasi-Regieassistenz – sprich, ich gebe in den Proben meinen Senf zum Stück dazu und drücke mich vor dem unangenehmen Organisationsteil. Und dann gibt’s da ja auch noch die Impromenaden. Eine typische Theaterwoche von mir sieht also folgendermaßen aus:

Montag – Liliom – Fundus

Die Theaterwoche beginnt Montag 14 Uhr mit einer Fahrt in den Theaterfundus in Mainkofen mit Spielsucht. Die Hinfahrt ist eine einzige Odyssee. Drei Autos machen sich auf den Weg und ich habe mir definitiv das chaotischste ausgesucht. Im Nachhinein gesehen hätte es Vorteile gehabt, sich vorher zu erkundigen, wo genau der Fundus überhaupt ist. Das hätte einem das Herumgegurke in Deggendorf, die diversen Sackgassen und den Abstecher in die Tiefgarage sicherlich erspart. Eine Stunde später als Auto Nummer eins schaffen wir es dann aber doch noch nach Mainkofen.

Foto: Robert Hickmann

Foto: Robert Hickmann

Inzwischen war ich schon öfter in diesem Fundus, dennoch bin ich jedes Mal begeistert davon. Der Fundus besitzt Räume, in denen Mädchenträume wahr werden. Etwas muffig riechende Mädchenträume mit einer Restangst vor Läusen. Aber Mädchenträume. Kleider aus allen möglichen Epochen und Zeiten. Es ist nicht gerade einfach, etwas fürs Stück zu finden, vor allem, weil man sehr leicht abgelenkt wird. Der Regisseur wünscht sich Glitzer und Klamotten von weiß bis grau, um dem Stück einen gewissen Disko-Flair zu geben. Schließlich finde ich doch etwas und erweitere meine Sammlung hässlicher Bühnenoutfits um ein weiteres.

Währenddessen bin ich nicht die einzige, die etwas vom eigentlichen Thema abkommt und Spaß am Verkleiden findet. Regisseur Michi beispielsweise untergräbt seine eigene Autorität in einem Frauenkleid mit lila Frack und Mozart-Perücke. Endlich haben alle gefunden, was sie gesucht oder auch nicht gesucht haben und auch die nette Fundus-Dame scheint sichtlich erleichtert zu sein, die laute 12-köpfige Meute wieder los zu sein. Nach einem Abstecher zu Mäci geht es wieder Richtung Uni, wo noch fürs Stück geprobt wird.

Dienstag –  Kabale. – Probe

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Foto: Sophia Heckmann

Um 18 Uhr beginnt die Probe zu Kabale. Anna, eine der Schauspielerinnen macht den großen Fehler Kekse und Überraschungseier in die Probe mitzunehmen. Aus einer eigentlich ernsthaften Probe wird das Herumalbern mit winzigem Spielzeug. Eine Szenerie, die so herrlich gut zum Stück passt. Das eigentlich sehr ernste und dramatische Stück Kabale und Liebe von Schiller wird hier in die absurde Umgebung einer Psychiatrie gepackt. Der Präsident mit schon im Stück angelegtem Napoleonkomplex verbietet seinem Sohn Ferdinand die ebenfalls im Stück schon depressive Luise zu heiraten und brütet eine Kabale aus. Wie auch im Original ist auch hier von wahrer Liebe nicht viel zu spüren, daher auch der verkürzte Titel.

Trotz Herumalbern und die Ablenkung von Minikreiseln, fahrenden Minimotorrädern und -autos, wird es wider Erwarten doch noch eine konzentrierte Probe, in der die Schauspieler ganz in der Rahmenszenerie aufgehen und eifrig neue Ideen zur Umsetzung liefern.

Mittwoch –  LiliomProbe

Ebenfalls um 18 Uhr beginnt die vierstündige Probe für Liliom. Das Stück ist schwer zu beschreiben. Es geht um das Paar Julie und Liliom und ähnlich wie bei Kabale. fragt man sich auch hier, ob das denn wirklich Liebe ist. Liliom ist ein etwas rauer und unbeherrschter Charakter, dennoch entscheidet sich Julie für ihn und gegen eine „konventionelle“ Ehe, wie sie beispielsweise ihre Freundin Marie anstrebt. Am Ende bekommt Liliom eine zweite Chance, doch es sei hier nicht verraten, ob er diese nutzt. Alles in allem ein sehr nachdenkliches Stück.

Die Proben sind hingegen meistens relativ laut. Es ist die eindeutig chaotischere Theatergruppe der beiden und sie ist eher selten vollständig nüchtern.

Donnerstag – Kabale.Fotoshooting

Am Donnerstag ist das Fotoshooting für Kabale. Vorher geht es noch Shoppen mit Regisseur Basti. Schließlich gehören zu einem guten Fotoshooting Rosen, Schnapsgläser und eine Spielzeugpistole. Die Fotos sind in erster Linie für das geplante Programmheft und die Facebookwerbung und alle Schauspieler sind in Kostümen und mit Requisiten erschienen. Jules, die auch schon die Fotos für Der unsichtbare Gastgeber schoß, fotografiert auch heute. Es wird fleißig geschminkt und an Requisiten gebastelt. Anschließend sitzen Basti und Jules noch bis vier Uhr morgens an den Fotos, bis sie endlich perfekt sind.

Freitag – Impromenaden

Und dann, zum Abschluss der Woche, geht es am Freitag Abend zu der Impromenaden-Probe. Hier wird improvisiert was das Zeug hält. Das Thema der Probe ist „Wahrnehmung“ und wir spielen viele Szenen zu diesem großen Überthema. Zu einer gemeinsam ausgewählten Vorgabe werden unterschiedliche Spiele gespielt. Was anfangs große Überwindung war, ist inzwischen um einiges einfacher geworden. Und das schönste daran ist, dass es zusätzlich auch noch Spaß macht. Die Probe endet mit einem „Ring of Fire“, einem Kreis, bei dem gemeinsam gesungen und getanzt wird und schließlich landen die meisten noch im Nixnutz um zusammen was zu trinken.

Damit endet eine anstrengende, aber schöne Woche voller Theater. Und so unterschiedlich die einzelnen Projekte auch sein mögen, sie haben eine Gemeinsamkeit: lauter verrückte Menschen, die verrückte und wunderbare Dinge auf die Bühne bringen. Und darauf kommt es schließlich an.

Julia Jung

Julia Jung

Juju ist 25 Jahre alt und studiert den Master Text- und Kultursemiotik in Passau. Ihre Leidenschaft zum Schreiben hat sie schon im Kindesalter entdeckt. Das Einzige, was ihr mehr Spaß macht als Texte zu schreiben, ist sie auf Bühnen selbst vorzutragen.

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