KinoLaute: „Ant-Man and the Wasp“

„Ant-Man and the Wasp“ ist die Fortsetzung des 2015 erschienen „Ant-Man“ und der vierte Marvel-Film dieses Jahr (wenn man Deadpool 2 mitzählen möchte). Ant-Man Scott-Lang wurde – nach seiner Beteiligung am Marvel-Civil War – zu einem zweijährigen Hausarrest mit elektronischer Fußfessel verdonnert. Das zehrt nicht nur an den Nerven des etwas aufgedrehten Ex-Kriminellen, sondern wird – kurz vor Ende seiner Strafe – besonders problematisch: In einem Traum erhält er eine Art Botschaft von Janet van Dyne bzw. Wasp. Sie ist die Ehefrau von Hank Pym, dem ehemaligen Ant-Man und Entwickler der Größenveränderungs-Technologie, die die ganze Nummer überhaupt erst ermöglicht und Mutter von Hope van Dyne, die mittlerweile den geflügelten Anzug von Wasp trägt. Janet ist vor vielen Jahren so sehr geschrumpft, dass sie im „Quantum-Realm“ festsitzt, einer unerforschten Mikroebene, die man aus eigenem Antrieb kaum verlassen kann. Unterstützt von Scott und mit Hilfe einer Menge Schrumpf- und Vergrößerungs-Technologie, versuchen Hank und Hope nun ihre Ehefrau/ Mutter zurückzuholen. Dabei müssen sie sich mit einem skrupellosen Waffenhändler, dem FBI (das Scott überwacht) und der – zunächst – rätselhaften Antagonistin Ghost herumschlagen, die ihre ganz eigenen Ziele verfolgt. Ganz nebenbei muss Scott auch noch seiner Rolle als Vater einer zehnjährigen Tochter gerecht werden und seine geschädigte Beziehung zum Love-Interest Hope managen. Was die KultLaute-Redaktion von dem Action Spektakel um die gleichzeitig kleinsten und größten Helden der Marvel-Filmreihe hält, könnt ihr hier lesen.

 

Jakob: 5/10
Antman ist kein schlechter Film, aber allgemein wenig bemerkenswert. Er ist im Großen und Ganzen unterhaltsam und bietet viele Gags, von denen einige der besten aber leider mal wieder im Trailer vorweggenommen wurden. Viele der Gags wirken zudem sehr gewollt und sind mit einem fast greifbaren „hier sollst du jetzt lachen“-Stempel versehen. Die Story ist irgendwie okay, aber ganz bestimmt kein Meisterwerk. Der Filme hätte wesentlich gewinnen können, wenn man sich mehr mit dem Quantum-Realm und den dort geltenden Gesetzen auseinandergesetzt hätte, dies wird aber zu Gunsten einer konventionellen Action-Handlung eher vernachlässigt. Die Vergrößerungs- und Verkleinerungseffekte des Films sind allerdings zugegebenermaßen gut gemacht und toll anzusehen. Die zahlreichen Logiklücken sind verzeihbar, es ist eben ein Comic-Film. Vor allem Hintergrundgeschichte + Motivation der Antagonistin Ghost wirken aber lieblos zusammengezimmert. Warum der Film dann letztlich unbedingt drei Antagonisten haben muss, erklärt sich mir auch nicht. Dadurch kann man keinen der Dreien wirklich charakterisieren. Die Charaktere (einschließlich des Protagonisten) entsprechen ohnehin durchgehend Klischees und bieten wenig Identifikationspotential. Das Schauspiel ist durchschnittlich bis demotiviert, bis auf einige witzige Leistungen des Protagonisten (Paul Rudd) und Abby Ryder Fortson als dessen Tochter, die das zuckersüße Hollywood-Kleinmädchen-Klischee perfekt ausfüllt. Wie man auf die Idee kommen konnte Laurence Fishburne in eine nahezu irrelevante Nebenrolle zu stecken ist mir schleierhaft.
Alles in allem ist „Ant Man and the Wasp“ ein spaßiger, aber sehr durchschnittlicher und vergessenswerter Film, der leider nicht mehr den Reiz des Neuen hat, den sein Vorgänger noch hatte.

Andi: 6/10
Die Antman Serie hat irgendwie ein schlechtes Timing. Während Antman unter dem Hype, der Age of Ultron umgab verblasste, wirkt dieser Film trivial gegenüber dem Schicksal der kompletten Galaxie, das in Infinity Wars auf dem Spiel steht. Und beim ersten Teil war das echt schade, da ich den Film wirklich gut und innovativ fand. Beim zweiten Teil allerdings ist das ganze nicht mehr so dramatisch. Vielleicht liegt es daran, dass die ganzen coolen Konzepte (Kampfszenen mit kreativem Einsatz von Schrumpfen, Ameisen-Armeen und die geniale Komik Michael Peñas) halt schon im ersten Film benutzt worden sind und mittlerweile nicht mehr innovativ, sondern eher ausgelutscht wirken. Vielleicht liegt es auch am äußerst irrelevanten Plot und dem nächsten vollkommen nichtssagenden Marvel-Bösewicht. Dass der Film dann trotzdem noch so viele Sterne erhält, liegt an drei Dingen: Zum ersten sind die Kampf- und Verfolgungsszenen immer noch einfach gut gemacht. Zum anderen ist Antmans Tochter einfach super cute und die Auftritte des Sidekicks Luis haben mich dann doch jedes Mal zum Lachen gebracht. Zusätzlich gibt es eine tolle Freaky Friday Szene, die ich sehr genossen habe, auch weil hier der Hauptdarsteller dann doch endlich mal ein schauspielerisches Highlight setzt. Daher ist das ganze dann am Ende doch noch nen Tick besser als der Durchschnitt. 

Maike: 5/10
Als die letzte After-Credits Szene gelaufen war, rief einer der Kinogänger hinter mir: “#disappointing!” Ich konnte ihn leider verstehen.
Der erste Ant-Man Film hatte mich absolut positiv überrascht. Der Film war lustig, nahm sich nicht besonders ernst und war vor allem nach dem damals kurz zuvor veröffentlichten “Avengers – Age of Ultron” eine willkommene Abwechslung. Mehr noch als vor drei Jahren endete dieses Jahr “Avengers – Infinity War” mit einem Cliffhanger sondergleichen.
“Ant-Man and the Wasp” versucht sich an einem ähnlichen Humor wie der erste Teil, aber irgendwie schafft der Film es nicht die gleiche lockere, humorvolle Atmosphäre seines Vorgängers aufzubauen. Gleichzeitig schafft der Film es auch nicht, mir das Gefühl zu geben es könnte wirklich etwas schlimmes passieren. Während ich bei “Infinity War” 90% des Filmes “bitte nicht Charakter xzy töten” (okay hauptsächlich “bitte nicht Captain America oder Winter Soldier töten”) dachte, hatte ich hier nicht wirklich das Gefühl es könnte jemandem, der mir etwas bedeutet etwas passieren. Also Scott Lang oder seiner süßen, kleinen Tochter.
Dazu hat “Ant-Man” das notorische Marvel-Problem mit seinen Bösewichten. Der Film leidet unter unnötig vielen klischeehaften Charakteren, die ihn eher zumüllen, als bereichern.
Ich finde außerdem, der eher schwache Plot um Janet van Dyne hätte Material für einen ganz anderen und vielleicht viel spannenderen Film bieten können. 
Das klingt alles recht negativ. Trotz allem war der Film an sich unterhaltsam und hatte immer wieder wirklich lustige Momente. Vor allem Scott, seine Tochter und seine Kollegen sorgen immer wieder für tolle Momente.
Generell leidet der Film aber unter enttäuschender Einfallslosigkeit und hätte mit etwas mehr Aufmerksamkeit wesentlich besser sein können. Man merkt, dass Marvel sich auf seinen Lorbeeren ausruht und sich im Wissen, dass die Fans sich den Film ohnehin anschauen werden, nicht so viel Mühe gegeben haben, wie es der Film – und Ant-Man – verdient gehabt hätten.

Sandra: 6/10
Eigentlich kann ich zu Ant-Man and the Wasp gar nicht viel schreiben, irgendwie habe ich keine wirkliche Meinung. Das wiederum charakterisiert den Film ganz gut, er war nämlich relativ nichtssagend. Er war nicht wirklich schlecht, ich habe mich schließlich nicht gelangweilt, Paul Rudd hat eine solide bis gute Leistung hingelegt und Abby Ryder Fortson als Tochter hat den Film nochmal rausgerissen, aber gut war er auch nicht. Ich war insgesamt von dem Film etwas enttäuscht, weil ich den ersten Teil sehr gut fand und mir vom zweiten Teil mehr erhofft hatte. Die Motivation der Figuren fand ich nicht immer nachvollziehbar und meinen Humor hat der Film auch nicht immer getroffen. Das 3D hat sich für mich auch nicht gelohnt – als ich zwischendurch meine Brille geputzt habe, war ich schon versucht, sie einfach unten zu lassen -, aber es hat zumindest auch nicht großartig gestört, was für mich bei 3D eh schon ein Pluspunkt ist. Insgesamt ist Ant-Man and the Wasp solide – viel mehr aber auch nicht.

Sophia: 4/10
Obwohl wir Ant-Man and the Wasp gestern erst gesehen haben, habe ich das Gefühl, schon wieder die Hälfte vergessen zu haben. Besonders einprägsam oder mitreißend war der Film nämlich nicht. Als der Film gerade losging dachte ich auch zuerst, die Trailer wären noch garnicht vorbei – bis dann das Ant-Man-Kostüm auftauchte (zugegeben, das könnte auch einfach Unaufmerksamkeit auf meiner Seite gewesen sein). Als Hannah John-Kamen als Ava bzw. „Ghost“ zum ersten Mal auftauchte wuchs in mir die Hoffnung, dass es einen neuen ziemlich coolen Bösewicht geben könnte (das Kostüm und die Effekte fand ich auf den Ersten Blick ziemlich vielversprechend), doch diese wurde schnell wieder zur Nichte gemacht. Hier ein kurzer Einblick, wie ich mir das Gespräch vorstelle, in dem „Ghost“ gepitcht wurde:
Produzent: Ich habe gehört, dass Bösewichter, die relatable und diverse sind gerade total im Trend sind. Sowas brauchen wir auch.
Drehbuchautor: Okay, wie wäre es mit einer weiblichen, farbigen, verwaisten Frau, die ununterbrochen Schmerzen erleiden muss und zufälligerweise irgendwie genau um sich zu heilen Hopes Mutter umbringen muss? Da haben wir dann alles abgedeckt und die Schauspielerin muss eigentlich gar nichts mehr machen.
Produzent: Nice. Und wie genau funktioniert das mit dem heilen?
Drehbuchautor: Interessiert eh niemanden, das mit dem Schrumpfen und der Quantenebene checkt doch auch schon keiner. 
Produzent: Stimmt. Gekauft. Aber ich will auch noch einen super bösen unsympathischen Profithai.
Drehbuchautor: Done!
Wie aus diesem Dialog außerdem hervorgeht, stört mich bei Ant-Man – obwohl man sowas bei Superheldenfilmen noch eher hinnimmt als anderswo – dass die ganze Pseudo-Wissenschaft sich ständig selbst widerspricht (im ersten Teil wurde ja erklärt, dass geschrumpfte Dinge ihre Masse behalten und lediglich dichter werden – dann könnte man aber auch keinen Panzer in der Tasche rumtragen etc. etc.). Bei Ant-Man and the Wasp wird das ganze aber so undurchsichtig und eben mal schnell übergangen, dass es mir den Film ziemlich kaputt gemacht hat. Alles funktioniert eben einfach so wie es funktioniert und das ist dann halt so, mit Erklärungsversuchen wird sich da gar nicht lang aufgehalten. Ich sage ja nicht, dass ein Film in diesem Genre sich irgendwelchen physischen Gesetzen unterwerfen soll, das wäre schließlich auch absurd, aber wenigstens in sich könnte er schlüssig sein. 
Der Humor wirkte stellenweise zwar etwas aufgesetzt, aber der ein oder andere große Lacher konnte den Film dann doch noch auflockern und den Unterhaltungswert erheblich steigern. Schauspielerisch gab es für mich keine großen Ausbrecher, weder im positiven, noch im negativen Sinne, allerdings hat mich die deutsche Synchro besonders bei den ansonsten sehr amüsanten Erzählungen von Luis (gespielt von Michael Peña) etwas gestört. 
Wenn man es schafft, wirklich abzuschalten und sich nicht von den Plotholes, den wirklich unoriginellen Gegenspielern und der sehr vorhersehbaren Storyline („Wir retten Mama!“) stören lässt, kann man von dem Film aber dennoch ganz gut unterhalten werden. Dafür gibt es auch die noch übrigen 4 Punkte.  

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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