KinoLaute: „Fantastic Beasts: The Crimes of Grindelwald“

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen ist der zweite Teil der auf fünf Teile ausgelegten Vorgeschichte der Harry-Potter-Reihe. Nach dem ersten Teil, der im November 2016 anlief, erzählt der zweite Teil nun weiter vom Aufstieg des bösen Zauberers Gellert Grindelwald und lässt dabei – ganz nebenbei – den magischen Zoologen Newt Scamander, der auch irgendwie in die Geschichte verwickelt ist, Abenteuer mit unbekannten und faszinierenden magischen Kreaturen erleben. Was unsere Kult-Laute-Redaktion (einige davon Potterheads aus Leidenschaft) von diesem Film denken, könnt ihr hier lesen.

Die Charaktere – Bildquelle: https://i.ytimg.com/vi/rq17KT9BYfU/maxresdefault.jpg

Jakob: 4/10
Phantastische Tierwesen 2 hat graphisch einiges zu bieten, sowohl was die Locations, als auch was die Auftritte der „Tierwesen“ angeht. Während der erste Film noch sehr charmant und schön anzusehen war, erfüllt der zweite genau die Befürchtungen, die man bei einer Reihe hat, die künstlich auf fünf Teile aufgebauscht wird, aber eigentlich maximal (!) Erzählstoff für drei Teile bieten würde. Die Handlung ist kaum vorhanden und fließt in einem sehr seltsamen, inkonsequent-wackligen Tempo vor sich hin. Alles was ihr Form bzw. dramatische Struktur geben soll, wirkt wie ein unbeholfen eingebautes Gerüst bzw. der Versuch eines wenig talentierten Schneiders viele Fetzen zu etwas halbwegs Brauchbarem zusammenzufügen.
Dazwischen kommen immer wieder Lückenfüller- und Dehnungs-Szenen verschiedener Art, z.B. mit den namensgebenden Tierwesen. Letztere braucht es ja irgendwie, damit der Film so heißen kann, wie er heißt, aber eine große Rolle spielen sie ganz ehrlich nicht. Eher unbeholfene Rückblenden dienen dazu, den Figuren Charakter zu verleihen und die Auftritte bekannter Figuren, wirken so dermaßen wie ungeschickter Fan-Service, dass es nur auffälliger wäre, wenn es  Einblendungen mit dem Schriftzug „Guck mal, das ist Person XY, die kennst du doch, oder? Freust du dich? Hm, hm?“ gäbe.
Was die eigentliche Handlung angeht: Sie ist schlicht uninteressant. Viel lieber hätte ich mit Phantastische Tierwesen eine schöne Reihe gehabt, in der Newt Scamander in der Welt herumreist, sich tatsächlich mit magischen Tieren beschäftigt und sein Buch verfasst. Daraus ließen sich wunderschöne Storys bauen,  sicherlich bessere als die leider sehr generische Aufstiegsstory von Jack Sparrow, der sich als Voldemort 1.0 verkleidet hat. Nein, Johnny Depp macht seinen Job nicht schlecht aber zum ersten ist es noch immer eine miese Cast-Entscheidung, zum zweiten ist der Charakter – wenn man ehrlich ist – langweilig geschrieben und zum dritten: Wer hat sich diese Frisur ausgedacht?
Nein, der Film ist nicht wirklich schlecht, er bietet viele Szenen und einige interessante Charaktere und nette Einfälle, die für sich sehr cool und charmant wären. Aber alles zusammengenommen plätschert er eben ohne besonderes Ziel und oft erzählerisch ungeschickt vor sich hin und nimmt sich ermüdend viel Zeit um das Set-Up für die späteren Filme zu schaffen.  Man kann hoffen, dass es besser wird, aber ich befürchte sehr, dass die weiteren drei Filme, die die Zeit bis zu Grindelwalds Niederlage Ende des zweiten Weltkriegs abdecken müssen, ähnlich werden. Aber irgendwie muss ja Geld in die Kassen gespült werden und letztlich schaut man sich das Ding – armes Medienopfer das man ist – dann doch an.

Sandra: 6/10
Insgesamt muss ich (als absoluter Harry-Potter-Fan) leider sagen, dass ich vom zweiten Teil der Phantastische-Tierwesen-Reihe enttäuscht war. Es ist zwar ein bisschen unfair, weil der erste Teil die Latte einfach sehr hoch gelegt hat, aber andererseits kann man einen zweiten Teil auch schlecht völlig unabhängig beurteilen. Was mich am meisten gestört hat, war die schlechte Erzählweise des Films. Ich kann zwar Handlungen nicht so gruselig genau vorhersehen wie Andi, aber ich bin auch nicht der allerdümmste Zuschauer. Trotzdem war ich sehr häufig verwirrt. Es kam mir ein bisschen vor wie bei Westworld, nur dass dort jeder Plotstrang wieder aufgenommen und alles genial miteinander verflochten wird. Bei Grindelwalds Verbrechen sind entweder die Fäden verloren gegangen oder es sind Knoten entstanden. Ein bisschen weniger parallellaufende Handlungsstränge hätten dem Film wirklich gut getan, aber selbst dann bleibt die Erzählung des eigentlichen Plots erstaunlich unspektakulär. In dieser Hinsicht hat den Film wohl das klassische Schicksal des zweiten Teils ereilt. Dazu kommt dann noch meine persönliche Abneigung gegen Johnny Depp als Grindelwald (und gegen denjenigen, der diese furchtbare Frisur veranlasst hat). Er spielt schon gut, ich finde einfach nur, dass er sich nicht für diese Rolle eignet. Es gibt noch einige Kleinigkeiten, von denen ich nicht begeistert war (wtf, Queenie??), aber trotz aller Kritikpunkte bietet der Film gute Unterhaltung, ist visuell ansprechend und schafft es zumindest bis zu einem gewissen Grad, einen wieder in die vertraute Zaubererwelt zu versetzen. Deshalb trotzdem 6 Punkte und die Hoffnung, dass der nächste Teil besser wird.

Maike: 3/10
Vorab: Ich bin ein großer Harry Potter Fan. Jeder der mich kennt weiß das. Ich habe die Bücher öfter gelesen als ich zählen kann, in meinem Zimmer hängt ein Gryffindor Schal, ich besitze jede Menge HP Fanartikel. Aber die letzten Jahre haben mich von einem HP (und damit JK Rowling) Fan zu jemandem gemacht, der eine klare Linie zwischen den HP Büchern und Filmen und JK Rowling zieht.
Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen ist (neben The Cursed Child und Rowlings Twitter Account) ein weiterer Grund dafür. Zunächst: Grindelwalds “Verbrechen”? Davon sieht man nicht viel. Ganz davon abgesehen, dass ich Depp mittlerweile weder als Schauspieler noch als Menschen ausstehen kann, finde ich ihn in der Rolle als Grindelwald komplett falsch gecastet. Er stellt den angeblich so charismatischen Zauberer als seine standard Psychopathen-Rolle dar. Die Verwandlung von Colin Farell zu Johnny Depp war bereits die enttäuschendste Szene im ersten Film. Der zweite lässt mich Farells Charisma nur noch mehr vermissen.
Zu meiner Depp Abneigung kommt ein stellenweise fragwürdiges Editing (seltsame Close-ups, wackelige Kamera ohne ersichtliche Motivation, eine unnötige Verfolgungsszene im Regen), unsinnige Charakteränderungen (Nagini ist eine Schlange. Punkt.) und ein Drehbuch, das Widersprüche zu bestehendem Kanon in den Harry Potter Büchern enthält. Minerva McGonagall lebte in den 1920ern noch nicht, wie kann sie in Hogwarts unterrichten? Dumbledore unterrichtete Verwandlung, nicht Verteidigung gegen die dunklen Künste.
Zuletzt hatte Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen nicht nur wenige Verbrechen von Grindelwald, sondern leider auch nur wenige fantastische Tierwesen.
Die größten Verbrechen in diesem Film sind JK Rowlings schlechtes Drehbuch und Johnny Depps Grindelwald. Trotz meiner Begeisterung für Harry Potter, Eddie Redmayne und dem visuell phantastisch gestalteten Universum kann ich dem Film daher nicht viel abgewinnen.

Andi: 4/10
Eddie Redmayne ist für mich wie Fußpilz: nicht furchtbar schlimm, aber ohne wäre es schon wesentlich angenehmer.  Er ist aber nicht der Grund, warum dieser Film für mich doch eher enttäuschend war. Und auch Johnny Depp ist daran nicht schuld, lasst euch das nicht von den anderen einreden! Sein Schauspiel ist grundsolide und man nimmt ihm den charismatischen Grindelwald durchaus ab, wenn man nicht schon vor dem Film überzeugt war, dass er sicher nicht in die Rolle passen wird (Sandra *hust* Maike *hust*). Die Frisur ist aber trotzdem scheiße. 
Die riesige Schwäche dieses Films ist die Handlung an sich und wie diese erzählt wird. Hinzu kommen massive Logiklücken. Und das ist echt schade, da die Optik, Musik und eigentlich alles andere wirklich gut bis sehr gut ist. Mich persönlich stört tatsächlich am meisten, wie massiv übermächtig Magie auf einmal wird. Wenn ein 0815-Auror plötzlich mächtiger ist, als es Dumbledore und Voldemort in Harry Potter jemals waren, wirkt das einfach lächerlich. Auch die Handlung ist echt komisch. Die Figuren werden durch diverse epische Handlungsschauplätze gepeitscht (Gräber, Schlösser, Ministerien) ohne, dass sie irgendeinen sinnvollen Grund hätten an diesen Orten zu sein. Stattdessen werden ständig irgendwelche sehr dünnen Gründe erfunden, warum sich jetzt alle genau an diesem Ort treffen sollen, nur damit man eine coole Stage für den nächsten Magiekampf hat. Und dann ist der finale Showdown zwischen dem Ministerium und Grindelwald, nach all dem überkrassen Gebrauch von Magie zuvor, auch noch total langweilig. Ich möchte hier nicht spoilern, aber der Kampf zwischen einer mächtigen Gedankenleserin, dem stärksten lebenden Zauberer, der auch noch den Elderstab besitzt, dem besten Tierkundigen, einer Lestrange, einem unsterblichen Alchemisten, dem stärksten Obscurus, der jemals existierte und dem elitären Aurorentrupp des Ministeriums  ist aus vollkommen unerklärlichen Gründen äußerst fade und gezaubert wird quasi gar nicht. Und das alle 5 Minuten jemand mit Vielsaft-Trank in das Zauberei-Ministerium einbricht, ist einfach lächerlich.

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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