KinoLaute: „Knives Out“

Mit Knives Out versucht sich Regisseur Rian Johnson, der durch Star Wars Episode VIII bekannt wurde, an einem Film ganz ohne Lichtschwerter, Raumschiffe und Außerirdische. Vielmehr handelt es sich um einen auf den ersten Blick klassischen Krimi nach dem „Whodunit“-Prinzip, der an Agatha Christie oder Dorothy L. Sayers erinnert. Ein überaus erfolgreicher Kriminalautor wird tot in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Vermeintlich hat er Selbstmord begangen. Doch aus irgendeinem Grund wurde der Privatdetektiv Benoit Blanc angeheuert um in diesem mehr als rätselhaften Fall zu ermitteln. Dabei muss er sich der unleidigen Verwandtschaft des Verstorbenen stellen, die vor allem an dessen Erbe interessiert ist.

Der Cast von Knives Out – Bildquelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/267546.html

Jakob: 8/10
Knives Out ist ein wirklich hervorragender Kriminalfilm, dem es gelingt bis zum Schluss überraschend zu bleiben. Zwar ist die Story an der ein oder anderen Stelle ein wenig an den Haaren herbeigezogen und manche Zufälle sind doch arg zufällig, aber letzten Endes ist das bei vielen Agatha Christie-Storys auch nicht anders. Letzten Endes gelingt es dem Film bis zum Schluss spannend, überraschend und zudem sehr witzig zu bleiben. Das ist mehr, als ich von vielen anderen Filmen behaupten könnte. Besonders hat mir gefallen, dass Knives Out zwar viele Elemente des klassischen „Whodunit“-Krimis heranzieht, aber gleichzeitig auch wieder mit ihnen bricht. Ja, wir haben eine begrenzte Gruppe Verdächtiger, die alle an einem Ort versammelt sind und von denen jeder ein Motiv hat und ja, es gibt einen – mehr oder weniger – scharfsinnigen Privatermittler, der alle nacheinander befragt. Aber die Erzählstruktur, die die Aussage der Charaktere mit dem kontrastiert, was tatsächlich geschehen ist, macht dem klassischen Erzählprinzip einen Strich durch die Rechnung. Eigentlich kann man sich bald sicher sein, wer der Mörder ist aber naja…wir sehen eben das, von dem die Charaktere glauben, dass es passiert sei. Also wie gesagt: Bis zum Schluss spannend.
Besonders witzig ist dabei der ironische Bruch mit der klassischen Rolle des hochintelligenten Privatermittlers. Denn Benoit Blanc – ausgezeichnet verkörpert von Daniel Craig – scheint an manchen Stellen doch fast ein bisschen vertrottelt, eher verliebt in seine eigene Kombinationsgabe und sein exzentrisches Gebaren, als in den Fall, in dem er ermitteln soll. Besonders überzeugend ist auch Chris Evans als arroganter Taugenichts Hugh. Es ist regelrecht erfrischend, Captain America himself einmal nicht als absoluten Saubermann zu erleben. Es erübrigt sich, nun alle Schauspieler/innen aufzuzählen, denn jede/r spielt seine Rolle – bis in die Nebenrollen – sehr überzeugend und mit großem Engagement.
Ausstattung, Szenerie und Kostüme des Filmes sind ebenfalls großartig, ebenso wie die bildliche Inszenierung des Filmes, die mit großer Perfektion auf die jeweiligen Szenen abgestimmt ist. Vor allem das riesige Herrenhaus, in dem der Großteil des Filmes spielt ist derart liebevoll und detailreich ausgestattet, dass man am liebsten Bild für Bild anhalten und in Ruhe betrachten würde.
Warum gebe ich diesem Film dann „nur“ 8 von 10 Punkten? Zunächst finde ich, dass die Story bisweilen ein wenig mehr Schliff nötig gehabt hätte. Die Rolle des Benoit Blanc ließ mich ein wenig verwirrt zurück – ich finde sie nicht ganz konsequent inszeniert. Ist er nun ein Genie oder ein Idiot? Vielleicht liegt beides auch einfach nur sehr nah beieinander. Auch die Message des Filmes – in etwa „eine reine, gute Seele gewinnt immer“ – finde ich letztlich etwas plump und nicht ausreichend ironisch unterfüttert. Alle Rollen sind zudem bekannte Schattenrisse und nicht besonders originell – man weiß sofort um wen es sich handelt, was dem Film aber nicht wirklich Sinne schadet. Alles in allem kann ich für Knives Out aber eine absolute Empfehlung aussprechen.

 

Hannah: 8/10
Knives Out ist eine amüsante Murder Mystery der etwas anderen Art. Erst gleicht alles dem typischen Aufbau eines Mystery Krimis, doch ab etwa einer halben Stunde fragt man sich, was denn noch die Mystery sein soll. Der (Selbst-)mord wird aufgelöst und man muss nun nicht mehr mit-raten, wer es gewesen sein könnte.
Genau deshalb habe ich gleich 2 Punkte abgezogen, denn man denkt die Spannung ist jetzt draußen, es kann nichts mehr Überraschendes kommen. Die Auflösung des Mordes war dann doch eine etwas Andere als erwartet (wenn auch bestehend aus einigen Zufällen), was mich wieder positiv gestimmt hat. An sich verliert der Film nach der halben Stunde auch nicht viel Spannung, entwickelt sich nur zu etwas Anderem, was ich nicht erwartet hatte. 
Alles in allem war ich zwei Stunden lang unterhalten von einem wunderbaren Cast wie Daniel Craig als etwas sonderbarer Privatdetektiv, von Chris Evans als Captain Leck Mich und dem einen aus Es als masturbierendes Nazi-Kind.
Schaut euch den Film auf jeden Fall an und macht euch gefasst auf Überraschungen, Foreshadowing und lots of Knives

 

Anni: 9/10
Ich mache mir im Kino nicht die Hoffnung erraten zu können, wer der Mörder war oder wie die Story ausgeht, aber bei Knives Out war ich sicher nicht die Einzige, die keine Ahnung hatte wie die Handlung sich entwickeln wird. Zahlreiche überraschende Wendungen sorgen dafür, dass der recht lange Film nicht langweilig wird. 
Besonders gefallen hat mir das Set: ein atmosphärisches Herrenhaus voller kleiner Gadgets, prunkvoller Möbel, Geheimtüren, riesigem Garten und einem überdimensionierten Messerkranz. Auch die Kameraführung und die Bildkomposition möchte ich besonders loben. Die Charaktere sind ein kleines Kunstwerk für sich – jeder auf seine Art ein spezieller Typ. Auch wenn hier einige Klischees bedient werden, war ich von der schauspielerischen Leistung und der Gestaltung überzeugt. Der Film war insgesamt in allen Punkten sehr stimmig und hat mir richtig gut gefallen.
Als ich nach dem Kino auf dem Weg nach Hause war, hat sich in mir der Wunsch gemeldet, auch Schauspielerin sein zu wollen und an einer tollen Produktion wie Knives Out mitwirken zu können. Also auch von mir eine klare Weiterempfehlung!

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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