KinoLaute: „Once upon a time in… Hollywood“

Once upon a time in…Hollywood ist der neueste Film des Kult-Regisseurs Quentin Tarantino. Der Film, der als schräge, episodenhafte Komödie angelegt ist, nimmt die Filmbranche im Los Angeles der späten 1960er Jahre ins Visier: Leonardo DiCaprio spielt Rick Dalton, einen abgewrackten Westernstar, der in den 50ern seine größten Erfolge feierte. Brad Pitt verkörpert dessen Stuntman, Handlanger und besten Kumpel Cliff Booth. Gemeinsam versuchen sie die Karriere Daltons zu retten und treffen dabei auf zahlreiche illustre Gestalten der damaligen Film-, Musik- und Hippie-Szene. Hier könnt ihr lesen, was die KultLaute-Redaktion über den Film denkt.

 

Once upon a time in…Hollywood – Bildwuelle: https://www.kino.de/film/once-upon-a-time-in.-hollywood-2019/

Jakob: 9/10
Ich bin ein Tarantino-Fan – zugegeben kein hardboiled-Fan, ich habe nicht einmal alle Filme gesehen, aber die Filme, die ich gesehen habe fand ich entweder großartig oder konnte sie zumindest als gute Filme anerkennen. Es handelt sich um einen der letzten großen Regisseure, der wirklich sein Ding macht, ohne dabei auf den Zug der lieblosen Remakes oder austauschbaren Comic-Verfilmungen aufzuspringen, an die man sich einen Monat später nicht mehr erinnert – egal wie bombastisch das CGI-Gewitter auch war. Deswegen war ich natürlich gespannt, als endlich einmal wieder ein neuer Film in die Kinos kam und was soll ich sagen? Ich war begeistert, regelrecht überwältigt: Es handelt sich sicherlich nicht um Tarantinos besten Film – dafür müsste er sich auch mit Pulp Fiction, Inglorious Basterds oder Djano Unchained messen können – aber immer noch um einen verdammt guten, unglaublich unterhaltsamen Streifen. Zugegebenermaßen ist es manchmal etwas schwer, der episodenhaften Erzählung zu folgen und der Zeitsprung im letzten Drittel des Filmes wirkt etwas gezwungen. Aber letztlich bleibt die Handlung zu jedem Punkt nachvollziehbar und die eingeschobenen Szenen bereichern das Geschehen fast immer ungemein. Vielleicht kann man der Erzählung auch Längen vorwerfen, aber wirklich gestört hat mich das nicht, denn der Film hält durchgehend eine gewisse Spannung und bleibt vor allem sehr, sehr witzig. Das explosive Finale, das vielleicht eines der dramatisch-effektivsten Gewalt-Spektakel des Regisseurs ist, macht schließlich alles wieder wett, was zuvor vielleicht nicht optimal war.
Die Szenerie des Films fängt in allen Aspekten – Bildgestaltung, Requisite und natürlich Musik – das Ambiente der ausgehenden 60er Jahre wieder ein und wird somit zur gelungenen Hommage an diese Zeit. Die Tatsache, dass zahlreiche legendäre Persönlichkeiten der Zeit auftauchen, verdichtet die Immersion noch weiter.
Vor allem ist auch das Schauspiel von Leonardo di Caprio und Brad Pitt hervorzuheben. Das Duo aus dem unsicheren, weinerlichen und fast psychotischen Western-Star und dessen überzeichnet hart-maskulinem Stuntman gehört meiner Meinung nach zu den besten Rollen, die die beiden bisher auf der Leinwand verkörpert haben. Ich denke, das kommt im Originalton mit exzessiv-durchgekautem amerikanischem Akzent, besonders zu tragen. Auch der Rest des Casts macht einen hervorragenden Job und trägt ungemein zur Komik und zum Unterhaltungswert des Filmes bei. Die Interaktionen und Dialoge zwischen den Charakteren sind wie immer hervorragend inszeniert, wie man es bei Tarantino auch erwartet.
Abgesehen von den genannten negativen Faktoren, die ihn nicht ganz auf eine Stufe mit Tarantinos besten Werken stellen, handelt es sich also wiegesagt um einen tollen Film, den ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.

Conni: 6/10
Eins schon mal vorweg: Ich halte nicht viel von übermäßiger Gewaltdarstellung in Filmen und Serien. Das ist einerseits meinem vielleicht doch relativ zart besaiteten Wesen geschuldet und andererseits meiner Verabscheuung von Gewalt im echten Leben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ich in meinem Leben erst zwei Tarantino Filme gesehen habe – bevor jemand fragt: Inglourious Basterds und Pulp Fiction. Ich hatte auch keine Intention mir Once Upon A Time In Hollywood anzusehen, bis mein Freund gesagt hat, er hat Tickets gekauft, es kommen noch ein paar Leute mit, komm, wird n schöner Abend. Ich hatte auch den Trailer gesehen, mir davor aber keine Gedanken gemacht außer: hey, sieht nicht so gewalttätig aus wie sonst, schauen wir mal.
Jetzt zum Film: Kinematographisch und schauspielerisch, meiner Meinung nach, ein Meisterwerk. Gerade Leonardo DiCaprio hat mir außergewöhnlich gut gefallen. Als Schauspieler einen Schauspieler zu spielen klingt vielleicht nicht schwer, aber dann auch noch den Film im Film glaubwürdig erscheinen zu lassen, das ist Kunst. Was für mich dem noch eins oben drauf gesetzt hat war die Szene, in der er als Schauspieler gelobt wird und fast zu weinen beginnt. Und wirklich rote Augen bekommt. Das war denke ich meine Lieblingsszene. Außerdem war Once Upon A Time In Hollywood wirklich spannend. Für mich sogar nervenaufreibend, ab dem Zeitpunkt, in dem Roman Polanski und seine Frau Sharon Tate auftauchen und ich wusste, worauf es ungefähr hinauslaufen wird (Spoiler: macht euch auf einen Plottwist gefasst). Ich finde nämlich Gewalt und das Wissen, dass bald Gewalt passieren wird, fast gleich schlimm. Damit also zu dem was mir nicht gefallen hat. Vorweg: Zu. Viele. Füße. Jaja, Parodie auf sich selbst, haha, weiß ich alles. War mir trotzdem zu viel, genau wie das ewige (weibliche)-Hintern-in-die-Kamera-Gestrecke. Kann ich einfach nicht mehr sehen, nicht mal als „Parodie“. Und dann natürlich die zu erwartende Gewalt. Hier weiß ich auch, dass das nun mal Tarantinos Stil ist, der auch unglaublich viele Fans hat, aber als Menschen vor der Kamera buchstäblich zerfleischt wurden und der halbe Saal sich kaputtgelacht hat, ist mir schon fast schlecht geworden. Klar, sagen viele, dann schau dir keinen Tarantino an. Aber ein Satz ist bei mir hängen geblieben: „I say we kill the people who taught us to kill“ – „Ich sage, wir töten die Leute, die uns gelehrt haben zu töten“. Auch Ironie – WEISS ICH. Ist wie bei Videospielen, die sind auch nicht für Amokläufe verantwortlich. Aber ab dem Moment, wo Gewalt lustig sein soll, da hört’s bei mir leider auf. Bin vielleicht doch ein bisschen Hippie-Scum. Ansonsten kann ich sagen, Once Upon a time in Hollywood wird allen Tarantino Fans da draußen gefallen, schaut ihn euch an, der Rest des Films kommt richtig gut auf der Leinwand.

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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