KinoLaute Special: The Witcher

Technisch gesehen ist der Begriff „Kino“Laute hier natürlich fehl am Platz, da es sich bei The Witcher um eine Serie handelt. Allerdings gingen bei der neuen Netflix-Serie die Meinungen in der Redaktion so weit auseinander, dass wir euch keine davon vorenthalten wollen und uns deshalb dieses Formats bedienen.

Sara: 8/10

Bevor ich mir die erste Staffel von „The Witcher“ angesehen habe, kannte ich bisher nur den dritten Teil der Videospieladaption; die Bücher habe ich noch nicht gelesen. Trotzdem bin ich ein großer Fan der Story, die sich bereits im Videospiel um den Hexer Geralt von Riva gesponnen hat. So war ich dementsprechend auch auf die Serienadaption gespannt – and oh boy, it didn’t disappoint me. Henry Cavill als der Witcher Geralt von Riva hat mich vollkommen überzeugt und hat ihn mit der grummeligen Stimme und Abgebrühtheit so inszeniert, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Yennefer, gespielt von Anya Chalotra, hat mich mit ihrer Charakterentwicklung mitgerissen, da sie den größten Wandel, sowohl körperlich als auch mental vollzogen hat. Auch finde ich den Aspekt des Schicksals und den Antrieb der Charaktere als roten Faden der Serie sehr spannend aufgebaut. Ich habe erst spät gemerkt, dass die Handlungsstränge nicht chronologisch sind. Zuerst habe ich mich über meine Unachtsamkeit geärgert, aber es gleich als Motivation gesehen, die Serie noch einmal zu schauen und diesmal genauer auf Hinweise zu achten. Durch diesen Wechsel zwischen den Zeitlinien werden die Motive und Hintergründe erst nach und nach aufgedeckt. The Witcher ist für mich ein gelungenes Gesamtpaket, dass eine Welt der Monster, Hexer und Zauberer mit interessanten Charakteren, mit einem Lied, von dem ich noch lange einen Ohrwurm haben werde, und mit einem sehr gut gewählten Cast in Verbindung bringt. Sehr empfehlenswert!

 

Jakob (5/10)

Ich kann The Witcher nicht viel mehr als ein schulterzuckendes „ja…ganz okay“ geben. Das hängt zunächst einmal damit zusammen, dass ich die Bücher (teilweise) und die PC-Spiele kenne. Die Bücher sind absolut brillante, feinsinnige und originelle Fantasy und die Games gehören zu dem Besten, was die Computerspielwelt je gesehen hat.
Die Serie kratzt qualitativ weder an dem einen noch an dem anderen. Die Szenerie wirkt oft seltsam kulissenhaft und wenig liebevoll gestaltet, die Kostüme sind teilweise mehr als merkwürdig (warum tragen die Nilfgaarder komisch schrumpelige Plastikharnische?) und die Animationen sind eher durchschnittlich. Das Schauspiel ist durchwachsen. Zumindest macht Henry Cavill eine bessere Figur als ich erwartet hatte. Dennoch hätte es für fast jede Rolle in der Serie eine bessere Besetzung gegeben. Hier beziehe ich mich explizit nicht auf den rechtskonservativen Shitstorm, der im Vorfeld wegen Anna Shaffer als Triss wütete. Was mich vor allem störte: Rittersporn bzw. Dandelion stolpert als aufgegeilter Idiot durch die Serie und wird dem Charakter aus Büchern und Spielen nicht wirklich gerecht. Ja, Rittersporn ist ein Weiberheld, aber durchaus auch intelligent, witzig und kein in die Jahre gekommener Justin Bieber-Imitator.
Die Musikuntermalung erlaubt sich einige grobe Schnitzer. Vor allem habe ich mich gefragt, warum Rittersporn zwischendurch einfach mal eine schauderhafte Popballade schmettert, die nicht einmal annähernd in das Ambiente der Serie passt. Zumindest bringt ihn die örtliche Bevölkerung hier schnell zum Schweigen. Und ja „Toss a coin…“ bleibt im Kopf, ist aber letztlich auch schauderhaft nervig und passt klanglich nicht in die Welt. Auch den dramaturgisch-narrativen Aufbau der Serie fand ich eher verwirrend – Asynchronität ist ja kein Problem, aber es fast vollkommen den Zuschauer/inne/n zu überlassen, alles in die richtige Reihenfolge zu bringen…
Naja, lange Rede kurzer Sinn: Meine Anforderungen sind wohl einfach zu hoch. Eine Serie kann eher selten die Stimmigkeit und Immersion aufbauen, die ein richtig gutes Game erreichen kann. Und für den weltweiten Markt, musste man die dreckig-authentische Welt wohl etwas sauberpolieren. Diejenigen, die weder Buch, noch Games kennen, werden die Serie vielleicht mögen. Nur weil ich weiß, dass ich eine übersteigerte Erwartungshaltung habe und es vieles gibt, was viel schlechter ist, gebe ich nicht weniger Punkte.

 

Maike (6/10)

Da ich weder die Witcher-Bücher gelesen habe, noch Computerspiele spiele, kannte ich das Witcher-Universum vor der Serie eigentlich nur dem Namen nach.
Dass die Serie einen nicht-chronologischen Aufbau haben würde, hatte ich vorher erfahren. Darauf war ich also vorbereitet. Dennoch war es für mich schwer nachzuvollziehen, was wann passiert oder wer mit wem wie verbunden ist. Das mag manchem ein Ansporn sein, die Serie noch einmal zu schauen. Aber ich schaue Serien selten direkt zweimal nacheinander an und fand die Serie dann auch nicht so spannend, dass ich hier eine Ausnahme mache. Zudem machte es mir die Erzählweise, verbunden mit meiner Unkenntnis der Charaktere etwas schwer, eine emotionale Bindung aufzubauen. Außer vielleicht zu Henry Cavill, der zugegebenermaßen für mich aus offensichtlichen Gründen ein optisches Highlight darstellt …
Prinzipiell fand ich die Serie ansprechend gestaltet, fand das Niveau aber nicht überall gleich gut. Manche Kostüme gefielen mir sehr gut, manche sahen für mich mehr nach Faschingskostüm aus. Manchmal war die Musik gut, manchmal etwas unpassender. Da hat Netflix meiner Meinung nach schon hochwertiger wirkende Serien veröffentlicht.
Alles in allem hat die Serie mir gefallen und ich sehe der zweiten Staffel mit Erwartung entgegen, aber da ist definitiv noch Luft nach oben.

 

Hannah (3/10)

Ich kann nur subjektiv sagen, dass ich die Serie schrecklich fand. Langweilig, fade und teilweise verwirrend schlich sich die Story voran. Mitgefühlt habe ich mit kaum einem der eindimensionalen Charakteren. Die Serie bekommt 3 Punkte aus 3 Gründen: Jaskier, der Musik und Henry Cavill’s Hintern.
Zuerst Jaskier, der einfach eine fabelhafte Figur ist, mich mehrmals lautstark zum Lachen gebracht hat und die Serie zumindest etwas erträglicher für mich machte. Die Barden sind einfach die besten Charaktere. Leider kam er dann doch nicht oft genug vor, weswegen ich mich wieder schnell gelangweilt habe.
Die Musik war sehr atmosphärisch und toss a coin to your witcher werde ich wohl noch sehr sehr lange vor mich her singen.
Dann zum wichtigsten Punkt: Henry Cavills Hintern. Hach, so schlimm, so öde und langweilig die Serie auch war, mit einem Gläschen Wein und einem guten Buch kann man sie schon im Hintergrund laufen lassen. So muss man nur immer wieder aufblicken und Cavill in diesen engen hüfthohen Lederhosen anschauen und man vergisst jeden kurzweiligen Plot.

 

Sandra: 10/10

Ich fand The Witcher einfach durchwegs gelungen. Ich habe die Spiele nie gespielt und kannte von den Büchern nur „Das Erbe der Elfen“ (wovon mir gesagt wurde, es sei das schlechteste). Ich bin mit einer relativ geringen Erwartung an die Serie gegangen, überraschenderweise hat sie mich aber dann absolut umgehauen. Nach spätestens zwei Folgen war ich wirklich gefesselt und wollte unbedingt weiterschauen. Gleichzeitig habe ich den episodischen Charakter der einzelnen Folgen sehr genossen. Ich bin allgemein ein Fan davon, wenn einzelne Folgen einzelne Geschichten erzählen und nachdem die erste Staffel auf Kurzgeschichten rund um den Hexer basiert, liegt diese Darstellung sehr nahe. Ich könnte mir vorstellen, dass mir die nächste Staffel vielleicht weniger gut gefällt, aber diese fand ich genial! Ich habe schlicht und einfach nichts zu meckern. Die Zeitsprünge habe ich als angenehme Herausforderung betrachtet. Ich kann auch verstehen, wenn man verwirrt ist, ich finde aber, wenn man die Serie aktiv schaut, ist alles ziemlich logisch, und selbst wenn man sie nicht versteht, kann man den einzelnen Handlungssträngen folgen. Den Plot fand ich bis auf wenige Ausnahmen sehr gelungen (wobei ich wie gesagt die Vorlage noch nicht gelesen habe), wobei ich besonders Folge 3 „Betrayer Moon“ und Folge 4 „Of Banquets, Bastards and Burials“ herausragend fand. Die schauspielerische Leistung fand ich insgesamt ebenfalls sehr gut und Henry Cavill hat mich absolut überzeugt, sodass ich manche Kritik nicht ganz nachvollziehen kann. Ich habe auch absolut mit den Charakteren mitgefühlt, allen voran natürlich mit Geralt und  Yennefer, auch wenn ich mich vielleicht manchmal anders entscheiden würde. Mit Jaskier hat man als Zuschauer einen Anknüpfungspunkt und auch einige Nebencharaktere (etwa Ciris Mutter) sind mir im Gedächtnis geblieben. Über die Kostüme kann man sich vielleicht streiten, mir sind sie nicht negativ aufgefallen und einige fand ich sogar ziemlich cool. Allgemein hat mir die Ästhetik gefallen, auch wenn die Mischung aus mittelalterlich und modern sicher Geschmackssache ist. Die Musik fand ich daher auch absolut passend und nicht nur der Fanliebling „Toss a Coin to Your Witcher“ hat mir Gänsehaut verpasst. Ihr merkt, ich bin durchwegs begeistert von der Serie: Sie hat mich berührt, mitgerissen und unterhalten und ich werde sie mir sicher noch einmal anschauen.

Sandra

Sandra

Sandra hat ihre Liebe zum Schauspielern schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Mittlerweile ist daraus noch mehr geworden und egal, was sonst so ansteht, für KultLaute opfert sie besonders gerne ihre Freizeit.

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1 Antwort

  1. 9. Februar 2020

    […] Die Witcher-Serie ist ja inzwischen veröffentlicht, unsere Meinung dazu findet ihr hier. […]

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