KinoLaute: „The Incredibles 2“

Eigentlich muss man dieser Tage nie lange auf die Fortsetzung eines Superheldenfilms warten. Ein Marvel-Streifen jagt den Anderen und dazwischen füllen DC-Trauerspiele und andere Produktionen die Lücken. Etwas anderes ist es mit dem langersehnten Pixar-Film „Incredibles 2“ (zu Deutsch: „Die Unglaublichen 2“), der nach nur vierzehn Jahren die Nachfolge von „The Incredibles“ (2004) antritt. In „Incredibles 2“ sieht sich die Superhelden-Familie Parr um Mutter „Elastigirl“ und Vater „Mr. Incredible“ mit gleich mehreren Problemen konfrontiert: Nicht nur sind sie nach dem Ende des letzten Film wohnungslos, sie wollen sich auch dafür einsetzen, dass die Arbeit der Superhelden wieder legal wird. Zu allem Überfluss taucht noch der Superschurke „Screenslaver“ auf, Mr. Incredible muss seine Qualitäten als Familienvater erweisen, Baby Jack-Jack entwickelt spektakuläre Superkräfte und, und, und. So viel lässt sich also versprechen: Es wird nicht langweilig. Was die KultLaute-Redaktion von dem Revival der animierten Superhelden-Familie halten, könnt ihr hier lesen.

 

Die Unglaublichen und noch ein paar mehr – Bildquelle: https://indac.org/blog/disney-screening-pixars-theincredibles-2/

 

Jakob (8/10)
Ich war dreizehn als „Incredibles“ 2004 rauskam und hab ihn mir damals – ich glaube mit meiner Mutter – im Kino angesehen. Seitdem war ich ein großer Fan des Films und habe ihn sicherlich auch verklärt, aber nur ein kleines bisschen. Nachdem ich ihn mir zu Vorbereitung auf den zweiten Teil noch einmal angesehen habe, ist mir lediglich aufgefallen, dass die Animation gealtert ist – nachvollziehbar nach vierzehn Jahren. Ansonsten handelt es sich immer noch um eine mitreißende und fantasievolle Superheldenstory mit liebenswerten Charakteren, die – vor allem visuell – unglaublich toll in Szene gesetzt werden. Die Szenen mit dem riesigen Mr. Incredible hinter dem winzigen Schreibtisch in seiner kleinen Büro-Wabe sind nach wie vor klasse. Der zweite Teil macht nun vieles genauso richtig, wie der erste: Auch wenn die Superheldenkräfte der Protagonisten nichts Ungewöhnliches sind, werden sie doch unkonventionell und überraschend eingesetzt. Die Figuren sind nach wie vor sehr liebenswert und gewinnen sogar noch etwas mehr an Charakter. Der Screenslaver ist – was Fähigkeiten und Design angeht – ein wirklich cooler Antagonist. Die Handlung schafft einen gesunden Ausgleich zwischen schnellen Action-Szenen, guten Dialogen und unterhaltsamen Familienszenen. Die Gag-Dichte ist hoch wirkt aber – im Gegensatz zu vielen anderen Superhelden-Streifen – nie zu gewollt sondern tatsächlich witzig. Ein Highlight ist hier das niedliche Baby Jack-Jack mit seinen wirklich abgefahrenen Superkräfte. Dass die Handlung etwas durchschaubar und nicht besonders originell ist stört nicht besonders, das war im ersten Teil nicht anders. Schließlich erwarte ich von einem Film, der auch Sechsjährige begeistern soll, keine Ibsen-Qualitäten.
Wirklich bombastisch und ein absoluter Höhepunkt dessen, was ich hier bisher gesehen habe, ist die Animation: Unglaublich detailreich, liebevoll und mit stilistischen Eigenheiten bringt sie allein dem Film nochmal mindestens anderthalb Punkte in meiner Wertung ein. Dadurch und wiederum durch eine äußerst gekonnte visuelle Inszenierung zieht der Film den Zuschauer in den Bann. Es wird eine ganz eigene Welt geschaffen, die sich in ihrer Ästhetik irgendwo zwischen High-Tech und den 70er Jahren (?) bewegt, aber allgemein eher zeitlos wirkt. Nicht zu vergessen: Ein wirklich guter, James-Bondiger Soundtrack, der vor allem die Actionszenen wunderbar untermalt.
Alles in allem ist „Incredibles 2“ ein Film, den ich nur loben kann und der wirklich einen Besuch wert ist. (Eine besondere Erwähnung verdient auch der Kurzfilm „Bao“ der Regsisseurin Domee Shi, der vor dem Film gezeigt wird. Wenn auch etwas kitschig, so doch ein wahrhaftiges Juwel).  

 

Andi (9/10)

Incredibles 2 hört genau da auf, wo der erste angefangen hat. Für mich als Hardcore-Fan natürlich super, aber auch „Neueinsteiger“ können sich den Film unbesorgt ohne Vorwissen ansehen. Empfehlen würde ich den  ersten Teil aber trotzdem, nicht nur weil der einfach klasse ist, sondern auch weil die Fortsetzung sehr geschickt Anspielungen und Referenzen einbaut.
 Als Erstes möchte ich bei diesem Film die Animationsqualität hervorheben. Das Pixar auf diesem Feld die unangefochtene Nummer 1 ist, sollte jedem klar sein, hier haben sie sich aber noch einmal selbst übertroffen. Schattenwurf, Reflexionen, Lichteinfälle, alles sieht äußerst genial aus. Incredibles 2 ist der erste Film seit Mad Max: Fury Road der mich visuell komplett überzeugt hat. Aber auch die Handlung bietet mir relativ wenig Raum für Kritik. Natürlich ist der Plot an sich nicht der komplizierteste und dem aufmerksamen Zuschauer ist die „geheime“ Identität des Bösewichts nach wenigen Minuten klar. Allerdings ist das ganze halt auch immer noch ein Kinderfilm, von daher würden mich persönlich irgendwelche extremen Plot-Twists sogar stören. Auch hat der Gegenspieler der unglaublichen Familie,  der „Screenslaver“, nicht nur einen tollen Namen und Look sondern auch eine durchaus solide Origin-Story und seine obligatorische „Erkläre-deine-Motivation-Rede“ könnte auch genauso in den ganz großen Superheldenfilmen vorkommen und würde immer noch positiv auffallen. Das gleiche gilt übrigens auch für die Action-Szenen (vor allem mit der neuen Heldin „Void“) und den Soundtrack. Und das Ganze in einem Kinderfilm, der das Zielpublikum dennoch nicht überfordert. Respekt. Zusätzlich ist der Streifen dann auch noch pädagogisch wertvoll. Während Elastigirl den Ruf der Superhelden wiederherstellt, bleibt Mr. Incredible zuhause bei den Kindern und stellt fest, dass dies mindestens genauso schwer ist.

Eigentlich muss hier noch viel mehr erwähnt werden. Wie knuffig Jack-Jack ist, wie liebevoll die kleine Nebenstory über Violettas ersten Schwarm erzählt wird oder wie cool Edna (KEIN CAPE!) immer noch ist. Aber davon macht ihr euch am besten selbst ein Bild. Ihr seht, ich bin begeistert und wäre der Plot noch einen Tick ausgefeilter könnte ich wirklich gar nichts bemängeln.

 

Sandra (8.5/10)

Bei mir ist es wirklich schon ewig her, dass ich den ersten Incredibles-Film gesehen habe, aber trotzdem hat es sich angefühlt, als sei es erst gestern gewesen. Der zweite Film setzt nämlich auch nahtlos da an, wo der erste aufgehört hat. Ich hatte riesigen Spaß beim Zuschauen und am liebsten hätte ich dem Film eine noch höhere Wertung gegeben, aber der Plot war dann doch etwas zu vorhersehbar. Das hat mich persönlich allerdings nicht wirklich gestört. Stattdessen habe ich mich von der witzigen Familiendynamik, den Superhelden-Gadgets (Edna for the win!), dem tollen Geheimagenten-Soundtrack und ganz besonders natürlich von Jack-Jack großartig unterhalten gefühlt. Leute, die keine Babys mögen, sollten vielleicht meine Wertung ein bisschen vorsichtiger sehen, aber ich fand Jack-Jack einfach zu süß und seine Fähigkeiten sind natürlich auch ein Schwerpunkt des Films. Ein Highlight war für mich auch definitiv Mr Incredibles‘ Konfrontation mit der Kindererziehung. Mit seiner Infragestellung von Rollenklischees ist der Film auch durchaus zeitgemäß. Alles in allem ist Incredibles 2 wirklich ein sehr guter, für jedes Alter geeigneter Film, den ich den meisten Marvel/DC-Superhelden-Filmen vorziehen würde.

 

Sophia: 8/10

The Incredibles 2 hat mich wirklich sehr positiv überrascht, nachdem ich mich an den ersten Film nur noch dunkel aus meiner Kindheit erinnern konnte und den ganzen Hype im Vorfeld nicht wirklich verstanden habe. Ich habe mir kurz vor dem Kino zwischen Tür und Angel den ersten Teil noch auf Netflix angeschaut, worüber ich dann doch ganz froh war. Zwar muss man nicht unbedingt wissen was in Teil 1 passiert ist, aber einige süße kleine Anspielungen würden einem dann doch entgehen. Am meisten enttäuscht hat mich, dass ich bereits im ersten Viertel des Films erraten habe, wer der Bösewicht ist, und dann die ganze Zeit bis zur Auflösung gehofft, dass ich mich vielleicht doch irre. Allerdings hat hier Andi recht überzeugend angeführt, dass es sich eben doch um einen Kinder-/ Familienfilm handelt und immerhin gab es ein überzeugendes Bösewichtmotiv. Insgesamt war der Film aber wahnsinnig unterhaltsam (vor allem Baby Jack Jack und geniale Bösewichternamen sind hier zu erwähnen), stellenweise sogar etwas gruselig (einmal musste ich mich tatsächlich zusammenreißen um nicht zu schreien, auch wenn das bei mir nicht wirklich viel heißt), und auch thematisch gesehen (Digitalisierung, Rollenbilder) durchaus aktuell. 

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

Das könnte Dich auch interessieren …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.