KinoLaute – „Wonder Woman“

Gestern lief endlich auch in Deutschland der neueste DC Superhelden Blockbuster „Wonder Woman“ mit Gal Gadot in der Titelrolle an. Wir waren natürlich dabei, um zu sehen, was „Wonder Woman“ zu bieten hat. Im Folgenden haben die KultLaute-Kinogänger wieder ihre Meinungen für euch zusammengefasst.

Quelle: www.imdb.com ©2017 Warner Bros. Entertainment

Basti: 6/10

Wer trägt ein kurzes Kleid, ein Prinzessinnen-Krönchen, reitet gerne und scheißt auf den Bechdel-Test? Richtig! Wonder Woman! Selbst die Verfilmung einer der stärksten Frauenrollen im Comic-Universum kommt nicht ohne plumpe Sexwitzchen und einer fremdschämigen Lovestory aus und am Ende braucht es doch wieder einen Mann, der der starken weiblichen Hauptrolle sagt, dass sie jetzt stark sein darf. Aber wenn man von der Unfähigkeit Hollywoods mal absieht, sich von alten Klischees zu trennen, dann kann man „Wonder Woman“ durchaus als Schritt in die richtige Richtung von DCs Filmuniversum bezeichnen. Die Kampfszenen sind extrem bildgewaltig inszeniert (da hatte wohl Produzent Zack Snyder ein Wörtchen mitzureden), die schauspielerische Leistung ist nicht zu verachten und die Story wirkt so heimelig und vertraut, dass man fast das Gefühl hat, sie schonmal irgendwo gesehen zu haben:

Ein starker und extrem gutaussehender Held wirft sich mit einem Team von zusammengewürfelten Losern mitten in einen Weltkrieg. Das Team versucht nun den (körperlich entstellten) Feind daran zu hindern, eine Superwaffe zu erschaffen, die den Ausgang des Krieges verändern könnte. Da hat Captain America Wonder Woman aber gerade nochmal den Tag gerettet!

Team WW besteht dabei aus einem singenden, irischen Scharfschützen mit Alkoholproblem, einem Indianer, dessen einzige Eigenschaft es ist, Indianer zu sein, einem arabischen Schauspieler/Lügner und Captain Kirk. Damit ist die Charakterzeichnung aber auch vollständig abgeschlossen. Die Nebencharaktere werden so reduziert, dass sie im Wikipedia Artikel zum Film teilweise nicht mal erwähnt werden. Dabei hätte es da durchaus noch Potential gegeben! Geschichten über Rassismus, Alkohol, PTSD und Verlustängste liegen in der Luft, werden aber schnell von Zeitlupenaufnahmen und Maschinengewehrfeuer hinweggeweht.

Alles in allem hat DC mit „Wonder Woman“ das Rad zwar nicht neu erfunden, aber vielleicht endlich kapiert, dass es rund sein muss. Auch Comichelden brauchen Zeit, um ihre Geschichten zu erleben und ihren Charakter zu entfalten. Der Film ist enorm kurzweilig und beweist ganz oft einen tollen Sinn für Humor, den man in den DC Verfilmungen bisher oft schmerzlich vermisste. Von mir bekommt Gal Gadots erste Amazonen-Hauptrolle das Prädikat „Warum nicht gleich so?“ und eine Anschauempfehlung für alle Comic- und Actionfans.

 

Juju: 6/10
Der Film wartet mit sehr guten Schauspielern auf, allen voran Gal Gadot, die die Figur der Diana Prince jede Sekunde überzeugend spielt.
Die Handlung hingegen ist sehr vorhersehbar und es mangelt leider an originellen Einfällen, da man alles so oder so ähnlich in anderen Filmen schon gesehen hat. Sehr schön finde ich allerdings Dianas Hintergrundgeschichte auf Themyscira, der geheimen Insel der Amazonen. Hierfür wird sehr viel Zeit im Film verwendet und das Zusammenleben auf der Insel liebevoll dargestellt. Angenehm fand ich, dass diese Origin eine Abwechslung zu den üblich arroganten Millionärssöhnchen bildet und mir gefällt der (sicher nicht ganz korrekte) mythologische Bezug.  
Allgemein ist positiv anzumerken, dass der Film sehr kurzweilig ist, er kam mir um einiges kürzer als zweieinhalb Stunden vor und man muss am Ende auch nicht auf eine After-Credits Scene warten -jetzt wo ich mich fast schon dran gewöhnt habe.
Alles in Allem ist „Wonder Woman“ ein solider Superheldenfilm, der neue Maßstäbe für DC setzt – die ja momentan leider nicht sehr hoch sind. 

 

Jakob: (5/10)

Ist das wirklich eine starke Frauenrolle? Es ist vielleicht eine Krankheit des Literatur- und Filmwissenschaftlers, sofort zu versuchen, das Gegenteil zu beweisen. Leider bin ich bisher zu keinem wirklich befriedigenden Schluss gekommen. Gemessen an seinen beiden DC-Vorgängern („Batman v Superman“, „Suicide Squad“) ist „Wonder Woman“ ein wirklich ordentlicher Film. Da diese Messlatte jedoch so tief liegt, dass man kaum darunter hindurchkriechen kann, ist dies jedoch nur ein zweifelhaftes Lob. Aber nein, ich möchte nicht schwarzmalen: Es handelt sich um einen wirklich soliden Superhelden-Streifen.

Natürlich, die Handlung ist vorhersehbar und in größten Teilen fühlt sie sich sehr bekannt an, aber wenigstens wurde sie nicht am Schneidtisch bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt – *Hust* – Suicide Squad – *Hust*. Vor allem lässt er keine Langeweile aufkommen und wirkt nicht zu gewollt. Das ist erst einmal die Hauptsache. Tatsächlich überzeugend und wunderschön designt ist Wonder Womans Heimatinsel „Themyscira“. Aber auch das untypische Szenario des ersten Weltkriegs gibt viel her. Zwar knirscht man ein wenig mit den Zähnen, wenn die Deutschen wieder einmal die Bösen sind, zumal dies ja im ersten Weltkrieg – im Gegensatz zum zweiten – nicht so einfach festzulegen ist, aber letztlich differenziert der Film hier durchaus: Es wird hier nicht eine Nation zum Feind erklärt, sondern Einzelcharaktere.

Auch das Schauspiel ist wirklich solide. Vor allem Hauptdarstellerin Gal Gadot verkörpert überaus überzeugend und ohne falsche Zurückhaltung die Rolle der starken und durchsetzungsfähigen Kriegerin. Der Rest der Charaktere bleibt jedoch wieder einmal lächerlich generisch und dient nur der Unterstützung der Protagonistin. Benötigt hätte sie die weiteren, fast ausnahmslos männlichen Begleitfiguren nicht. Und hier sind wir auch bei meiner Hauptfrage: Ist das wirklich eine starke Frauenrolle? Ich kann hier mit einem völlig eindeutigen „Jein“ antworten: Ja, Wonder Woman ist bis zu einem sehr weit gesteckten Punkt sehr unabhängig und eine starke Persönlichkeit, die auf eigenen Entschluss handelt und sich gegen die männlichen Charaktere durchsetzt. Ab einem gewissen Punkt – für die finale Heldentat – benötigt sie jedoch letzten Endes männliche Legitimation. In Verbindung damit steht eine Love-Story, die eher fehl am Platze wirkt, ohne die ein großer Hollywood-Streifen jedoch wohl kaum auskommt. Wonder Woman ist also meiner Meinung nach eine durchaus starke Frauenrolle, allerdings nur soweit es die ermüdend eingefahrenen Konventionen der Filmbranche zulassen. Zumindest aber ein kleiner Schritt für den Feminismus: Hurra!

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich hier wirklich gut unterhalten fühlte, vor allem auch wegen einiger wirklich spektakulärer Action- und Kampfszenen, die sich wunderbar zur verwendeten Musik fügten. Wenn DC diesen Film als Sprungbrett für das restliche Franchise nutzt, sich mit ähnlich großen Schritten verbessert, kommen sie vielleicht, nur vielleicht wieder an Christopher Nolans „Batman“-Trilogie heran. Vor allem jedoch Kinder, lasst die Hände ein wenig von den Töpfen mit billigem Pathos und unpassenden Schnauzbärten. Zuviel von beidem hat noch keinem Film gutgetan.

 

Maike: 8/10

Als bekennender Superhelden-Filme Fan und Frau habe ich mich auf Wonder Woman gefreut. Nicht, dass ich mich darüber beschwere, immer wieder gutgebaute, attraktive Männer in enganliegenden Anzügen auf der großen Leinwand zu sehen. Aber es wäre eben doch mal schön zur Abwechslung mal eine Frau als Titelfigur und Hauptrolle in einem guten Superhelden-Film zu sehen. Und endlich hat mir DC diesen Wunsch erfüllt. Zugegebenermaßen war ich skeptisch, da DC mit ihren Superhelden-Filmen (abgesehen von der Batman Trilogie) bis jetzt nicht wirklich glänzen konnten. Aber hier hat DC es endlich geschafft einen absolut soliden und guten Film zu produzieren.

Der erste Akt des Films in Themiscyra, der Insel der Amazonen war visuell wunderschön gestaltet, baute eine gute Grundlage für Dianas Charaktereigenschaften auf und kontrastierte sich im Folgenden wunderbar mit dem 1. Weltkrieg Setting in dem sich Diana im Verlaufe des Films wiederfindet. Allgemein ist der Film visuell ansprechend, hat tolle Kampfszenenen und einen super Soundtrack.

Natürlich ist der Film nicht perfekt und erinnerte mich an einigen Stellen doch etwas zu sehr an den ersten Captain America Film. Das ist zum einen dem historischen Setting zum anderen der Art des Superhelden geschuldet. Zudem ist die zusammengewürfelte Gruppe an Soldaten, die Diana und Steve Trevor begleiten, derart flach und trägt nichts zum Verlauf der Handlung bei, so dass man sie getrost hätte weglassen können. Auch die vorhersehbare und unnötige Liebelei zwischen Diana und Steve hätte meiner Meinung nach nicht sein müssen, hat mich aber auch nicht zu sehr gestört.

Alles in Allem bin ich mit Wonder Woman zufrieden. Der Film ist nicht revolutionär oder weltbewegend, aber ich war in den fast 2.5h Laufzeit nicht eine Minute gelangweilt und habe mich über manche wirklich super choreographierte Kampfszene gefreut.

Quelle: www.imdb.com ©2017 Warner Bros. Entertainment

Maike Kölpin

Maike Kölpin

Maike (26) hat im Master Staatswissenschaften und Internationale Beziehungen studiert. Neben dem Studium begeistert sie sich für alles was mit Gesang, Musik, Schauspiel oder Superhelden zu tun hat und lässt andere gerne an ihrer Begeisterung teilhaben.

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