Konichiwa Otaku! KultLaute zu Besuch auf der größten Anime-Messe Österreichs

Bunt, kreativ, nerdig und vor allen Dingen eins: absolut abgefahren! – das war die AniNite 2018 in Wien. Die größte Fan-Convention Österreichs für japanische Jugend- und Popkultur fand dieses Jahr vom 31.08. bis 02.09. statt und wir waren einen Tag dabei.

[otaku – bezeichnet im Japanischen Fans, die ein großes Maß an Zeit für ihre Leidenschaft aufwenden und ihr mit großer Neigung nachgehen. Es wird ähnlich wie die englischen Wörter Nerd und Geek benutzt.] Quelle: Wikipedia

Wir haben uns den mittleren Tag, einen Samstag, ausgesucht, weil wir so am meisten Zeit hatten, das ganze Gelände der Metastadt in Wien Schwechat zu erkunden. Bereits bei der Anreise sind uns die vielen verkleideten Fans – die sogenannten Cosplayer – aufgefallen. Beim Cosplay (von costume play) versucht man, einen Charakter aus einem Manga, Anime oder Videospiel möglichst realistisch und detailgetreu nachzustellen. Dazu später mehr.

Die AniNite hatte viel zu bieten: drei Hallen und einen Innenhof voll mit allem, was das Otaku-Herz begehrt. In der Haupthalle gab es zwei Filmräume, in denen Anime im Originalton mit Untertitel oder deutsch vertont gezeigt wurden. Außerdem befand sich hier die Artist Gallery, in der Zeichenkünstler ihre Werke ausstellen und verkaufen konnten. Auch Kommissionen wurden hier gezeichnet. Falls du dich also schon immer mal mit riesigen Augen und bunten Haaren sehen wolltest… Direkt daneben gab es eine Tauschbörse für KaKao-Karten. „KartenKunst, Auflagen und Originale“ sind ein beliebtes Phänomen unter Otakus: auf 6,4 cm x 8,9 cm großen Kärtchen kann man sich künstlerisch austoben und dann mit anderen Sammlern tauschen. In dieser Halle haben wir auch unsere Namen auf Japanisch schreiben lassen. Da es allerdings kein Schriftzeichen für den Laut „st“ gibt, wurde aus „Basti“ ein „Basuti“.

Nach der ersten Halle war ich schon ziemlich geschafft von den ganzen Eindrücken und zahllosen Cosplayern rings um mich herum. Zeit für eine Stärkung! Die AniNite hatte einige kulinarische Spezialitäten in petto. Ich habe „dango“ probiert, süße Kugeln aus Reisstärke, die auf einem Spieß verzehrt werden. Meinen Geschmack hat es nicht wirklich getroffen, dafür hat mir der asiatisch gefüllte Wrap, den ich bei einem Food-Truck im Innenhof gekauft habe, umso besser geschmeckt.

Außerhalb der Hallen konnten wir die Kostümpracht am besten bestaunen. Unglaublich, mit wie viel Liebe und Aufwand die Verkleidungen gefertigt werden! Eine Menge Charaktere haben wir erkannt und uns mit den Darstellern unterhalten. Die Fans sind oft (zu recht!) stolz auf ihre Outfits und freuen sich, wenn man sie fotografieren möchte. Unsere Highlights seht ihr in der Cosplay-Galerie.

Ebenfalls draußen präsentiert haben sich Vereine für Kendo (japanische Schwertkunst) und Jugger (ähnlich wie Quidditch ohne Besen). Zudem wurden wir Zeugen eines zunächst seltsam wirkenden Spektakels. Aus heiterem Himmel starteten Gruppen von Besuchern, die sich nicht zu kennen schienen, Flashmobs und tanzten zusammen zu K-Pop. Alle hatten dieselbe komplizierte Choreographie drauf, obwohl hier offensichtlich nichts abgesprochen war. Wir waren gleichermaßen verwirrt und fasziniert. Auf Nachfrage bei einem Fan kamen wir dahinter, dass die extrem populäre, koreanische Band „BTS“ (für Burn the stage) dahintersteckt. In ihren Musikvideos tanzen die nämlich genauso. Bis zu 30 Leute haben auf der AniNite gleichzeitig spontan performt, besonders ein blasser, schlaksiger Junge hat uns mit seinen herausragenden Fähigkeiten überrascht. Wirklich erstaunlich…

In der zweiten Halle befand sich die Shopping-Meile. Stand um Stand gefüllt mit Kostümzubehör, Büchern, Spielen, Merchandise und Kochartikeln, Zeichenbedarf, Filmen, Sammelfiguren und noch so vielem mehr, das ich hier nicht aufzählen kann. Dieses Jahr im Trend: Atemschutzmasken mit Statement oder niedlichen Tiergesichtern. Ich fand ja den Haarreif mit den plüschigen Katzenohren am coolsten… Abgerundet wurde die Halle von einem bunten Bühnenprogramm. Hier wurde zum Beispiel der Gewinner des Cosplay-Wettbewerbs gekürt!

Die kleinste der drei Hallen stand ganz im Zeichen der Spiele. Ob Klassiker, wie das alte japanische Brettspiel Go, Pen-and-Paper-Runden oder brandneue Videospiele – hier konnte alles getestet werden. Sogar ein Battle in Dance Dance Revolution Arcade! (so sieht das bei den Profis aus: https://www.youtube.com/watch?v=T2e1tsnKkiI ) Gegen die schnellen Füße meiner erfahrenen Gegnerin hatte ich allerdings keine Chance.

Im Keller fanden wir die letzte Station unseres Tages: Das Maid-Café. Als Dienstmädchen verkleidete Kellnerinnen servierten uns hier wirklich coole Drinks und Snacks. Der „Alchimisten-Cocktail“ kam in drei knallbunten Reagenzgläsern daher und musste erst noch zusammengekippt werden. Nicht nur ein echter Hingucker, sondern auch superlecker!

Die AniNite gibt es übrigens schon seit 2001. Damals trafen sich ca. 70 Otakus zum gemeinsamen Anime schauen im kleinen Rahmen. Seitdem ist die Messe immens gewachsen und musste mehrmals in eine größere Location verlegt werden. Allein 2017 fanden sich schon 24.000 Besucher ein und ich gehe stark davon aus, dass dieser Rekord 2018 geknackt wurde. Das alles wird größtenteils von über 250 freiwilligen Helfern gestemmt – ein schönes Beispiel für die Vernetzung und den Zusammenhalt der Community.

Insgesamt war unser Ausflug in die Welt der Nippon- und Korea-Fans ein voller Erfolg. Wir hatten viel zu entdecken und auszuprobieren, das Essen war außergewöhnlich und wir hatten vor allem jede Menge Spaß! Auch für (noch) Nicht-Fans der Szene, finde ich die Messe empfehlenswert. Das freundschaftliche Miteinander und der Austausch von Ideen stehen im Fokus, da kann sich jeder einbringen. Nächstes Jahr sind wir bestimmt wieder am Start, wenn die AniNite zum 19. Mal ihre Türen öffnet.

PS: Ich habe in diesem Artikel längst nicht alle Programmpunkte erwähnt. Auf der Webseite https://2018.aninite.at/ findet ihr nochmal eine ausführliche Auflistung.

 

Bilder: Sebastian „Basuti“ Ruppert

Anni Exner

Anni Exner

Die Anni kam für den Bachelor Kulturwirtschaft nach Passau - nur um dann zu merken, dass sie Wirtschaft langweilig findet. Jetzt studiert sie Staatswissenschaften und strebt eine Karriere als revolutionäre Politikerin an. Nebenbei spielt sie leidenschaftlich gern Theater, macht Kampfsport und unterhält ihr Umfeld mit dem "Anni-Faktor".

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