Lyrisches Intermezzo

Damit die Lyrik nicht zu kurz kommt, hier wieder mal ein Gedicht aus eigener Feder.

 

Die Weide und der Fluss
(Jakob Kelsch)

An des Flusses weiten Auen,
Dort wo manche Stund ich weile,
Frei der Sinn und ohne Eile,
Lange in die Fern‘ zu schauen,
*
Dort steht eine alte Weide,
Die zum Wasser hin sich beuget,
Mir von alten Tagen zeuget,
Großer Freud und altem Leide;
*
Durch die Zweige die tief fallen,
Dringen zarte gelbe Strahlen,
Lindern warm des Wandrers Qualen,
Hier wo Vogelsänge schallen;
*
Sanft schwingen die grünen Haare,
In des klaren Stromes Tiefe,
Sie beugt sich als ob sie schliefe,
Träumt von einem fernen Jahre;
*
Als der Stamm noch nicht gebogen,
Und das Land noch nicht bezwungen,
Noch von Menschen unbesungen,
Und kein Rauch die Luft durchzogen;
*
Als die weiße Frau noch schwebte,
Um die alten Felsensäulen,
Und Musik wie Windes Heulen,
In den frischen Lüften bebte;
*
Als aus sanft geschwung‘nen Hügeln,
Noch die hellen Lichter drangen,
Alte Sprachen hier erklangen,
Wie der Klang von leichten Flügeln;
*
Als auf Bockes Beinen tanzten,
Wild gehörnte lust‘ge Geister,
Und dem Weine – ihrem Meister,
Reiche Opfergärten pflanzten;
*
Als ein stummer blinder Spielmann,
Auf dem hohen Felsen hockte,
Sanft mit Flötentönen lockte,
Aus fremden Sphären Klänge spann;
*
Als aus Wassers tiefem Schoße,
Helle Schemen grün sich hoben,
Lachend auseinanderstoben,
Perlend und von Allem lose;
*
Ich, ein Kind des Zauberlosen,
Lass mich dir zu Füßen nieder,
Schreibe meine alten Lieder,
Zwischen Farn und weichen Moosen;
*
Lass die Laute einsam klingen,
Um noch einmal umzukehren,
Mich dem Heute zu erwehren,
Und Erinnerung zu bringen;

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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