Mo!ntags im Colors oder „Mo!nsieur Mo! mo!deriert Mo!vember Mo!ntag“

 

 

Ein Montag Abend wie jeder andere im Colors

Oder doch nicht wie jeder andere? Über dem Billardtisch liegt eine Spanplatte, die Wände sind mit Plastikfolie abgeklebt. Im Hintergrund streckt Albert Einstein seine Zunge heraus. Schlendernden Ganges betritt ein Mann in schwarzer Hose mit weißem Hemd und Krawatte das Podest, das heute Abend seine Bühne sein wird, und zieht sich wortlos eine Sturmhaube über den Kopf – Die Show beginnt und Maurice Massari, genannt Mo!, ist voll in seinem Element.

 

Szenenwechsel – Im Wohnzimmer des Redakteurs, Billyregale voller Bücher rahmen das Gesamtbild des mäßigen Spießertums

Ich empfange den Menschen hinter der Bühnenfigur Mo!, der in seinem Herzen vielleicht doch auch ein kleiner Spießer ist. Zumindest freut er sich über die Einrichtung und meint, dass es gemütlich sei.

Mo, wie lange stehst du eigentlich schon auf der Bühne?15053403_2146036598954325_758142514_o

Mo: Den ersten Auftritt hatte ich mit sechs. Mein Gitarrenlehrer hat regelmäßig Vorspielen organisiert und da durfte ich dann mitmachen. Später bin ich dann mit meiner Band aufgetreten, da war ich so zwischen 13 und 14. Meinen ersten Slam habe ich mit 22 bestritten und zum Kabarett bin ich im zarten Alter von 26 gekommen.

Was bringt dich dazu, auf die Bühne zu gehen? 

Mo: Naja, irgendwie gehe ich schon auf die Bühne um die Welt zu verbessern, ich bin doch irgendwo ein Gutmensch – auf die bestmögliche Weise. Mir ist meine Meinung wichtig und ich finde sie sogar so wichtig, dass ich sie mit anderen teilen will. Im Grunde möchte ich solche „Kleinigkeiten“ fördern wie Frieden für die Welt, Sauberkeit für die Erde, aber nebenbei meinen Zuschauer eben auch etwas bieten und wichtig sein. Die Leute sollen bei mir, wenn auch nur unbewusst, etwas mitnehmen, ich will sie nicht verdummen lassen. Natürlich mache ich das ganze aber auch für mich, um mich selbst zu verwirklichen und für die Anerkennung.

Du polarisierst ja ziemlich, gerade auch wegen der Vulgarität, die einen Teil deines Programms bestimmt. Gehört die zum Konzept dazu?

Mo: Einerseits ist es natürlich ein Garant dafür im Gespräch zu bleiben – und ganz ehrlich? – es ist ja nicht so, als wenn das etwas völlig neues wäre. Eigentlich versuche ich dadurch bei meinen Zuschauern ein Bewusstsein für Sprache zu wecken. Ich will, dass die Leute sich Gedanken darüber machen, ob sie beim nächsten Mal, wenn ihnen etwas nicht gefällt sagen „das find ich jetzt voll behindert“. Überspitzungen sind dafür natürlich ein gutes Mittel. Wenn die Leute sich denken „wie kann der sowas auf der Bühne sagen“ fangen sie vielleicht auch irgendwann an ihren eigenen Habitus in puncto Sprache ein bisschen zu verändern. Es heißt ja auch nicht umsonst „Sprache reflektiert Bewusstsein“ und genau an dieses Bewusstsein appelliere ich.

Gibt es für dich Vorbilder, die dein Programm beeinflussen?15045830_2146032018954783_646276381_n

Mo: Ja klar, eigentlich sind es sogar drei ziemlich unterschiedliche. Da wäre zum einen Serdar Sumuncu, desse Katharsisthema ich ein bisschen adaptiert habe – aber eigentlich ist im Kabarettbereich ja eh alles irgendwie geklaut, man kann das Rad eben nicht neu erfinden. Sumuncu prägte auch vor allem das gesellschaftskritische Derbe an meinem Programm und eben auch das Vulgäre. Wenn es um politische oder sozialkritische Texte und Aspekte meines Programms geht, dann versuche ich mich ein wenig Volker Pispers zu orientieren. Und dann ist da noch Hagen Rether, bei dem ich vor allem die Verknüpfung von Text und Musik inspirierend finde und das Schöngeistige/Philosophische.

 

Wie lange braucht es bei dir, bis ein Text soweit ist, dass du ihn mit auf die Bühne nimmst?

Mo: Puh, das ist schwer zu sagen. Ich denke, es kommt immer darauf an – es gibt so Texte, die schreibe ich in zwei bis drei Stunden einfach runter, schaue sie mir zwei Tage später noch einmal an und feile noch an ein paar Feinheiten. Es gibt aber auch welche, an denen ich über ein ganzes Jahr hinweg arbeite. So ein richtig guter Text, der mir selbst auch wirklich so gut gefällt, dass ich ihn auswendig lerne braucht mindestens zwei Monate und dann kommt die Zeit dazu, die er immer wieder in der Schublade liegen muss, damit ich den nötigen Abstand bekomme, um ihn zu überarbeiten.

Wie sieht dein nächstes Ziel für die Bühnenperson Mo! aus?

Mo: Mittel- bis langfristig will ich ein zweistündiges Programm auf die Bühne stellen, das kein bloßes „Potpurri aus Slamtexten, Liedern, Aktionen etc.“ ist, sondern ein in sich geschlossenes Konzeptstück – ein Programm als Gesamttext könnte man sagen.

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Zurück im Colors, auf dem Bühnenboden liegt ein Mix aus zerhackten Schokoweihnachtsmännern, Obst und Gemüse und einer kompletten Schreibtischausstattung samt Telefon und Deko, die Luft wird langsam stickig, der Raum vor der Bühne ist vollgepackt mit Menschen

Wer Lust auf unseichte Unterhaltung hat, die mal derb, mal nachdenklich daherkommt, ist bei Mo! sicherlich an der richtigen Adresse. Wer nur auf Oberflächlichkeiten steht, hat eher schlechte Karten und wahrscheinlich keine Freude daran.

 

Achtung, Änderung: Der nächste Auftritt findet am 19.12.2016 im Colors statt, Einlass ab 19:30 und Eintritt frei.

 

 

 

 

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