(No) Reason to be scared – Die Top 13 der Horror-Filme

Eigentlich wollte ich ja seit langem schon mal einen Artikel darüber schreiben, was einen guten Horrorfilm ausmacht. Da sich das aber als Mammutaufgabe entpuppt hat, die momentan so gar nicht in meinen Zeitplan passt, gibt es – passend zu Halloween – von mir erst mal eine Top 13 der Horrorfilme. Wohlgemerkt folgt keine repräsentative Bestenliste. Es gibt eine ganze Menge Filme, die ich niemals gesehen habe und die sicher ganz grandios sind. Auch sind viele Filme, die ich wirklich gerne habe, hier nicht aufgeführt. Einerseits handelt es sich um persönliche Lieblingsfilme, andererseits habe ich mich bemüht den ein oder anderen Titel unterzubringen, den vielleicht noch nicht jeder kennt. Ich wünsche euch viel Spaß und ein paar schaurig schöne Stunden mit…

 

13. Happy End – Jede Geschichte braucht ein Ende (Deutschland – Daniel Stieglitz, 2003)

Bildquelle: https://www.videobuster.de/dvd-bluray-verleih/76620/happy-end

Eine deutsche Produktion, die so klein und unbekannt ist, dass ich nicht einmal einen Trailer dazu gefunden habe, die allerdings für ein paar Euro auf DVD zu bekommen ist. Meiner Meinung nach ist die Geschichte um den jungen Schriftsteller, der sich mit dem Geist eines kleinen Mädchens auseinandersetzen muss, sehr sehenswert und kann mit einem originellen Handlungsverlauf aufwarten. Es ist zudem der „regionalste“ Film – Der Regisseur stammt aus Cham in der Oberpfalz und dort wurde der Film auch gedreht.

 

12. Lights Out (USA – David Sandberg, 2013)

Der einzige Kurzfilm auf dieser Liste braucht weniger als drei Minuten eurer Zeit. Schaut ihn euch an – Was kann schon passieren, hm? (2016 brachte Sandberg einen gleichnamigen Langspielfilm heraus, den man sich auch ganz gut ansehen kann. Ich finde den Kurzfilm allerdings nach wie vor beeindruckender.)

 

11. The Babadook (Australien – Jennifer Kent, 2014)

Zwar finde ich das Ende des Filmes nach wie vor suboptimal, alles zuvor ist aber schlicht genial: Die Dynamik zwischen der überforderten Mutter und ihrem etwas sonderbaren Sohn und vor allem die großartige visuelle Inszenierung machen diesen australischen Film zu etwas ganz Besonderem.

 

10. The Cabin in the Woods (USA – Drew Goddard, 2012)

Alles beginnt ganz normal: Einige Teenager, eine Hütte im Wald. Doch hinter der ganzen Sache steckt deutlich mehr. Und keine Angst: Es sind weder die altbekannten Zombies noch der 0815-Killer mit dem Hackebeil. Eine sehr unterhaltsame und überraschende Horror-Komödie mit einem Drehbuch von Joss Whedon.

 

9. Raw (Frankreich/Belgien – Julia Ducournau, 2016)

„J’m‘en fous du 69. Je veux juste du 666.“ Eine junge Veterinärmedizin-Studentin, eine seltsame Universität, bizarre Aufnahmerituale und erwachende Gelüste ergeben einen ganz besonderen, atmosphärisch extrem dichten und packenden Horrorfilm. Dieser Film erregte bei einer Aufführung auf dem „Toronto International Film Festival“ besondere Aufmerksamkeit dadurch, dass einige der Zuschauer in Ohnmacht fielen. Aber ihr seid doch keine Memmen oder?

 

8. Get Out (USA – Jordan Peele, 2017)

Ziemlich viel Satire auf dieser Liste, wie mir gerade auffällt. Bei Get Out handelt es sich aber nicht wirklich um eine Komödie. Die Situationen, die ein junger Afroamerikaner beim Besuch der Eltern seiner weißen Freundin erlebt, sind zwar oft absurd, die Charaktere etwas skurril, aber dennoch entwickelt sich ein packender Thriller mit beklemmender Atmosphäre und großem „WTF“-Effekt.

 

7. Tucker and Dale vs Evil (Kanada – Eli Craig, 2010)

Okay, eine Horror-Komödie – aber was für eine. Dieser Film, der Klischees des Backwood-Horrors (Hinterwäldler, Teenies, einsame Hütte) aufs Korn nimmt, ist manchmal etwas überdreht und überschreitet die Grenze zur Geschmacklosigkeit mehr als einmal. Dafür kommt man auch aus dem Lachen nicht mehr heraus. Unglaublich komisch von der ersten bis zur letzten Minute – auch wegen dem großartigen Alan Tudyk als Dale.

 

6. Midsommar (USA, Schweden – Ari Aster, 2019)

Der jüngste Film auf dieser Liste, aber einer der besten. Man könnte ernsthaft überlegen, ob es sich hier tatsächlich um einen Horror-Film handelt: Keine düsteren Szenen, keine verwinkelten Gänge oder ekelerregenden Monster, nicht einmal wirkliche Bösewichte. Auf dem Mittsommerfest einer kleinen schwedischen Kommune ist alles hell, lichtdurchflutet und voller Blumen. Der zweite Langfilm des Hereditary-Regisseurs ist ein brillantes und äußerst originelles Werk, das durchaus mit dem Erstling mithalten kann (auch dieser ist eine absolute Empfehlung).

 

5. Die Farbe (Deutschland – Huan Vu, 2010)

Noch ein deutscher Film, aber diesmal mit Trailer. Als großer Fan des Horror-Autors H. P. Lovecraft kann ich nicht umhin, zumindest eine direkte Umsetzung seines Werkes in diese Liste mitaufzunehmen. Die Farbe ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste Film, der eine Kurzgeschichte Lovecrafts adaptiert (The Colour Out of Space), auch wenn er sie aus Neuengland nach Deutschland verlagert und auch wenn der Film mit einem sehr geringen Budget auskommen musste. Der talentierte Nachwuchsregisseur Huan Vu arbeitet derzeit mit The Dreamlands an einem äußerst vielversprechenden neuen Werk, das jede Aufmerksamkeit verdient.

 

4. Dracula (USA – Tod Browning, 1931)

„Children of the night. What music they make.“ – Was soll ich sagen? Ja, ich habe ein Faible für die Monster-Filme der 30er Jahre und ja ich habe etwas zu viel Zeit damit verbracht, mir noch die x-te Fortsetzung der Reihen reinzuziehen (trotz ihrer oft zweifelhaften Qualität). Tod Brownings Dracula ist aber sicherlich eine der besten Umsetzungen der klassischen Gothic-Novel Bram Stokers. Dies liegt vor allem am großartigen Bela Lugosi, der den rumänischen Grafen so überzeugend auf die Leinwand bringt, wie kein anderer danach.

 

3. The Bride of Frankenstein (USA – James Whale, 1935)

Und noch ein alter Schwarz-Weiß-Streifen, aber meiner Meinung nach bei weitem der beste der Universal-Monster-Filme! Wie für diese Filme üblich, ist die Geschichte nicht die originellste. Ebenso wie Dracula kann der Film heute auch niemanden mehr schockieren. Dennoch setzt der eher unterschätze Whale sie wahrhaft meisterlich in Szene: Licht, Schatten und Kameraführung ergeben ein Meisterwerk. Die Spezialeffekte des Filmes lassen sich bis heute noch wunderbar ansehen. Hinzu kommt der ikonische Boris Karloff, der einer der besten Darsteller von Frankensteins Monster ist und es meiner Meinung nach in seinem Wesenskern trifft. Wer mehr über den Regisseur erfahren will, dem lege ich Gods and Monsters (USA – Bill Condon, 1998) mit Ian McKellen als James Whale ans Herz.

 

2. Hellraiser (GB – Clive Barker, 1987)

Ich gebe gerne zu, dass Hellraiser vor allem gegen Ende sehr trashig wird – die Animationen sind nicht nur nicht gut gealtert, sondern waren wahrscheinlich bereits als der Film herauskam einfach nicht gut. Über den Rest des Filmes lässt sich streiten: Ziemlich übler Splatter und ekelerregende Monster sind nicht jedermanns Sache. Trotz dieser Effekte errichtet der Film nicht nur eine mitreißende Atmosphäre, sondern auch eine Mythologie bzw. Story, die ebenso packend wie faszinierend ist – wenn man denn einen Sinn für das Morbide hat. Mit „Pinhead“, dem Anführer eines obskuren quasi-dämonischen Folter-Ordens, erschuf er zudem eine der großen Ikonen des Horrorgenres, die wohl viele auch bereits einmal gesehen haben, die von dem Film noch nie etwas gehört haben. Seine Einzigartigkeit und die düstere Faszination, die Hellraiser auf mich ausübt, machen ihn zu einem meiner absoluten Lieblings-Horror-Filme. Nachdem er lange Zeit in Deutschland indiziert war, ist er seit Februar 2017 auch hier ungeschnitten zu erwerben.

 

1. Texas Chainsaw Massacre (USA – Tobe Hooper, 1974)

Das „Blutgericht in Texas“ – wie der Film auf Deutsch so schön heißt – ist ein absoluter Klassiker des Horror-Genres und hat unzählige Sequels nach sich gezogen, von denen keines auch nur annähernd die Qualität des ersten Teiles erreicht. Das liegt auch daran, dass Texas Chainsaw Massacre eben deutlich mehr ist als ein kruder Splatter- und Ekel-Streifen. Nachdem man den Film das erste Mal erlebt hat, ist man zwar der Meinung, man habe gerade bächeweise Blut gesehen, habe miterlebt wie Körperteile von der Kettensäge des ikonischen „Leatherface“ abgetrennt worden sind, aber dem ist nicht so. Der Film ist gerade deswegen so wirkungsvoll, da nicht jede Grausamkeit detailliert gezeigt wird. Die Story um eine Gruppe junger Leute, die an eine degenerierte Kannibalen-Familie gerät ist nicht besonders originell – zumindest heute nicht mehr. Die Umsetzung hingegen schon: Die Bilder wirken intensiv, teilweise fast psychedelisch. Keinem anderen Film, den ich bisher gesehen habe, gelingt es zudem, eine derart authentische Atmosphäre des Abstoßenden und Schmutzigen zu schaffen. Das liegt auch an den eher problematischen Produktionsbedingungen des Low-Budget-Films, bei denen Drogen, Alkohol und Verletzungen an der Tagesordnung waren. Tobe Hooper, der 1982 auch beim wesentlich familienfreundlicheren Poltergeist Regie führte, sorgte auch selbst für den elektronischen Soundtrack, der oft nicht angenehm, sogar nervtötend ist, aber damit perfekt zur intensiven Szenerie passt. Auch die Schauspieler verkörpern ihre Rollen erschreckend authentisch. Es handelt sich um einen schmutzigen und beunruhigenden Film, der wirklich mitnehmen kann – kein wohliger Grusel, sondern knallharter, nervenaufreibender Horror. Die extreme Wirkungsmacht, die der Film jedoch entwickelt, ohne dabei Effekthascherei zu betreiben oder auf billige Trickeffekte zu setzen, die Bilder, die auf ewig im Kopf bleiben, machen ihn zu einem meiner ewigen Favoriten und zum ersten Platz dieser Liste.

 

Das waren meine 13 Horror-Film-Empfehlungen. Welcher Film hätte eurer Meinung nach noch auf die Liste gehört?

Jakob Kelsch

Jakob Kelsch

Eines schicksalhaften Tages hat Jakob festgestellt, dass er wohl in absehbarer Zeit kein großer Künstler werden wird (natürlich nur, weil die Welt noch nicht bereit für sein unglaubliches Talent ist). Obwohl er weiterhin ab und an auf der Theaterbühne dilettiert, hat er also kurzerhand entschlossen, einfach über Kunst zu schreiben und zu sprechen, anstatt selbst welche zu machen. Denn auch solche Leute muss es geben. In Vorbereitung auf seine glanzvolle Karriere als scharfsinnigster Literatur- und Filmkritiker Deutschlands hat er seine Masterarbeit über „Familienmodelle in der popkulturellen amerikanischen Zeichentrick-Sitcom“ abgefasst und promoviert mittlerweile über "Familiäre Räume und Familienmodelle in der zeitgenössischen Online-Serie".

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