„Sieh niemals weg!“ – Florian Henckel von Donnersmarks „Werk ohne Autor“

„Werk ohne Autor“ ist das neueste Meisterstück von Florian Henckel von Donnermark ( „Das Leben der Anderen“, 2007) und hat mich mit seiner Story und Inszenierung vollkommen überzeugt. Warum ich den Film so gut fand, dass ich dafür gleich zweimal ins Kino gegangen bin, erfahrt ihr hier.

Alle Fotos: © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist das Leben des Künstlers Kurt Barnert (gespielt von Tom Schilling). Geboren zur NS-Zeit erlebt er, wie seine geliebte Tante (Saskia Rosendahl) als „Geisteskranke“ verschleppt wird und nie wiederkehrt. Ihre Anweisung „Sieh niemals weg, Kurt! Alles was wahr ist, ist schön.“ wird ihn auf seinem Weg begleiten und zur Maxime werden – gar nicht so einfach in der DDR. Trotz widriger Umstände versucht er, sich treu zu bleiben und mit seiner Herzensdame Elli (Paula Beer) glücklich zu werden, was durch ihren tyrannischen Vater, den angesehenen Arzt Prof. Dr. Seeband (Sebastian Koch) wesentlich erschwert wird. Dieser scheint zudem eine dunkle Vergangenheit zu haben…

Zwischen drei Schicksalen und durch drei Epochen spannt sich eine unerkannte Verbindung, die gekennzeichnet ist durch eines: die Suche nach der Wahrheit.

Alle Fotos: © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Dieses großartige Kinoerlebnis hat mich an mehreren Stellen tief bewegt und zu Tränen gerührt. Vor allem die stimmige Komposition, die Schönheit des Augenblicks, ist es, was den Film ausmacht. Zum Beispiel meine Lieblingsszene, gleich zu Beginn des Films: Zusammen mit seiner Tante Elisabeth besucht Kurt, noch im Grundschulalter, eine Kunstausstellung in Dresden. Sie fahren mit dem Bus zurück in ihr Dorf und kommen erst in der beginnenden Dämmerung an. Anstatt direkt heimzugehen, läuft Elisabeth zum Busbahnhof und macht eine bittende Geste, woraufhin alle Busfahrer gemeinsam für sie hupen. Wie eine Königin steht sie da, hebt die Arme und genießt den Ton. Im Anschluss sagt sie Kurt, sie wünsche sich ein Bild, das sich so anfühlt.

Besonders bemerkenswert ist auch, dass die Handlung weniger durch Dialoge getragen wird, sondern durch die herausragende schauspielerische Leistung der Darsteller. Ich hatte oft den Eindruck, ein Blick oder ein Gesichtsausdruck würde mehr erzählen, als es eine Konversation jemals könnte. Dieses intensive Zwischenmenschliche, unterstrichen von einem bezaubernden Soundtrack, lässt einen von der ersten Szene mitempfinden, was die Charaktere fühlen. Sei es die aufrichtige Liebe zwischen Kurt und Elli oder die erbitterte Bosheit von Prof. Dr. Seeband, alles wirkt authentisch.

Hervorheben möchte ich noch, dass es sich hier im Kern um eine Künstlerbiographie handelt. Kurt, immer schon ein Freigeist, lässt nichts unversucht, um seine Kunst, seinen Weg, seine Wahrheit zu finden. Er erlebt Rückschläge, beispielsweise, wenn er sich in der DDR – des Geldes wegen – dem sozialistischen Realismus beugen muss oder wenn er tagelang vor einer leeren Leinwand sitzt. Doch Kurt gibt nicht auf, weil er weiß wonach er strebt – er will ein Werk schaffen, das die Wirklichkeit so wahr zeigt, wie sie ist. Dieser Wunsch, sich frei zu entfalten und seine Seele nicht zu verkaufen, hat mich beeindruckt.

Anni Exner

Anni Exner

Die Anni kam für den Bachelor Kulturwirtschaft nach Passau - nur um dann zu merken, dass sie Wirtschaft langweilig findet. Jetzt studiert sie Staatswissenschaften und strebt eine Karriere als revolutionäre Politikerin an. Nebenbei spielt sie leidenschaftlich gern Theater, macht Kampfsport und unterhält ihr Umfeld mit dem "Anni-Faktor".

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