„Venom“ – Ein Ausblick auf die Zukunft der Superheldenfilme

 Venom (2018) ist der neuste Comic – Blockbuster der Sony Corporation, der zum einen ein ganz neues Universum neben dem MCU anbricht und zum anderen zeigt, in welche Richtung sich Superhelden Filme wohl entwickeln werden.

Venom ist uns allen bekannt, als populärster Gegenspieler von Spiderman. 1984 tauchte er erstmals als Spidermans neuer Anzug auf, daher auch seine Ähnlichkeit zur Spinne, sowohl in seinen Kräften, als auch im Anzugdesign. In Venom (2018) gibt es aber keinen Spiderman, aufgrund komplizierter Rechtsstreitigkeiten mit Marvel Studios und auch im aufgebauten Universum wird Spiderman wohl erstmal nicht auftauchen. Unabhängig davon war der Film bereits 2007 in Planung, als eine Art Spin-Off der Amazing Spiderman-Reihe. Aufgrund des finanziellen Verlustes, den der zweite Teil jedoch einbrachte, konnte auf diesem Universum nicht weiter aufgebaut werden.
Ist der Film dadurch von vornherein zum Scheitern verurteilt?
Die Frage möchte ich kurz beantworten: Nein. Trotzdem liefert der Film eine schwache Leistung, die – so ist zu befürchten – klar die Linie der kommenden Superheldenfilme zeigt.

Kurz zur Geschichte des Films:
Eddie Brock ist Fernsehreporter mit seiner eigenen Show, in der er – als investigativer Journalist – Skandale und Missstände aufdeckt. Er hat eine Verlobte, eine Katze und ein schönes Motorrad. Für seinen Sender soll er ein Interview mit dem Gründer der sogenannten „Life Foundation“ führen, der ein wenig als der böse Bruder von Elon Musk angelegt ist. Leider wird zu keinem Zeitpunkt so genau erklärt, was die Life Foundation eigentlich ist. Laut den geheimen Akten seiner Verlobten, in denen Eddie herumstöbert, hat die Stiftung nach einer Weltraummission mehre „Symbionten“ – außerirdische Organismen – mitgenommen und experimentiert mit diesen nun an Menschen. Eddie führt das Interview, kritisiert – gegen die ausdrückliche Anordnung seines Vorgesetzten und ohne Wissen seiner Verlobten – den Gründer, sowie seine Firma scharf, indem er die Informationen der Akte aufbringt und verliert danach – große Überraschung – augenblicklich alles was er besitzt: Seinen Job, sein Haus, seine Verlobte und (vor allem) seine Katze.

Die überaus brüchige Logik der Handlung führt anschließend dazu, dass Brock in ein millionenschweres Unternehmen einbrechen kann, das anscheinend nur von zwei lausigen Wachmännern überwacht wird. Im Labor gerät er unmittelbar danach in Verbindung mit Venom.
Hier beginnt nun der eigentliche Teil des Films, der Venom Teil des Films, in dem sich die Beziehung zwischen Venom und Eddie entfaltet.

Der Beginn einer Romantischen Komödie
Es ist zwar keine Liebe auf den ersten Blick, doch ein paar Parasiten-Witze später sind sie ein Herz und eine Seele. Die Zerrissenheit aus den Comics, dass Venom auf der einen Seite Menschen töten und Chaos stiften will, trotzdem aber unschuldigen Menschen helfen möchte, wird im Film nicht thematisiert. Als Motivation der Zusammenarbeit mit Eddie gilt im Film, dass Venom in seiner Welt anscheinend auch so ein „Loser“ war wie Eddie.
Damit wird der Fokus auf die Beziehung zwischen Venom und Eddie gelegt, die für den Zuschauer auch relativ amüsant ist. Die beiden küssen sich sogar an einer Stelle im Film. Ja, wirklich.

Immer wieder werden dumme Sprüche gerissen, die an Deadpool erinnern, doch die Atmosphäre wirkt eher wie Batman. Man weiß nicht so genau, was für eine Art Film Venom gerne sein möchte. Viele Köche verderben eben doch den Brei: Ganze vier Drehbuchautoren haben an Venom geschrieben und übertrafen sich darin, logische Löcher in die Handlung zu schneiden. Der Trend, Drehbuchautoren und Regisseure am laufenden Band zu wechseln, zieht sich durch ganz Hollywood, siehe Guardians of the Galaxy oder auch das ganze neue Star Wars-Universum.

Der neue Spiderman 3?
Der Film artet in einen CGI-Endkampf zwischen zwei Symbionten aus, der mehr ein computertechnisches Wirrwarr als ein tatsächlicher Kampf ist. Dazu ist es dunkel und man konnte die beiden Kontrahenten nicht auseinanderhalten. Diese Sequenz hat mich in die Transformers-Filme zurückversetzt, in denen undefinierbare Blechteile gegeneinander gekämpft haben. Für Michael Bay sicherlich traumhaft, doch mich hat es eher gelangweilt.

Venom ist per se nicht schlecht. Er unterhält, und am Ende ist das natürlich das wichtigste, wenn ich 13 Euro für einen Film in 3D und Überlänge zahle. Wenn man ihn als bromantische Komödie betrachtet, kann man ihn sogar sehr gut finden. Als ernsthafter, düsterer Superheldenfilm muss man ihn aber leider neben Spiderman 3 von 2007, Tobey Maguires unrühmliches Zusammentreffen mit dem Symbionten, einordnen.

Was uns in Zukunft erwarten wird
Das größte Problem, das ich mit Venom (2018) habe, ist, was er für die Filmbranche bedeutet. Man erkennt hier, wie auch in anderen Franchises, dass es heutzutage nicht mehr darauf ankommt, einen originellen Film zu verwirklichen, sondern darum, besonders viel Geld einzuheimsen. Wenn man sich die erfolgreichsten Comic-Verfilmungen anschaut, sind Deadpool und Guardians of the Galaxy ganz weit oben. Zwei Filme, die mit Action sowie vor allem mit lustigem Charme überzeugten. Mir kam es so vor, als ob sich die Produzenten nicht darum scherten, Venom im richtigen Licht oder mit größtmöglicher Nähe zu den Comics darzustellen, sondern kommerzielle Zwecke im Vordergrund standen. Während Deadpool schon immer der „Merc with a Mouth“ war, zeichnete sich Venom, auch wenn er in den Comics ebenfalls den einen oder anderen lustigen Spruch auf den Lippen hatte, vor allem als alptraumhafter Gegenspieler zu Spiderman aus. Die richtige Darstellung war hier aber zweitrangig, da solche düsteren Comicfilme nicht mehr so viel Umsatz machen.

Überdies versucht nun Sony, nach dem Erfolg des MCU von Marvel Studios, auch auf der Welle mitzureiten, jedoch meiner Meinung nach etwas zu spät. Sony ist gerade dabei ein Universum aus Spiderman Nebencharakteren, wie Venom und Morbius, zu entwerfen, nur leider ohne Spiderman. Heutzutage werden wir zugemüllt mit Superhelden-, Comic- und Nerd-Content. Selbst aus Witcher wird gerade eine Netflix Serie gedreht. Noch vor einigen Jahren wäre das mein größter Traum gewesen: Alle meine Lieblingshelden werden auf der großen Leinwand realisiert. Jetzt ist es mir fast lästig, von einem weiteren, gänzlich abgeschiedenen Universum von Comic-Figuren zu hören.
Nichtsdestotrotz liegen mir Venom und auch einige andere Comic-Superhelden sehr am Herzen und ich werde die Reise weiterhin verfolgen – mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Hannah Madlener

Hannah Madlener

Aus dem schönen Schwoabaländle kam die Hannah nach Passau um irgendwas mit Medien zu studieren. In ihrer Freizeit schaut sie zu viele Serien und Filme, liest am liebsten alte Bücher und spielt leidenschaftlich gern Theater und Ukulele. Außerdem befasst sie sich hingebungsvoll mit Comics und versucht diese auch selbst zu zeichnen.

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