Wenn ich das gewusst hätte…

Im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer schlauer, deswegen beschäftigen wir uns zur Abwechslung einmal damit, was wir gerne zu Beginn unseres Studiums an der Universität Passau gewusst hätten. Für Studienanfänger ist vielleicht der ein oder andere nützliche Tipp dabei und wer schon länger studiert, der erkennt sich womöglich wieder.

Quelle: Kurt Seebauer

Jakob (B.A. Sprach- und Textwissenschaften/M.A. Text- und Kultursemiotik): Eigentlich habe ich es relativ gut durch’s Studium geschafft und mir fallen eher Kleinigkeiten ein. Ich kann mich zum Beispiel erinnern, dass es mich anfangs ziemlich geärgert hat, dass scheinbar jeder Lehrstuhl andere Vorstellungen davon hat, wie eine wissenschaftliche Arbeit formal angelegt sein soll. Mittlerweile weiß ich, dass es zwar gewisse Standards gibt, an die man sich halten sollte (häufig gibt es da Stylesheets auf den jeweiligen Websites), dass es aber vor allem wichtig ist, innerhalb einer Arbeit einheitlich zu arbeiten, also z.B. nicht auf halber Strecke die Zitierweise zu ändern. – Ich spreche hier für die philosophische Fakultät, ich weiß nicht so genau, wie es an anderen Fakultäten aussieht. Es ist auch immer sinnvoll, Hausarbeiten mit den jeweiligen Dozenten gut abzusprechen – sie werden einem zwar nicht verraten, wie genau die Arbeit aussehen soll, können aber (hoffentlich) Tipps und Anleitung geben, wie man besser zum Ziel kommt. Ansonsten sollte man sich so viel Zeit für’s Studium nehmen, wie notwendig ist. Die Semestervorgabe ist in der Regel großzügig genug. Ich habe mich in den ersten Semestern etwas mit Veranstaltungen überladen, hätte aber locker einfach ein Semester anhängen können, um besser zu Rande zu kommen. Auf den Arbeitsmarkt kommt man ohnehin noch früh genug. Es ist, was das angeht, auch wichtig, einen vernünftigen Ausgleich zwischen Freizeit-Aktivitäten (z.B. Theater) und Uni zu finden. Das eine kann das andere auffressen, aber keines von beidem sollte zu kurz kommen – schließlich sind die Bekannt-/Freundschaften, die man in dieser Zeit schließt, und die Erfahrungen, die man jenseits des Hörsaals macht, ebenso wichtig wie der Rest.

Maike (B.A. European Studies, M.A. Staatswissenschaften + Internationale Beziehungen): Soweit habe ich es ganz gut durch mein Studium geschafft, auch wenn ich gerade im Bachelor mehr Zeit in Theater und Musik investiert habe als in mein Studium. Mein Tipp für die O-Woche: Besucht jede Veranstaltung, von Infoveranstaltungen über die Kneipentour bis hin zur Schnitzeljagd, schaut nach Hochschulgruppen. Es gibt für die meisten Studiengänge, aber auch für die meisten Interessen eine Hochschulgruppe, in der ihr Gleichgesinnte kennenlernen und Freunde finden könnt. Die meisten meiner Freunde habe ich nicht in den Seminaren, sondern in der O-Woche, vor allem aber in meinen Theatergruppen und Chören kennengelernt. Fragt in den Infoveranstaltungen der O-Woche, wann man am besten welche Veranstaltung belegt, welcher Dozent wie tickt. Die Organisatoren der Fakultäten sind genau für sowas da und es kann euch gerade am Anfang bei der Stundenplanerstellung helfen. In der Uni: Stellt Fragen, wenn ihr was nicht versteht. Die (meisten) Profs und Dozenten wollen euch nichts Böses und helfen euch weiter. Schaut aber vorher vielleicht auch mal auf den Lehrstuhl- und Fakultätswebsites vorbei, da findet man meistens die gängigen Infos zu Hausarbeiten und Ähnlichem. Aber am wichtigsten: Genießt eure Zeit in Passau! Glaubt mir, sie geht viel zu schnell vorbei 🙂

Sandra (LA Gymnasium, Englisch + Französisch): Liebe frühere Sandra, bitte stell dich darauf ein, dass du dich um alles selbst kümmern musst. Das klingt vielleicht banal, war mir aber am Anfang meines Studiums nicht so klar, besonders was die Organisation der Schulpraktika (dazu gibt es inzwischen zumindest eine Website) und die Vorbereitung auf das Staatsexamen betrifft. Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich mich früher über das Staatsexamen schlaumachen, mich von älteren Studierenden beraten lassen und relevantere Kurse belegen, vor allem in englischer Sprachwissenschaft, was mir die Vorbereitung jetzt sehr erleichtern würde. Was ich auch noch gern gewusst hätte: Wenn du dein Studium in der Regelstudienzeit schaffen willst und trotzdem am Ende ein bisschen Zeit haben willst, um dich auf das Staatsexamen vorzubereiten, dann reichen 30 ECTS im Semester nicht. Ich habe mein Studium durchaus genossen, habe mir immer Zeit fürs Theater und andere Aktivitäten genommen und bereue das überhaupt nicht. Andererseits muss ich jetzt ein Semester dranhängen, um aufs Examen zu lernen, und das, weil ich langsam alt werde, nicht nur ohne Bafög, sondern auch noch ohne Kindergeld und mit teurerer Krankenversicherung. Das hätte sich durch bessere Planung vielleicht vermeiden lassen. Mein persönlicher Tipp für Lehrämtler: Tretet gleich der Facebook-Gruppe „Lehramtsstudenten Passau“ bei, da findet man mithilfe der Suchfunktion sehr oft Antworten auf seine Fragen.

Juju (B.A. Medien und Kommunikation, M.A. Text- und Kultursemiotik): Gerade am Anfang des Studiums, aber auch im Laufe der Semester, fragt man sich immer wieder, ob das gewählte Studium auch das richtige für einen ist. Allen, denen es gerade so geht, möchte ich sagen, dass es manchmal auch nicht schlimm ist, das „falsche“ zu studieren. Ich wusste lange nicht, in welche Richtung ich gehen will, genaugenommen wusste ich das bis zu meinem vorletzten Mastersemester nicht so genau. Aber in meinem vierten Bachelorsemester war mir klar, dass Medien und Kommunikation nicht das richtige für mich ist. Ich konnte alles, was man damit später machen kann – und das ist eine Menge – für mich selbst ausschließen. Ich wollte nicht in den Journalismus, wollte nicht zum Radio, zum Fernsehen oder zum Film, ich wollte nicht in die Werbung und auch PR war nicht das richtige für mich. Aber nachdem ich zu diesem Zeitpunkt bereits über die Hälfte meines Studiums hinter mir hatte, habe ich beschlossen, mich bis zum Ende des Bachelors durchzuschlagen. Und dann kam für mich der Vorteil des Bachelor-Master-Systems zum Tragen: die Tatsache, dass man nach dem Bachelor noch einmal neu entscheiden kann, in welche Richtung es geht. Natürlich gibt es Einschränkungen, aber gerade in Passau ist man relativ frei, was den Master betrifft, da man nicht den passenden Master zum Bachelor studieren muss. Daher habe ich mich für Literatur und Mediensemiotik entschieden, etwas, das mir mehr liegt als Kommunikation, ein Master, mit dem ich letztendlich mehr für meine Berufswahl anfangen kann. Und ich werde vermutlich nie wieder in meinem Leben einen Radiobeitrag oder einen Fernsehbericht machen, nichtsdestotrotz möchte ich diese Erfahrungen nicht missen und ich bereue es nicht, das „Falsche“ studiert zu haben. Klar, wenn ihr schon am Anfang feststellt, dass euch euer Studium überhaupt nicht gefällt, und ihr sicher wisst, dass es nichts für euch ist, probiert etwas anderes aus, aber es ist auch kein Weltuntergang, wenn ihr das erst später feststellt. Es kann einem letztlich weiterhelfen, wenn man weiß, was man später nicht machen will, denn auch das eröffnet neue Perspektiven.

Sophia (Jura): Gerade in Jura wird gern von Anfang an ein bisschen Panik gemacht. Der Prof sagt in der ersten Vorlesung „Sehen Sie sich um, die Hälfte von ihnen wird nach der Zwischenprüfung nicht mehr da sein“, ein übereifriger Kommilitone kennt schon das halbe BGB auswendig und wenn man so unvorbereitet ins Studium startet wie ich damals, dann kommt man sich erstmal heillos überfordert vor. Aber das ist ok, denn wie viele Gespräche über meine jetzt sechs Semester Jura hinweg zeigen, geht das in Wirklichkeit (fast) allen so. Zugegeben, der Einstieg in Jura ist hart, weil es einfach so anders ist, als alles, was man davor in der Schule gemacht hat, aber er ist auch machbar. Kauft nicht gleich jedes Lehrbuch, das empfohlen wird, sondern sucht euch am Besten im Erdgeschoss der Jura-Bib je zwei oder drei Bücher zum BGB AT und zu Staatsorga (Bücher mit der Signatur 17 (…) kann man ausleihen), lest rein, schaut euch an, welches euch am Besten gefällt. Und dann macht es nicht so wie ich und fangt mit dem Lernen für die Zwischenprüfung erst zwei Wochen vor der ersten Prüfung an. Das ist wirklich eine dumme Idee. Aber gerade am Anfang des Studiums ist, egal was die anderen so sagen, auch noch ein Leben neben Jura möglich. Ich kann mich meinen Vorrednern in Bezug auf Hochschulgruppen und Freizeitaktivitäten nur anschließen. Zum Thema Studienablauf gibt es einen ganz guten groben Plan in der Quietschietüte und online hier, für alle weiteren Fragen zum Thema sucht euch am besten jemanden, der einige Semester über euch ist, und löchert sie/ihn mit Fragen – keine Angst, wir haben das alle so gemacht. Interessant zu wissen ist etwa, dass man eine Freischussverlängerung nicht nur durch den Abschluss einer FFA bekommen kann, sondern z.B. auch durch Teilnahme an einem Moot Court oder ein hochschulpolitisches Amt. (Ich weiß, das klingt jetzt wahrscheinlich seeehr spezifisch, aber ich hätte das im ersten oder zweiten Semester gern gewusst, dann hätte ich mir wahrscheinlich einige Semester englische Fälle auswendig lernen gespart…) Zu guter Letzt will ich euch noch etwas mit auf den Weg geben, was mir eine Führerin bei meiner O-Wochen Kneipentour erzählte: Dass es bei ihr fast zwei Jahre dauerte, bis sie sich wirklich sicher war, dass Jura das Richtige für sie ist – das hat mich, umgeben von Quietschies, die gefühlt schon genau wissen, in welcher Großkanzlei sie einmal anfangen wollen, wirklich sehr beruhigt. Bei mir hat es übrigens sogar bis zum Schwerpunkt gedauert. Aber jetzt genießt erstmal euer erstes Semester, lasst euch nicht zu sehr verrückt machen und habt vor Allem eine wunderbare Zeit in Passau! 

Andi (LA Grundschule, Hauptfach Englisch): Wenn ihr Vorlesungen habt, geht auf alle Fälle in die Tutorien. Geht sogar eher in die Tutorien als in die Vorlesungen. Habt ihr Überschneidungen oder seid faul, geht nicht in die Vorlesung, aber in das Tutorium. Die sind nicht nur meistens nachmittags, sondern auch in wesentlich kleineren Gruppen bei eigentlich immer sympatischen Leuten, die man in Ruhe mit seinen eigenen Problemen nerven kann. Zusätzlich sind die Tutoren fast immer auch noch selbst Studierende und wissen, was den durchschnittlichen Studierenden am meisten beschäftigt: das Bestehen der entsprechenden Klausur. Dementsprechend stark wird man darauf vorbereitet, während die Professoren doch gelegentlich dieses Ziel aus den Augen verlieren. Und nehmt jedes Seminar bei Jonathan Rose mit, das nur irgendwie in den Stundenplan geht! Ach ja, und wenn ihr vorhabt, Hauptfach Mathe zu studieren: Macht es nicht.

Sandra Kalhofer

Sandra Kalhofer

Sandra liebt Sprachen und arbeitet gerne mit Kindern, deshalb studiert sie Lehramt Gymnasium mit den Fächern Englisch und Französisch. Ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Außerdem hat Sandra scheinbar viel zu viel Zeit, deswegen macht sie auch bei allen möglichen Gruppen und Projekten mit. Für KultLaute opfert sie aber besonders gerne ihre Freizeit.

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