Westworld: „These violent delights have violent ends.“

Gerade ist die zweite Staffel der Science-Fiction-Serie Westworld angelaufen. Für HBO war die Serie ein durchschlagender Erfolg, mit durchschnittlich 12 Millionen Zuschauern hatte Westworld die erfolgreichste erste Staffel von allen Serien des Senders. Damit übertrumpft es sogar Game of Thrones, obwohl dieses durch die Fans der Buchvorlage eigentlich einen enormen Vorteil hatte. So ganz ist der Westworld-Hype allerdings nicht nach Deutschland übergeschwappt – das sollte sich schleunigst ändern, deswegen werde ich euch jetzt erklären, warum Westworld absolut sehenswert ist.

Westworld spielt in einem futuristischen Vergnügungspark im Western-Stil (namens Westworld), in dem sehr menschlich wirkende Roboter – die Hosts – bei den Gästen keine Wünsche offenlassen, damit diese Wild-West-Abenteuer erleben können (von der Goldsuche über Überfälle bis hin zum etwas anderen Abenteuer im Saloon). Westworld ist aber nicht einfach ein Park, wie wir uns einen Freizeitpark vorstellen, sondern umfasst riesige Mengen an Land (tolle Bilder!), mehrere Städte und natürlich jede Menge Hosts, die in verschiedensten Handlungssträngen festgelegte Rollen einnehmen. Die Hosts können Gäste nicht verletzen, während die Gäste die Hosts nach Lust und Laune vergewaltigen oder erschießen können – für schwache Gemüter ist die Serie definitiv nichts, auch wenn sie nicht so plastisch ist wie Game of Thrones. Verletzte oder tote Hosts werden dann nachts von Ingenieuren repariert und ihre Erinnerungen werden gelöscht. Andere Angestellte überwachen die Vorgänge im Park, bauen neue Hosts oder entwickeln neue Handlungsstränge (so schön meta!). Im Laufe der Serie stellt sich allerdings heraus, dass manche der Hosts sich anscheinend an frühere Erlebnisse erinnern können oder entgegen ihrer Rolle handeln. Dazu gehört etwa Dolores Abernathy, die eigentlich die Rolle einer naiven Farmerstochter spielt, im Laufe der Serie aber noch deutlich mehr Facetten zeigt.

Dolores und William (Quelle: hbo.com)

Die Serie folgt verschiedenen Charakteren, darunter Hosts, Besucher und Angestellte des Parks, und verwebt auf meisterhafte Weise verschiedene Erzählstränge miteinander. Westworld lebt davon, dass der Zuschauer im Unklaren ist und nie weiß, was er wirklich weiß. Es werden unzählige Andeutungen gemacht und Hinweise gegeben, was schon während der ersten Staffel zu ganzen Artikeln und Blogbeiträgen mit Fantheorien führte. Es lohnt sich dementsprechend übrigens auch, die Serie noch ein zweites Mal anzuschauen! Die Problematik von intelligenten beziehungsweise sehr menschenähnlichen Androiden ist natürlich nicht neu, aber dennoch regt sie einen sehr zum Nachdenken an und bei manchen Szenen läuft einem regelrecht ein Schauer über den Rücken. Westworld setzt die Thematik definitiv auf originelle und sehr komplexe Weise um. Apropos komplex: Westworld ist wirklich keine Serie, die man mal eben nebenbei schaut, sondern eine, die eure volle Aufmerksamkeit beanspruchen wird. Mehr will ich zur Handlung auch gar nicht sagen, für meinen Geschmack habe ich jetzt schon zu viel gespoilert. Ich selbst habe die Serie fast völlig ohne Vorinformation – nur auf eine Empfehlung hin – geschaut und meiner Ansicht nach hat das mein Erleben der Serie gefördert, ich bin wirklich darin eingetaucht und war die ganze Zeit unglaublich gespannt. Allerdings bin ich auch beim zweiten Schauen wieder in die Welt eingetaucht, falls ihr euch also versehentlich spoilert, lohnt es sich trotzdem noch, die Serie zu schauen 😉 

Ein Host wird produziert. (Quelle: theverge.com)

Jeder einzelne der Schauspieler trägt zum Zauber der Serie bei. Ich muss sagen, dass ich außer dem großartigen Anthony Hopkins und James Marsden (der den verliebten Revolverhelden sehr glaubhaft verkörpert) keinen der Schauspieler kannte, aber sie spielen alle hervorragend. Besonders hervorzuheben sind hier diejenigen, die die Hosts verkörpern, da dies sicherlich die anspruchsvollere Aufgabe ist. Evan Rachel Wood etwa spielt Dolores äußerst nuancenreich und schafft es mit subtiler Mimik und Gestik, dem Zuschauer verschiedenste Eindrücke von Dolores zu vermitteln. Eine weitere Favoritin ist Thandie Newton als Saloondame Maeve, die in einer Minute seelenvoll und in der anderen abgebrüht wirkt. In die deutsche Version habe ich übrigens nur kurz reingeschaut, aber die Synchronisation finde ich nicht wahnsinnig gut gelungen, wenn möglich, würde ich also die englische Version empfehlen.

Maeve im Saloon (Quelle: hbo.com)

Ein weiterer großer Pluspunkt für die Serie ist die Musik. Verantwortlich dafür zeichnet Ramin Djawadi, ein Name, den ihr vielleicht von Game of Thrones kennt. Bei Westworld hat er sich meiner Ansicht nach selbst übertroffen. Zu den eigens komponierten Liedern, die wunderbar die Stimmung einfangen und mir dauernd Gänshaut verschaffen, kommen auch Instrumentalversionen von bekannten Liedern, die zu extrem coolen Szenen führen – mein persönlicher Favorit ist „Paint It, Black“. (In dem Ausschnitt seht ihr auch, dass viel Geld in Setting und Kostüme geflossen ist – es hat sich gelohnt!)

 

Jetzt bin ich auf viele Aspekte eingegangen, aber erstens kann ich nicht ewig schreiben und zweitens gilt wie so häufig auch hier, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist. Obwohl ich die Handlung, die Bilder, die Schauspieler, die Kostüme und die Musik wundervoll finde, reicht das nicht ganz aus, um zu erklären, warum die Serie so großartig ist. Sie ist intelligent, komplex, spannend, bietet viel fürs Auge… sie hat einfach das gewisse Etwas. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Westworld die beste Serie ist, die ich je gesehen habe.

Ihr seid jetzt neugierig geworden? Dann kommen wir zum einzigen Kritikpunkt an der Serie: sie ist nicht auf Netflix. ☹ Aber nicht verzweifeln! Ihr könnt sie mit Sky Ticket schauen, euch die Serie online kaufen oder ganz altmodisch die DVD kaufen – die Investition lohnt sich und mit einer gebrauchten DVD kommt ihr günstig weg 😉 .  Ich persönlich freue mich jetzt auf die zweite Staffel, in der hoffentlich noch einige Geheimnisse aufgelöst werden, die in der ersten Staffel noch offen geblieben sind.

Hier noch ein kleiner Blick hinter die Kulissen. (Quelle: hbo.com)

PS: Das Zitat „These violent delights have violent ends“, eigentlich ein Zitat aus Romeo und Julia, wird in der Serie mehrmals geäußert und für mich fängt es die Stimmung in Westworld (zumindest ab einem gewissen Punkt) sehr gut ein.

Sandra

Sandra

Sandra hat ihre Liebe zum Schauspielern hat sie schon in der 5. Klasse entdeckt und die hat sie auch zur KultLaute-Theatergruppe gebracht. Mittlerweile ist daraus noch mehr geworden und egal, was sonst so ansteht, für KultLaute opfert sie besonders gerne ihre Freizeit.

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